Die Wanderung aufs Hirzli wird mit einem traumhaften Rundblick belohnt. Unten der blaue Walensee, ringsherum überwältigende Gipfel. Wer abkürzen will, nimmt für den Rückweg die Seilbahn.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:

Bilten liegt an der Bahnlinie Zürich–Ziegelbrücke.

www.sbb.ch


Route:

Bilten-Bahnhof – Unter-Niedern – Ober-Niedern – Hirzli – Bodenberg – Morgenholz (Seilbahn) – Schlössli Niederurnen – Ziegelbrücke-Bahnhof.


Dauer:

6½ Stunden. 1216 Meter aufwärts, 1210 abwärts. Wer leichter aufs Hirzli will, benutzt für beide Wege die Seilbahn von Niederurnen zum Morgenholz. Von dort braucht man hin und zurück (gleiche Strecke) bloss 3 Stunden. Je 650 Höhenmeter.


Wanderkarte:

236 T, Lachen, 1:50 000.


Verpflegung:

Restaurant Hirzli
Tel. +41 (0)55 610 27 91, keine Website



Sehr früh an einem Sonntagmorgen, ich erhob mich aus dem Bett, tat die ersten Schritte. Nein, kein Knieweh. Wir waren am Vortag weit gewandert, aufs Rosinli unter anderem, einen Hügel im Zürcher Oberland. Nun hatte ich Lust auf mehr. Mehr Draussen. Mehr Berg. Mehr Wind. Mehr Sonne. Mehr Atmen.

Das Hirzli steht in den vordersten Reihe der Glarner Alpen und ist ein grosser Aussichtspunkt.

Die Internet-Wetterkarte verhiess folgendes Szenario: Regen von Westen rapid vorrückend. Sie verhiess aber auch: Föhn in den Föhngebieten, daher dort noch kein Regen. Rita fiel mir ein, die Wanderfreundin. Ich simste sie an, ob sie Lust aufs Hirzli hätte. Sie hatte. Um 10 Uhr waren wir am Bahnhof Bilten, Linth-Ebene, Glarnerland. Föhngebiet, und jawohl, der Föhn blies. Der Himmel war voller Wolkenschlieren, doch hell. Vor uns hatten wir unseren Hang. Und ganz nah hockte reglos ein Büsi an einem Kanal.

Ansicht des Hauses Haltli in Mollis Glarus. Ein historisches Gebäude, das zur Zeit der Französischen Revolution errichtet wurde.
Das Haus Haltli in Mollis GL.

Die Ohren gespitzt, blickte es konzentriert in die Wiese. Eine Maus, vermutlich. Im Steilwald stiegen wir auf, zur Rechten den Biltnerbach, ein Monster, notdürftig gezähmt mit Mauern und Schwellen. Der Weg war breit, Kehre um Kehre schraubten wir uns aufwärts, sprachen wenig, tauschten nur Sätze wie: «Toll!» – «Ja, toll!»

Endlich die erste Alp, Unter-Niedern, ein Steingarten, die Felsen niedergekollert vom Planggenstock. Hernach die zweite Alp, Ober-Niedern. Weiter aufwärts, noch mehr Licht, der Himmel jetzt nah. Dann waren wir oben. Die Rundsicht – ein Traum. Das Hirzli ist mit 1640 Metern nicht hoch. Aber es steht in der vordersten Reihe der Glarner Alpen gegen Norden und ist daher ein grosser Aussichtspunkt. Aus Nagelfluh ist es gebaut, während die benachbarten Berge Brüggler und Wageten Kalkberge sind.

Die Einkehr machte froh.

Wir schwelgten in der Bläue des schmalen Walensees. Und wir benannten Gipfel: Mürtschenstock, Speer, Federispitz, Glärnisch, Schilt. Rita interpretierte die Rauchfahne bei Zürich: Kehrichtverbrennung Hagenholz. Gleich unter dem Gipfel begegneten wir Christoph, ebenfalls Journalist, viel jünger als wir. Früher war er ab und zu in meinem Grüppli mitgewandert. Er stellte uns seine Frau vor, das Töchterlein im Traggestell, einen Freund. Sie waren von Niederurnen mit der Seilbahn ins Morgenholz hinaufgefahren und von dort aufgestiegen. Wir verabschiedeten uns. Hielten nun hinab zum Bodenberg. Dort hockte vor dem Bergrestaurant Hirzli ein altes Haus. Sein Dach, gedeckt mit roten Ziegeln, war durchgebogen wie ein kranker Rücken.

Die Einkehr machte froh. Älplerrösti für mich, ein Pfeffer für Rita, dazu Rotwein. Nein, keine Seilbahn, befanden wir beim Essen. Denn noch immer hielt das Wetter. Wir gingen das Niederurnertal hinab, ein Hochtal für alle, für Biker, Wanderer, Kletterer, Familien. Ich verspürte, wie mir unerklärlicherweise am einen Fuss eine Blase wuchs.

Beim Morgenholz schwenkten wir links in den Hang. Wieder ein Abstieg via Matt und Gfell, meine Knie knackten. Überraschend kam dann das «Schlössli», ein Ausflugsrestaurant eine Gehviertelstunde über Niederurnen. Wir kehrten noch einmal ein. Der Rest der Wanderung: ein Auslaufen zum Bahnhof Ziegelbrücke. Ich hinkte. Der Himmel wurde allmählich düster, wir blickten uns noch einmal um, das Hirzli zackte trotzig zum Himmel. Der Wind stellte das Blasen ein. Und bald begann es zu regnen. Ich dachte: Des Wanderers bester Freund ist der Föhn.


Apropos Glarnerland

Eine leichtere Wanderung im Glarnerland führt vom Bahnhof Näfels-Mollis auf den Kerenzerberg und hinab nach Mühlehorn. Sie dauert inklusive Verweilen und Besichtigen gut 4 Stunden, man steigt 300 Meter auf und ebenso viele wieder ab. 20 Minuten nach Wanderstart muss man beim Kirchplatz Mollis, auch wenn die Route links hinaufführt, einen Abstecher ins Dorf machen.

Mollis ist eine Art Freiluftmuseum des Ancien Régime. Unglaublich, welche Paläste reiche Glarner einst aufstellten. Wieder auf dem Direktweg, geraten wir am Hang an ein anderes Schmuckstück. Das Haus Haltli wurde kurz vor der Französischen Revolution errichtet. Sein Besitzer Conrad Schindler leistete sich den Landsitz.

Auf dem historischen Saumweg gewinnen wir Höhe. Lange war dies der Schlechtwetterweg von Zürich nach Chur, bei gutem Wetter nahm man das Schiff über den Walensee. Dessen Ufer entlang gab es damals noch kein Durchkommen in Form einer komfortablen Strasse. Auch die Römer zogen über den Kerenzerberg, wovon Mauerreste bei Filzbach zeugen.

Vom Kerenzerberg, also Filzbach und Obstalden, haben wir einen grossartigen Blick auf die Churfirsten. In Obstalden gilt es, die Kirche mit frühgotischen Malereien zu besichtigen. Hernach geht es durch das romantische Mülital hinab zur unromantischen Autobahn am See, schnell ist man in Mühlehorn und hat viel erlebt.