Der Bielersee ist immer für eine Überraschung gut, und beim Wandern gibt viel zu entdecken. Das gilt übrigens auch für die Kulinarik.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug von Biel nach Sutz. 
www.sbb.ch

Route:
Sutz-Station – Von-Rütte-Gut – Mörigenbucht – Hagneckkanal-Brücke – Lüscherz – Hofmannsfluh – Vinelz, Kirche – Uferweg am Bielersee – Erlach. 

 
Dauer:
4 Stunden. 175 Meter aufwärts, 190 abwärts. 


Wanderkarte:
232 T, Vallon de St-Imier, 1:50 000. 


Verpflegung:
«3 Fische» in Lüscherz, hervorragende Küche.
Tel. +41 (0)32 338 12 21
www.3fische.ch



Die Wanderung am Bielersee begann damit, dass wir nicht wanderten. Es lag an jenem Samstag kein Schnee mehr, die Sonne blitzte von einem makellosen Himmel, blau räkelte sich der See vor unseren Augen. Perfekte Gehverhältnisse also. Doch hatten wir versprochen, in unserem Startort Sutz bei Simone und Roland vorbeizuschauen, Wanderfreunden, die dort wohnen. Und also hielten wir 5 Minuten nach dem Start schon wieder an.

Simone und Roland servierten Kuchen und Truffes, Kaffee und Tee, wir plauderten und lachten. Bloss Ronja machte nicht mit. Sie hatte die Jacke anbehalten, sagte gar nichts, sass geraden Rückens auf ihrem Stuhl und hielt den Blick starr aufs Fenster gerichtet. Sie war die personifizierte Verweigerung. Ihre Körpersprache teilte uns mit: «Hey, Leute, ich bin nicht zum Kafiplausch so weit angereist. Ich will jetzt sofort raus, so ein Frühjahrstag ist noch kurz, die Sonne wird nicht ewig scheinen.»

Immer wieder waren da Dinge am Weg, die uns überraschten und bereicherten.

Sie hatte ja recht. Wir zogen daher bald wieder los – und um etwas Grundlegendes dieser Route gleich zu Beginn festzuhalten: Immer wieder waren da Dinge am Weg, die uns überraschten und bereicherten. Es begann mit einem Anwesen samt Zierpavillon und Park noch in Sutz. Das Von-Rütte-Gut, einst in patrizischem Besitz, gab uns eine Anschauung von der Herrlichkeit der reichen Berner von einst.

Anschliessend ein Steg, der auf den See hinaus zu einer Art Ausstellungspavillon führte. Die Bielerseegegend ist ein alter Zivilisationsraum. An dieser und anderen Stellen des Sees siedelten schon vor Jahrtausenden Menschen. Sie lebten ufernah, jagten Enten im Röhricht, fischten im flachen Wasser. Die traumhafte Aussicht hatten auch die Leute von damals schon: Vom Steg blickten wir hinüber zur nahen St. Petersinsel. Und zum Chasseral, dessen sanfte Schneekappe ihn dem Kilimandscharo anglich.

Das Schloss Erlach an einem sonnigen Tag.
Schloss Erlach ist rund 900 Jahre alt.

Das Gehen mal direkt am Ufer, mal auf einer erhöhten Geländeterrasse mit noch mehr Seeblick machte uns froh. Wir passierten Elektrizitätswerk und Wehr an der Einmündung des Hagneckkanals und langten schliesslich in Lüscherz an.

Ich hatte dort im «3 Fische» reserviert, einem Lokal, das ich von früher kannte und schätzte; ich war schon mit den Eltern da, die begeistert waren. Und auch diesmal war das Essen wieder hervorragend, wir nahmen natürlich alle Fisch in allen möglichen Variationen. Und weil für uns das Motto gilt: «Wenn du in Rom bist, so tu wie ein Römer», verhielten wir uns am Bielersee wie die Leute vom Bielersee. Wir tranken einheimischen Wein, und zwar nicht wenig.

Sanft beduselt verliessen wir das Lokal. Die Sonne war immer noch da. Das folgende Stück war anstrengend, eben weil wir gegessen und getrunken hatten. Der Weg führte durch den Wald auf die Hofmannsfluh. Dann wieder eine Surprise: die Kirche von Vinelz auf einer Terrasse über dem See. Das Gotteshaus wurzelt tief in der Romanik und ist begehrt als Ort für Hochzeiten und Taufen. Hier Pfarrer sein, dachte ich: Das wäre ein Herrenleben, heieiei!

Erlach, das war der würdevolle und würdige Schlusspunkt unserer Wanderung.

Wir stiegen ab in den unteren Dorfteil, fanden den grossen Hofladen von Meuter-Obstbau offen vor, deckten uns ein mit Käse, Zopf, Sirup und dergleichen – herrlich. Auch Dinkelpops fürs Müesli kaufte ich. Hernach ein schönes Auslaufen den See entlang, bis die Wanderung in Erlach endete. Halt, das ist zu nüchtern geschlossen! Das Städtchen Erlach ist ein Ereignis – ein Adelsnest mit engen Gassen und einem Schloss. Erlach, das war der würdevolle und würdige Schlusspunkt unserer Wanderung. Und Ronja hatte ihre Sonne bekommen.


Apropos Erlach

Man verweilt gern in Erlach; natürlich kennen Wanderer den Weg von Erlach zur St. Petersinsel über einen schmalen Landstreifen, eine Nabelschnur. Das Städtchen wurzelt im Mittelalter, die Ulrich-Kirche ist gut 1000-jährig; in den höheren Lagen hat man einen herrlichen Blick auf den Bielersee. Erlach hat den von Erlach den Namen gegeben, einem der grossen Patriziergeschlechter des alten Bern. Ein Spross der Sippe gilt als erster Schweizer, der in Amerika landete. Diebold von Erlach, Thiébaud d’Arlac, wurde 1541 geboren als Sohn des Petermann von Erlach, Herr von Bümpliz und Hettiswil, Landvogt von Grandson, Vogt von Lausanne.

Als Diebold 17 war, schickte ihn der Vater nach Frankreich zur militärischen Ausbildung und Vervollkommnung der Sitten bei einem hugenottischen Admiral. So begann ein abenteuerliches, doch kurzes Erwachsenenleben. Als junger Fähnrich reiste Diebold von Erlach unter dem Calvinisten René de Laudonnière nach Amerika. 1564 landete die Expedition in Florida; sie suchte Gold und Silber und sollte eine protestantische Kolonie vorbereiten, geriet aber bald in Streit mit den Indianern. Und auch mit den Spaniern legten sich die Franzosen an. 1565 wurden sie von den Spaniern niedergemetzelt. Ob der junge Berner Offizier erschlagen wurde oder ertrank, ist unklar.