Bekannt ist Wengen fürs Lauberhornrennen. Doch gibt es auch ein Dorf zu entdecken, das mit familienfreundlichen Arrangements, gemütlichen Beizli und grandioser Gletscherwelt auftrumpft.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug bis Lauterbrunnen. Ab da mit der Lauberhornbahn.
www.sbb.ch


Übernachten:

Hotel «Victoria-Lauberhorn»
mit schönen Familienzimmern, Wellnessbereich sowie zwei Restaurants. Spielzimmer für Kleinkinder, Billardtische und Tischfussball für Jugendliche. 
www.hotel-victoria-lauberhorn.ch


Allgemeine Auskünfte:
Es gibt einen Kinderhort im Tourist Center Wengen. 
Tel. +41 (0)33 856 85 85
www.wengen.ch

Inhaber eines Sportpasses fahren günstiger aufs Jungfraujoch.
Tel. +41 (0)33 828 72 33
www.jungfrau.ch

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit dem Ferienverein entstanden.

Jedes Jahr trifft sich die skibegeisterte Welt am Lauberhorn und feiert ihre Idole. Doch nicht nur zum Höhepunkt der Skisaison ist Wengen eine Reise wert. Denn es gibt ein kleines, feines Dorf zu entdecken.

Meine fünfzehnjährige Tochter Cameron und ich besuchen diesen Ort, der nahezu autofrei ist. Die Besucher reisen mit der Bahn von Lauterbrunnen aus an und werden vom «Dorf der Jungfrau» charmant auf 1274 Metern empfangen. Unser Hotel liegt gleich hinter dem Bahnhof. Das «Viktoria-Lauberhorn » ist ein Jugendstilbau aus dem Jahr 1897 mit feudalem Speisesaal und herrlicher Aussicht. Doch das perfekte Pistenwetter lockt, und ein grosser Moment wartet auf uns, denn heute werden wir die Lauberhornabfahrt bestreiten. Deshalb stellen wir unser Gepäck im Hotel ab und gehen gleich weiter zur Skivermietung, nur ein paar Schritte entfernt. 

Gut ausgerüstet und voller Tatendrang steigen wir danach in die Jungfraubahn, die uns auf die Kleine Scheidegg hinaufbringt. Die Fahrt ist wie eine Reise durch ein Märchenland.

Tief verschneit breitet sich die Landschaft vor uns aus, und die Sonne bescheint die grandiose Alpenarena mit Eiger, Mönch und Jungfrau.

Als wir oben angekommen sind, gilt es ernst: Cameron und ich stehen mit klopfenden Herzen im Starthäuschen. Vor uns liegt die frisch präparierte Lauberhornabfahrt, die wir gleich runterfahren werden – fast wie die «Grossen». Piep, piep, piep: Das Startzeichen ertönt, und wir schiessen los. Sogleich gehts rasant den Hang hinunter – beängstigend rasant.

Ein Skifahrer rast den Berg hinunter.
Das Pool-Race ist eine Attraktion.
Grosses Hotel in einer verschneiten Landschaft.
Jugendstilbau mit Wellnessbereich: Hotel Viktoria-Lauberhorn.
Skifahrer rast den Berg hinunter.
Beat Feuz auf der Lauberhornabfahrt.

Meine Tochter und ich bevorzugen doch lieber ein gemächlicheres Tempo und nehmen uns Zeit, an verschiedenen Stationen zu halten: Russisprung, Traversensprung, Hundschopf. Alles markante Streckenabschnitte, die wir aus den TV-Übertragungen kennen und die hier erklärt werden – woher der Name stammt, was das Besondere der Passage ausmacht. Und wir erfahren, dass diese längste aller Rennstrecken sich über 4,5 Kilometer erstreckt, die Laufzeit rund 2,5 Minuten beträgt und auf ihr am schnellsten gefahren wird (Rekord: 161,9 km/h).

Mit grossen Schwüngen und etwas schweren Beinen gelangen wir schliesslich ins Ziel und gönnen uns kurze Zeit später Entspannung im hoteleigenen Spa mit Pool. Genau das richtige Programm, um später zu schlafen wie ein Murmeltier. Doch mit leerem Magen fällt das schwer, und so lassen wir uns im Speisesaal kulinarisch verwöhnen. Den Kaffee nehmen wir, in Decken gehüllt, auf unserem kleinen Balkon ein. Im Mondlicht erahnen wir, was uns am nächsten Tag erwartet. Die Bergkämme heben sich dunkel vom sternenklaren Himmel ab, während Wolken wie Rauchschwaden langsam durchs Tal hinaufziehen.

Die Bestätigung schneit am nächsten Morgen rein. Die Sonne lässt sich nur kurz blicken, es beginnt zu nieseln. Viele Skifahrer lassen sich vom Wetter nicht abhalten, die Pisten runterzuschwingen. Wir hingegen unternehmen lieber einen Spaziergang durch das beschauliche Dorf. Chalets und historische Häuser geben Wengen seinen Charme. Beizen und kleine Läden laden zum Verweilen ein.

Ein Berggipfel, auf dem ein Gebäude steht.
Ein kaum zu übertreffendes Bergerlebnis: die Fahrt aufs Jungfraujoch.

Alle landen im Pool

Eine Überraschung bietet sich uns, als wir auf unserem Spaziergang an einem Skirennen der etwas andern Art vorbeikommen: am Pool-Race, das traditionell im März stattfindet, wenn im Dorf der Schnee zu schmelzen beginnt. Am Fuss eines Hügels wurde ein Wasserbecken mit einer Blache in den Boden gelassen. Die Skifahrer müssen am Hang möglichst viel Schwung gewinnen, um unten über diese Lache zu surfen. Am Start stehen bereits einige Skifahrer in origineller Aufmachung bereit. Die meisten tragen Badehosen und wegen des schlechten Wetters auch Mützen, Schals und Handschuhe. Der Erste saust hinunter, tief in der Hocke, geradewegs auf den Pool zu. Keiner schafft es bis ans Ende des Beckens, keiner bleibt trocken – ausnahmslos alle landen im Pool. Die Fahrerinnen und Fahrer trotzen der Kälte mit viel Gelächter und Glühwein, die Zuschauer ebenso. Ein Riesengaudi.

Wengen ist ein idealer Ort für Familien mit Kindern. Neben der Skischule gibt es eine Kinderkrippe für die kleinen Gäste, die sogar Säuglinge betreut. Perfekt für Eltern, die ein paar Stunden wellnessen oder eine Runde Curling spielen wollen.

Auch für Nichtskifahrer hat der Ort mit seinen gemütlichen Beizli, Winterwanderwegen und der fantastischen Gletscherwelt Grossartiges zu bieten.

Und wir erfüllen uns einen lang gehegten Wunsch: hinauf aufs Jungfraujoch fahren. Unnötig, zu sagen, dass dieses Bergerlebnis kaum zu übertreffen ist.