Auf einer Anhöhe thront Schloss Arenenberg. Hier wuchs Napoleon III. auf, umgeben von der adligen Gesellschaft. Heute ist das Schloss ein schmuckes Museum, das zum Staunen und Flanieren einlädt. Ein Erlebnis auf historischen Spuren.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise: 
Mit Zug oder Schiff nach Mannenbach oder Ermatingen, dann zu Fuss zum Schloss.
www.sbb.ch
Mit dem Auto via Kreuzlingen oder Schaffhausen nach Salenstein.

Allgemeine Auskünfte: 
Napoleonmuseum Thurgau, Schloss und Park Arenenberg, 8268 Salenstein,
Tel. +41 (0)71 663 32 60, 
www.napoleonmuseum.tg.ch
www.thurgau-tourismus.ch

Wer sich dem Schloss Arenenberg nähert, hat eine Verabredung mit der Geschichte. Deshalb kommt er behutsam und vorzugsweise vom See her näher. Spaziert auf dem Rebweg von Mannenbach die sanfte, aber stete Steigung hinauf zum Schlösschen. Oder kommt von Osten, von Ermatingen, her und flaniert gemächlich hügelan, bis er eintritt in den schattigen Parkwald, der im Frühling sich licht, sommers dicht an die Südflanke des Schlosshügels schmiegt. Und schon befindet er sich mitten in einer Parklandschaft mit verschlungenen Wegen, versteckten Grotten und Wasserspielen, mit Brücken, Eremitage und Pavillon und einem Ambiente, das in eine Vergangenheit voller Glanz und Glorie führt.

Zwei weisse Gebäude und Bäume
Schloss Arenenberg ist umgeben von einer Parkanlage.
Altes Buch auf einem Tisch in Salon
Der Salon mit Büchern und Broschüren aus der damaligen Zeit.
Stein-Statue vor einem Pavillon in einem Park
Vor dem Pavillon wacht eine Statue des Weingottes Bacchus.

Es ist Ende März und früh am Tag. Ich sitze auf dem Bänklein unter der grossen Rosskastanie auf der Schlossterrasse und lasse den Blick über den Rebberg schweifen, hinunter nach Mannenbach, zur Insel Reichenau, das südliche Ufer entlang und über den See, der sich dreifingrig nach Westen streckt, bis er in den Himmel fliesst. Leichter Dunst liegt in der Luft und verleiht der Bodenseelandschaft etwas Entrücktes. Schon sehe ich sie vor mir, die heitere Festgesellschaft, die im 19. Jahrhundert Hortense de Beauharnais, Ex-Königin von Holland, Schwägerin Napoleons I. und Mutter von Louis Napoléon, dem nachmaligen Kaiser Napoleon III., die Ehre gab.

Ich sehe sie, die schneidigen Offiziere, gezierten Adligen und verbummelten Müssiggänger, ich sehe die in textile Kunstwerke gehüllten Madammen, höre ihr munteres Geplauder und sehe, wie die Abendsonne den Wein in den Kristallgläsern funkeln lässt, während ein Streicherensemble leichte Melodien spielt. Vielleicht zeugen diese Bilder eher von einem Hang zu Kitsch als von realer Geschichte. Doch seis drum.

Wo sonst kann man sich derart ungehindert in frühere Zeiten träumen?

An Napoleons Schreibtisch 

Tritt man ein ins Palais, wird die Vergangenheit noch gegenwärtiger. Schloss Arenenberg ist längst Museum, und das Innere des dreigeschossigen Herrschaftshauses zeigt die häusliche Welt von Königin Hortense, ihrem Sohn Napoleon III. und dessen Gattin Eugénie. Bilder, Möbel, Tapeten sind weitgehend original, und wer sich in Filzpantoffeln auf einen Rundgang durch die Gemächer macht, schlendert durch die Zeit. Im Salon der Königin blättert man in damaligen Magazinen, staunt ob der blau-weiss gestreiften Tapeten, bewundert die Bildnisse der Königin und ihres heroischen Sohnes, blickt im Panorama-Erker über die weite Landschaft. 

Dann streift man durch die Bibliothek und setzt sich im Billardzimmer an des Kaisers eindrücklichen Schreibtisch. Es scheint ein spezielles Gefühl, an diesem Tisch zu sitzen. Und man glaubt Museumsdirektor Dominik Gügel aufs Wort, wenn er erzählt, dass hier selbst erzrepublikanische Politiker ein leicht imperiales Gehabe an den Tag legten, wenn sie sich mit Tinte und Federkiel im Gästebuch eintrügen. Mich dünkt allerdings der Speisesalon ungleich interessanter. Denn hier ist nicht nur der Tisch prächtig gedeckt, im Gästebuch finden sich auch Namen wie Dumas, Chateaubriand, Pückler, Liszt und Byron. Geist und Lebensart, so denke ich, verleiht einem Raum doch ungleich mehr Bedeutung als ein protzig profaner Tisch der Macht.