Im Rentierschlitten durch die verschneite Tundra. Mit einem Husky-Gespann über gefrorene Seen. Und nachts Polarlichter bestaunen. In Finnisch-Lappland wird der Winter zum Erlebnis.

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Denk ich an Luosto in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Aber nicht etwa, weil das Dörfchen in Finnisch-Lappland mich irgendwie bedrückte oder der hohe Norden mir gar Albträume bescherte. Im Gegenteil. Um den Schlaf gebracht bin ich, weil die Winter in Lappland mir jeden Traum ersetzen. Wer schon einmal einen Winter dort oben in einem dieser gemütlichen, kuscheligen Blockhäuser erlebte, morgens zum Fenster hinausblickte, auf weiss verpackte Bäume, auf verzuckerte Büsche, auf eine weite Schneelandschaft, der weiss: So muss Winter sein! «Lappland im Winter ist wie Weihnachten in Bullerbü», notierte ich, als ich vor zwei Jahren wieder einmal in Luosto war, «ein Sehnsuchtsort, der Ferienträume wirklich werden lässt, nur gut drei Flugstunden entfernt.»

Was wohl Hytönen macht? Ob es noch lebt, das wetterharte Eichhörnchen, dem ich einst die morgendliche Nahrungssuche mit einem Kanten Brot erleichterte? Ich hatte mich an das Tierchen gewöhnt, das allmorgendlich, bei jedem Wetter und jeder Temperatur, vor dem Küchenfenster herumwuselte, stets darauf bedacht, nichts übrig zu lassen – weder dem futterneidigen Kollegen, dem er bisweilen mit verbissenem Furor hinterherjagte, noch dem grossen Vogel, der jeweils im Verlauf des Vormittags auf dem mit einer zentimeterdicken Schneedecke belegten Gartentisch landete und mit schwarz-glänzenden Knopfaugen die Futterlage prüfte.

Kurz hinter dem Dorf ein mit dickem Eis gedeckter Fluss, auf dem Kälteresistente sich unter kundiger Leitung im Eisfischen üben können.

Von Huskys und Trollen Luosto, ein kleines Dorf rund 120 Kilometer nördlich des Polarkreises und eingangs des weitläufigen Pyhä-Luosto-Nationalparks. Ein Laden, einige Restaurants. Ein Skilift, diverse Langlaufloipen sowie Schneeschuh- und MotorschlittenTracks. Kurz hinter dem Dorf ein mit dickem Eis gedeckter Fluss, auf dem Kälteresistente sich unter kundiger Leitung im Eisfischen üben können.

In der näheren Umgebung einige von Sami, den einheimischen Ureinwohnern, geführte Rentierfarmen, die Schlittenfahrten anbieten, und, natürlich, auch eine Husky-Farm, auf der man Hundeschlittenausflüge aller Art buchen kann. Vom Kurztrip bis zur mehrtägigen Safari. Gemäss Hans Blaser, seit Jahren Gästebetreuer in Luosto, das absolute Highlight für die meisten Lappland-Reisenden. Zu Recht, Hundeschlittentrips sind einfach ein Muss für all jene, die keine Probleme mit den Fellnasen haben.

Denn wenn man auf den Endkufen steht, vor sich vier bis acht Hunde, die den Schlitten mit viel Energie und, scheints, grossem Spass durch den lappländischen Winter ziehen, wenn man sieht, wie tifig die Tiere beinelen und täselen und munter vorwärtsdrängen, dann muss einem ganz einfach das Herz aufgehen. Das tut es allerdings auch beim kommunen Schneeschuhlaufen.

Rentiere ziehen einen Schlitten über einen verschneiten Weg.
Ruhige Schlittenfahrt: Mit Rentierzüchter Anssi Kiskinnen durch die Bilderbuch­landschaft bei Luosto.
Ein beleuchtetes Blockhaus in einem verschneiten Wald.
Ein Licht im verschneiten Forst: Blockhaus-Ferien in Lappland sind wie Weihnachten in Bullerbü.
Ein Eichhörnchen im Schnee.
Hungrig: Eichhörnchen Hytönen wartet aufs Frühstück.
Ein Mann mit einer Kappe steht vor verschneiten Bäumen.
Hans Blaser, SF-Gästebetreuer.
Zwei Huskys.
Kuscheln muss sein: Zwei Huskys bei ihrer wohlverdienten Pause.
Ein zugefrorener und schneebedeckter Fluss.
Freie Fahrt: Auf dem Snowmobil über einen zugefrorenen Fluss.
Mann neben einem Rentier
Traumpaar: Der samische Rentierzüchter Anssi Kiskinnen mit einem Schlitten-Ren.

Bei einer gemütlichen Tour an den Flanken des Luostotunturi, des Hausberges von Luosto. Vorausgesetzt, man ist warm gekleidet. Denn in Finnisch-Lappland kann es auch Anfang März noch ordentlich kalt sein, Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sind keine Seltenheit. 

Vorausgesetzt, man ist warm gekleidet. 

Wie an jenem Vormittag, als ich zusammen mit meiner Freundin durch den tief verschneiten Märchenwald eingangs des Nationalparks stapfte. Es war grimmig kalt. Ein eisiger Wind pfiff durch die Bäume, liess losen Schnee von den Ästen rieseln und biss mir ins Gesicht. Ich zog den Jackenkragen bis zu den leicht brennenden Ohren hoch, rieb mir die trotz Handschuhen klammen Finger und blickte mich um. Winterwald. Skulpturenpark. Bäume wie in der Kälte erstarrte Trolle. Riesen. Märchenfiguren. Ein Windstoss fuhr durchs Geäst. 

Der Troll vor mir erzitterte. Schnee fiel. Dann wurde es wieder ruhig. Still. Und ich notierte: «Alles um mich ist in Weiss erstarrt, und spräche ich laut, würden die Worte mir vor dem Mund gefrieren und am Boden zersplittern. Also schwieg ich und lauschte der Stille. Dem Rieseln des Schnees, dem Pochen des Pulses, dem Rasseln meines Atems.»

Nein, es ist die Schönheit der Natur, die einem in Lappland bisweilen den Atem raubt. 

Man kann wirklich ausser Atem kommen, in Luosto. Aber in der Regel nicht, weil man sich zu sehr hätte anstrengen müssen, nein, in Luosto geht man es gemächlich an, und auch die Zeit drängt nie. Nein, es ist die Schönheit der Natur, die einem in Lappland bisweilen den Atem raubt. Der Märchenwald am Luostotunturi etwa. Eine Rentierschlittentour über die gefrorene Tundra. Oder das Polarlicht, das in Luosto dem Vernehmen nach weit mehr als üblich in roten, meist grünen Schleiern über den Nachthimmel tanzt. Keine Frage: Denkt man an Luosto in der Nacht, wird einem der Winter nahgebracht.