Die Wandertour auf den Mont Sujet und hinunter in die Schafiser Rebhänge am Bielersee ist abwechslungsreich: zuerst Jura mit Kalk, Wald, Weide, Berg. Dann eine Räuberschlucht, der Traubenhang und der Bielersee. Die Schifffahrt von Ligerz nach Biel macht den Wandertag perfekt.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:

Bus von Biel SBB nach Les Prés-d'Orvin, Bellevue.
www.sbb.ch
www.vb-tpb.ch 


Route:

Les Prés-d'Orvin, Bellevue – Bergerie du Bas – Bergerie du Haut – Mont Sujet – kurzes Stück retour – Skulpturenweg – Lamboing – Twannbachschlucht – Kirchlein Ligerz – Schafis – Ligerz-Bahnhof oder Schifflände.


Dauer:

4½ Stunden. 430 Meter auf, 1000 Meter ab.


Wanderkarte:

232 T Vallon de St-Imier 1:50 000.


Verpflegung:

Bergerie du Haut, offen an guten Wochenenden (keine Website).
Auch in Lamboing und unten am Bielersee gibt es Wirtshäuser.



Der Bus ab Bahnhof Biel war proppenvoll: Wanderer, Kletterer mit Seilen, Biker, deren Velos das Einsteigen fatal komplizierten. Mein Wandergrüpplein und ich atmeten auf, als wir oben in Les Prés-d’Orvin, Bellevue, aussteigen konnten. Das Erste, was ich bemerkte: ein Himmel wie im Kino. Wolken, weiss, wattig und von einer Körperlichkeit, die auch auf Fotos beeindruckt.

Die Twannbannschlucht erwies sich als Sensation.

Wir zogen los, dem Mont Sujet entgegen. Der Name hat nichts mit Grammatik oder Philosophie zu tun. «Sujet» kommt offenbar vom französischen Patoiswort «Suche» gleich «kleiner Gipfel».Gross war oben dann allerdings die Sicht. Wir sahen die Seen der Region und allerhand Juraberge, darunter den Chasseral mit seiner Antenne. Den höchsten Punkt unseres Mont Sujet zeigte übrigens nur ein Stein im Boden an, wohingegen wir auf dem tieferen Nebengipfel ein Kreuz ausmachten – ungerechte Welt!

Abwärts nahmen wir ein Stück weit denselben Weg und kehrten in der «Bergerie du Haut» ein. Das stilechte Jura-Haus gehört der Gemeinde Lamboing, ist von April bis Oktober an guten Wochenenden offen und wird von Freiwilligen im Turnus gehütet. Man kann auch übernachten, im Massenlager. Die geräucherten Bauernwürste von Franz Bartlomé in Lamboing mochten wir sehr; ich hatte eine mit Ahorngeschmack.

Wir stiegen weiter ab, nahmen dabei die Variante via Skulpturenweg, Figuren der Brienzer Schnitzerschule säumten den Pfad. Endlich traten wir aus dem Wald, hatten vor uns die Ebene um Diesse mit der Kerbe der Twannbachschlucht und das in einer Mulde ruhende Dorf Lamboing. 

Sein Dächermeer erinnerte an eine tunesische Kleinoase. In Lamboing rasteten wir. Die Twannbachschlucht erwies sich dann als Sensation: die überhängenden Felsen, der Bach, die Bändigung der vermoosten Wildheit durch Treppen, Holzbohlenstufen, Geländer.

Im untersten Abschnitt bogen wir rechts ab Richtung Ligerz. Erhaben der Moment, da wir aus dem Wald traten: Nun waren wir im Licht, im Genuss, im Land der Winzer; wir fanden uns im Hang über dem Bielersee inmitten von Reben. Vor uns lag die St. Petersinsel.

Das war eine meiner allerschönsten Wanderungen.

Wir hielten vorwärts, passierten das Hangkirchlein von Ligerz, einst eine Pilgerkapelle und heute beliebt bei Brautleuten, die eine Bilderbuchhochzeit anstreben. Von Ligerz setzten wir gleich fort nach Schafis. Dort, wussten wir, war Weinprobe. Die paar Häuser des Weilers Schafis bilden eine Gasse und liefern Geborgenheit. «Wyprob» nennt sich das Frühlingsfest der Winzer, bei dem man degustieren und kaufen kann. Wir assen: frittierten Egli die einen, Käseschnitte die anderen. Und wir tranken Weisswein. Später besorgte ich mir beim Winzer Teutsch ein paar Flaschen Gutedel, also Chasselas.

Demnächst ist wieder Weinprobe in Schafis – man gehe hin! Und um mein Gefühl zur ganzen Unternehmung nachzuliefern: Das war eine meiner allerschönsten Wanderungen. Ein abwechslungsreicher Dreiakter: zuerst Jura mit Kalk, Wald, Weide, Berg. Dann eine Räuberschlucht. Und endlich der französisch behauchte Traubenhang und der Bielersee als Seelenspiegel. Die Schifffahrt von Ligerz nach Biel machte den Tag am Schluss perfekt.

Apropos Weinprobe

Jeweils um Mitte Mai an einem Wochenende findet die «Wyprob» in Schafis statt. Der reizende Winzerweiler liegt eine knappe Gehviertelstunde vom Bahnhof und von der Schifflände Ligerz entfernt; er gehört zur Gemeinde La Neuveville BE und heisst auf Französisch Chavannes. Wer nicht gern weit wandert: Locker gelangt man zur Weinprobe, wenn man mit dem Schiff von Biel nach Ligerz fährt. Auch mit einer Visite, ebenfalls per Schiff, der Petersinsel ist der Anlass optimal kombinierbar. An der Weinprobe stuhlen die Winzer von Schafis ins Freie und öffnen ihre Keller. Man flaniert, kommt auch mal in den Genuss musikalischer Darbietungen, isst Fisch, geniesst den Blick in die Reben und über den See, atmet irgendwie freier und findet: Wie leicht, luftig, französisch die Schweiz doch auch sein kann!

Die Schafiser Weinkeller zeigen in 40 Varianten, was das vorangegangene Jahr so alles hergab.

Und natürlich trinkt man Wein. Zur Weinprobe gehört das «Degu-Glas». Es ist eine Art Passepartout zu den neusten Kreationen der Weinbauern von Schafis. Die Schafiser Weinkeller zeigen in 40 Varianten, was das vorangegangene Jahr so alles hergab. Die Sorten reichen vom traditionellen Chasselas über Silvaner, Freisamer, Chardonnay, Pinot gris, Sauvignon blanc, Œil de Perdrix bis zum Pinot noir, Diolinoir und Regent.

Prost! Respektive: Santé!