Das Hotel Ofenhorn im Walliser Dorf Binn bietet im Winter seinen Gästen vor allem eines: Ruhe. Die Welt ist weit fort, und der Frieden ganz nah in diesem Haus aus einer anderen Zeit.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug via Furkastrecke oder Brig nach Fiesch und weiter mit dem Postauto nach Binn.
www.sbb.ch


Verpflegung:
Hotel Ofenhorn
Tel. +41 (0)27 971 45 45 
www.ofenhorn.ch


Natur und Kultur: 
Tagsüber Möglichkeiten für Winterwandern, Schneeschuhlaufen und Skitouren; abends kulturelle Veranstaltungen im Dorf, teilweise im Saal des Hotels. 
www.binnkultur.ch


Allgemeine Auskünfte: 
Binntal Tourismus
Tel. +41 (0)27 971 45 47
www.tourismus.binn.ch

Wenn der Winter über das Binntal zieht, schläft auch das Hotel Ofenhorn ein. Die Läden geschlossen, die Fenster des Speisesaals dunkel, steht das Haus aus der Belle Epoque reglos mitten in Binn. Einem Walliser Dorf, dessen alte Holzhäuser sich dicht zusammenkauern, umgeben von steilen Wäldern und Bergflanken, verborgen in der Gipfelwelt südlich von Fiesch.

Das Hotel lässt seine Besucher in eine Epoche eintauchen, als die Menschen noch Zeit hatten.

Doch dann, Mitte Dezember, wacht das alte Hotel auf. Wie von Feenhand berührt, gehen eines Abends Lichter an. Erst in der Réception, dann in den Gängen, im Treppenhaus, im Speisesaal. Und kurz vor Weihnachten klopfen sich die ersten Gäste vor dem Haus den Schnee von den Stiefeln, hieven ihre Koffer die 2 Stiegen hoch und treten durch die alte Holztür ein. Manche von ihnen werden hier Weihnachten feiern, andere besuchen die «Binner Kulturabende», wo Konzerte, Theater oder Lesungen stattfinden. Wieder andere werden Silvester feiern und erst abreisen, kurz bevor das Hotel Ofenhorn wieder einschläft.

Wobei die meisten Besucher vor allem eines wollen: das Jahr in aller Ruhe ausklingen lassen. Was an diesem Ort besonders gut gelingt: In Binn ist es so still, dass man beinahe die Schneeflocken fallen hört, und das Hotel lässt seine Besucher in eine Epoche eintauchen, als die Menschen noch Zeit hatten. 

Pächterpaar sitzt am Tisch.
«Wir haben ein Bijou»: Das «Ofenhorn»-Pächterpaar Jacqueline Rossé und Hanspeter Berchtold.
Schlafzimmer.
Himmlischer Schlaf: Eines der heimeligen Gästezimmer.
Geissen stehen auf Holztreppe vor dem Haus.
Geissen im Walliser Dorf Binn.

Staunen wie ein Kind

Als ich selbst den Schnee von den Schuhen klopfe und durch die alte Holztür eintrete, ist mir, als hätte ich eine Zeitreise getan. Fast vergesse ich, mich an der Réception anzumelden. Wie verzaubert stelle ich mein Gepäck ab und betrachte die Lampenschirme mit Rüschen aus Glas. Schlendere in den «Petit Salon» mit seinem Sofa aus grünem Samt und weiter zu einer Tür, auf der in goldenen Lettern «Salle à Manger» steht. Verstohlen öffne ich diese einen Spalt breit und staune wie ein Kind: Rosentapeten zieren die Wände des ganzen Saals, und die weiss aufgedeckten Tische scheinen seit 100 Jahren auf Gäste zu warten. Gerade so, als wäre das Hotel aus einem Dornröschenschlaf erwacht. «Wir haben ein Bijou», sagt die Pächterin Jacqueline Rossé später, als sie mir im Wintergarten eine Kürbissuppe serviert – stilgerecht in einer Porzellanschüssel mit Goldrand. Derweil ihr Mann, der Bergführer Hanspeter Berchtold, die neuen Gäste im Entrée begrüsst. Für einmal nicht mit Rucksack, Seil und Pickel, sondern in kariertem Hemd, mit Lesebrille und einem freundlichen «Güete Tag wohl».

Es ist mir, als hätte ich eine Zeitreise getan.

Im Hotel Ofenhorn fühle ich mich, als wäre die Hektik von der Welt verschwunden. Ich habe Zeit, im «Petit Salon» zu lesen oder vom Wintergarten aus auf die Dächer von Binn zu blicken und hie und da einen Spaziergang im knarrenden Schnee zu unternehmen. Kleine Erkundungstouren, auf denen man in den verwinkelten Gassen immer wieder etwas entdeckt: Ziegen mit bimmelnden Glöckchen in einem Stall, eine Katze, die unter einer Holzbeige verschwindet, zufrieden gackernde Hühner in einem Gehege. Oder ein leuchtendes Adventsfenster in einem der Walliser Holzhäuser: Wie es die Tradition will, öffnet jeden Abend im Advent ein dekoriertes Fenster in Binn seine Läden. 

Dachs, Hase und Murmeli

Auch Hanspeter Berchtold hat für den Dorfbrauch ein paar Schätze aus dem Keller des Hotels geholt: einen ausgestopften Dachs, einen Hasen und ein Murmeltier. Und so blickten diese nachts im Schein einer Lichterkette aus dem Fenster des «Petit Salon», während ich in einem der nostalgischen Zimmer unter einer schweren Daunendecke friedlich schlafe.