Früher drehte sich hier ­alles ums runde Leder. Im Stadion Gurzelen feierte der FC Biel grosse Erfolge: Er wurde 1947 Schweizer Meister und schlug 2011 im Cup-Viertelfinal den FC Basel. Doch 2015 war Schluss, und der Fussballklub zog in die neue Tissot-Arena um.

Auf den Tribünen spriesst jetzt Gras, und auf dem Spielfeld wachsen Kartoffeln. Doch ruhig ist es auf dem Brachland nicht.

Am Stadionrand haben Kinder das Zepter übernommen. Auf der Kin­der­bau­stelle dürfen sie am Montag-, Mittwoch- und Freitagnachmittag (Sommerpause: 10. 7.–6. 8.) Baumeister spielen. Wer in der ersten Klasse oder älter ist, füllt einen Baustellenpass aus. Darf sich einen Helm aufsetzen, Hammer und Nägel, Beisszange und Säge fassen. Dann gehts los. Auch an diesem Mittwochnachmittag im Juni sind 20 Kinder mit Eifer bei der Sache. Sie sägen, hämmern, malen, schrauben. Und bauen an den Holzkonstruktionen weiter, die sich hier auftürmen: Hütten, Brücken, hölzerne Autos. «Wir schaffen Freiräume für Kinder», sagt Projektleiterin Marion Ebert, 35. Viele könnten heute in der Stadt kaum mehr Erfahrungen mit ­Bauen sammeln. «Auf der Kinderbaustelle dürfen sie eine Idee entwickeln, Material und Werkzeug aussuchen und ihre Idee in die Tat umsetzen.» Wie Andijan, 12. Der Junge legt sich ins Zeug. «Ich möchte ein Haus bauen», sagt er. Dann stemmt er eine Palette in die Höhe und schraubt sie an der Plattform fest. «Das ist das Geländer für die Terrasse meines Traumhauses», erklärt er. Andijan ist zum zweiten Mal auf dem Kinderbauplatz, und er will wiederkommen. «Ich baue fürs Leben gern», sagt er. «Am liebsten arbeite ich mit dem Akkuschrauber.» Sein Kollege hat ihn auf die Baustelle gebracht, und sein Vater ist Feuer und Flamme für dieses Projekt. «Mein Dad sagt, bauen sei besser als gamen.»

Auf der Brache in Gurzelen spielen nicht nur Kinder. Hobbygärtner ziehen Gemüse, in den Innenräumen des Stadions haben Künstler ihre Ateliers und Musiker ihr Tonstudio eingerichtet. Dass sie alle das 16 000 Quadratmeter grosse Gelände nutzen dürfen, verdanken sie den Mitgliedern des Vereins Terrain Gurzelen. Die haben bei der Stadt Biel erfolgreich für eine Zwischennutzung des Areals gekämpft. Doch Ende 2019 soll Schluss sein. Dann wird der ehemalige Fussballtempel abgerissen, und auf dem Brachland sollen neue Wohnungen entstehen. www.terrain-gurzelen.org