Kastanienwälder, hübsche Häuser und Osterie, lieblicher Laghetto – alles, was auf eine Postkarte des Ticino will, ist im Klimakurort im Malcantone zu finden.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem ÖV:
Nach Lugano, dann mit der S 60 Richtung Ponte Tresa bis Magliaso, von dort mit dem Bus 425 nach Novaggio, umsteigen auf den Bus 426 nach Astano.
www.sbb.ch
www.postauto.ch

Mit dem Auto:
A 2 bis Lugano Nord, Richtung Ponte Tresa, Kantonsstrasse bis Magliaso, abzweigen in den Malcantone, Wegweiser nach Astano.

Übernachten:
Albergo della Posta, Familienhotel mit Tradition, Via Domenico Trezzini, Tel. +41 (0)91 608 32 65
www.posta-astano.ch
Camping al Laghetto, Zimmer im Réceptionsgebäude, Tel. +41 (0)91 608 12 46
www.camping-astano.ch

Einkehren:
In einer der drei Osterien im Dorf (siehe Haupttext).

Allgemeine Infos:
Ente Turistico del Luganese, Piazza della Riforma – Palazzo Civico, Lugano, Tel. +41 (0)58 866 66 00
www.luganoturismo.ch

Der Traum vom Tessin – er hat einen Namen: Astano. 300 Menschen leben hier zuhinterst im mittleren Malcantone. Vom Nordwind abgeschirmt durch den Monte Lema, der sich hinter dem Dorf fast 1000 Meter höher über die Kastanienwälder buckelt, vom Verkehr geschützt durch die grüne Grenze, von der Sonne verwöhnt, die in waldgrüner Ferne aufgeht und zwischen Hügelwellen versinkt. Wer einmal hier ist, spaziert durch Kastanienwälder, badet im See, wandert auf sanften Wegen, rastet an erdduftenden Plätzen und will nicht mehr weiter, versprochen!

Das Dorf liegt auf einer Sonnenterrasse 630 Meter über Meer, was ihm die Bezeichnung Klimakurort der Schweiz einbringt. Haus an Haus im Kern fügt sich zu einem Ensemble aus Stein, geädert von schottergepflasterten Gässchen, gebrochen von Ecken und Winkeln, gelockert von Höfen und Gärten. Vom efeuumrankten Rustico bis zum palmengesäumten Barockpalazzo, vom verlassenen Kloster bis zum Turm, hier ein Kunst­atelier, da ein Weinkeller, findet der Besucher auf wenigen Quadratmetern im Zentrum jedes Gebäude, das auf eine Tessiner Postkarte will. Auch die alles überragende Kirche fehlt nicht, gebaut 1654, gewidmet San ­Pietro.

Das Dorf liegt auf einer Sonnenterrasse 630 Meter über Meer, was ihm die Bezeichnung Klimakurort der Schweiz einbringt.

Ein von kleinen Kapellen gesäumter Weg, die Via Crucis, führt heran, und auf dem Friedhof daneben erinnert eine steinerne Pestsäule an die Seuche, die 1687 das Dorf fast zum Aussterben gebracht hätte. Immerhin drei Restaurants gibt es im Dorf. Die Osteria Mena ist weitherum bekannt für ihre über dem Kaminfeuer gekochte Po-lenta. Die «Elvezia» wartet mit der letzten turniertauglichen Bocciabahn des Tals und einer Platane auf, unter der die Pizza und der während 24 Stunden in Wein eingelegte Kalbsbraten besonders gut schmecken. Das touristische Herz von Astano aber ist das Albergo della Posta, ein Hotel mit vorzüglichem Restaurant, in das auch die Einheimischen einkehren, und sei es nur auf einen Aperitif vor dem Mittagessen oder ein letztes Gläschen am Abend. Seine grosszügige Anlage mit Gärten, Terrassen, einem Schwimmbad, der Bar und dem Fernsehzimmer lädt zum geruhsamen Wochenende in diesem Swiss Historic Hotel, das seit mindestens 1888 Gäste empfängt, als hier noch Post abgestempelt und Telegramme verschickt wurden.

Immerhin drei Restaurants gibt es im Dorf.

Wer sich für die Geschichte des Ortes interessiert, kann die historischen Aufnahmen des bekannten Fotografen Eugen Schmidhauser (1876–1952) betrachten, die im Speisesaal, in den Gängen und Treppenhäusern hängen und Zeugnis ablegen von den Zeiten, als der Grenzverkehr, die Kastanie und die Traube das karge wirtschaftliche Leben prägten und die Postkutsche vor dem Dorf hielt, weil die Hauptstrasse schon damals zu eng war, um weiterzufahren. Und wer die ehemalige Mine etwas ausserhalb besucht, erfährt, dass hier noch bis 1961 nach Gold geschürft wurde, so lang wie nirgends sonst in der Schweiz.

Farbige Hausfasse mit offenen Fensterläden
Jede Ecke, jeder Innenhof ist typisch Ticino.
Teich umgeben von Bäumen
Idyllisch gelegen, lädt der Laghetto zum Bade.
Hausfassade mit Schritzug
Das alte Zollhaus markiert die einstige Grenze zu Italien.

Talente aller Gattungen

Der Platz auf der anderen Seite des Durchgangs heisst Piazza Petersburgo. Man erfährt auch gleich warum. Eine Tafel am vierstöckigen, mit seinen dreiteiligen Säulenloggien floren­tinisch anmutenden Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert mit Namen Ca’ da Roma verrät es: Der berühmteste Abkömmling Astanos, Domenico Trezzini (1670–1734), war von Zar Peter dem Grossen als Architekt nach Russland berufen worden. Sein Auftrag: Aufbau von St. Petersburg, der neuen Hauptstadt des russischen Reiches. Denn das war Astano einmal wie der ganze übrige Malcantone: ein Platz des Aufbruchs für Talente aller Gattungen, aus der Armut, bevor es Jahrhunderte später, schon fast verwaist, ein Ort der Rückkehr für Tessinsüchtige wurde.

Etwas weiter zum Dorf hinaus westlich Richtung alte Grenze zu Italien, von der noch die ehemalige Zollstation zeugt, die heute ein Wohnhaus ist, vorbei an alten Villen und weniger ehrwürdigen neueren Ferienhäusern, gelangt man zu einem weiteren Schmuckstück: dem kleinen See mit angrenzendem Campingplatz. Man frage einfach nach dem Laghetto. Rings an den Wiesenufern laden Treppen zum Bad im untiefen Wasser. Wer will, kann sich eine Bewilligung zum Fischen kaufen. Ein Boot steht zur Verfügung. Und im Café treffen sich die Einheimischen und ihre Gäste bis in die Dämmerung, bevor das Gewässer wieder ganz dem Treiben von Enten, Reihern und andern Bewohnern des kleinen Naturschutzgebietes anheimfällt und auch das Dorf in jenen ­ruhigen Schlaf der erfüllten Träume sinkt.