Was hat es mit den Pechpfannen auf sich? Wer sagte den Leuten früher, wie spät es ist? Wie wurde vor 800 Jahren die mächtige Kathedrale gebaut? Wer sich den Audioführer aufs Smartphone lädt und sich von ihm durch Chur, die älteste Stadt der Schweiz, geleiten lässt, lernt in 2 Stunden die Bündner Hauptstadt richtig kennen.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug oder Auto nach Chur.
www.sbb.ch 


Audio-Führung:
Variante A: Ausleihe von MP3-Player bei Chur Tourismus am Bahnhof.
Variante B: Dateien selber kostenlos aufs Handy oder auf den MP3-Player laden:
www.churtourismus.ch

Dauer:
2 bis 3 Stunden 


Allgemeine Auskünfte: 
Chur Tourismus 
Tel. +41 (0)81 252 18 18 
www.churtourismus.ch

«Losat uf, was i will saga: Glogga, dia hät achti g’schlaga», sangen bis 1887 die Nachtwächter in Chur. Zwischen Abendgebet und Tagesanbruch riefen sie die Stunden aus und sorgten für Ruhe und Ordnung. Sie vertrieben Bettler und schickten Überhöckler nach Hause. Und sie waren zuständig für die Strassenbeleuchtung. Die schmiedeeisernen Pechpfannen wurden mit Harz oder Pech gefüllt und mit Fackeln angezündet.

Ich bin auf einer Stadtführung durch die Hauptstadt des Kantons Graubünden – allein. Zu Hause habe ich mir den Audioführer des Stadtrundgangs auf mein Handy geladen. Mit den Kopfhörern im Ohr schlendere ich durch die verwinkelten Gassen. Gestartet bin ich am Bahnhof, wo ich mir im Tourismusbüro einen Strassenplan holte. Damit ich mich sicher nicht verlaufe.

Manch ein Unterländer kennt die Alpenstadt nur vom Vorbeifahren auf dem Weg in die Skiferien. Schade eigentlich. Ein Stopp lohnt sich – nicht nur wegen der Pechpfannen. Eine davon ist an einer Hauswand am Hegisplatz montiert. Pfannen wie diese sorgten früher nicht nur für Licht im Dunkel der Nacht, sondern waren auch verantwortlich für mehrere Stadtbrände. 1574 etwa fiel halb Chur dem Feuer zum Opfer. Auch in den Jahren danach brannte es immer wieder.

Trotzdem besitzt die älteste Stadt der Schweiz – Chur ist laut Geschichtsbüchern 5000 Jahre alt – dank ständigen Restaurierungen eine charmante Altstadt: Kopfsteinpflaster, mittelalterliche Gebäude wie das Rathaus oder das wunderschön bemalte Haus Zschaler und viele historische Brunnen.

Kaum vorstellbar, wie ohne moderne Hilfsmittel vor 800 Jahren ein solches Bauwerk entstanden ist.

Mein Smartphone führt mich an diesem Nachmittag an 32 Sehenswürdigkeiten vorbei. Beeindruckt bin ich von der Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt. Unter der mächtigen Kuppel komme ich mir klein vor. Kaum vorstellbar, wie ohne moderne Hilfsmittel vor 800 Jahren ein solches Bauwerk entstanden ist. Die Kathedrale ist reich bestückt mit Glasmalereien, Schnitzereien und grossen bronzenen Kerzenleuchtern.

Im Schiff der Kathedrale zeigt sich auch der Vorteil einer «Handy-Führung»: Per Knopfdruck unterbreche ich den Mann im Ohr und lasse den imposanten Gottesbau auf mich wirken.

Verschneite Häuserreihe in der Stadt.
Die Fassadenmalerei des Hauses Zschaler stammt von 1892.
Verschneite Stadt mit Kirche.
Die 800 Jahre alte Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt ist die Bischofskirche des Bistums Chur.
Gezeichnetes Bild an Hauswand.
Früher beleuchtete das Feuer aus Pechpfannen die nächtlichen Strassen Churs.

Nachtwächter, Trunkenbolde

Als ich die Kathedrale verlasse, brennen bereits die Strassenlampen. 1859 wurde die Beleuchtung übrigens auf Gas umgestellt. Für die Churer Nachtwächter entfiel so ein Teil ihrer Aufgaben. Trotzdem waren sie noch fast 30 Jahre lang nächtens unterwegs. Zum Missfallen vieler Bewohner, die gerne auf das Rufen und Singen der Wächter verzichtet hätten. Schliesslich sei es einerlei, ob die Ruhe des Bürgers «durch ds Geschrey eines Trunkebolds oder des Nachtwächters unterbrochen werde». Heute sorgt ein Gesetz für Ruhe und Ordnung: 2008 führte Chur als erste Stadt in der Schweiz ein nächtliches Alkoholverbot ein. Demnach darf zwischen 00.30 Uhr und 7 Uhr morgens auf öffentlichen Plätzen nicht mehr gebechert werden. Wer sich nicht daran hält, bekommt es statt mit den Nachtwächtern mit der Polizei zu tun.

Nach etwas mehr als 2 Stunden kehre ich zum Bahnhof zurück, wo ich mir in der Confiserie Maron den Rundgang versüsse: mit einem Stück Alpenstadt-Torte, einem Gebäck aus Gran-Alpin-Mehl, Alpbutter oder Churer Röteli, umhüllt von knusprigem Krokant.