Sonne tanken und der Hektik entfliehen, wo einst Tuberkulosepatienten zur Kur gingen: Das Berghotel Schatzalp bietet Ruhesuchenden Raum zum Sein.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit der Bahn oder dem Auto via Landquart nach Davos Platz zur Talstation der Schatzalpbahn. Gemäss Fahrplan mit der Standseilbahn hoch zur Schatzalp. Das Hotel befindet sich direkt an der Bergstation.
www.sbb.ch

Verpflegung:
Im Panoramarestaurant, bei Sonnenschein zu Kuchen und Kaffee im «Snowbeach» auf der Hotelterrasse.
www.schatzalp.ch/de/restaurant/snow-beach

Beim Spaziergang im Bergrestaurant Strela Alp, fünf Minuten von der Schatzalpbahn entfernt.
www.schatzalp.ch/de/restaurants/strela-alp-restaurant

Beim Skifahren in der Berghütte Strela-Pass auf 2350 Metern.
www.strelapass.ch/strela-pass-restaurant 

Allgemeine Auskünfte:
Berghotel Schatzalp,
Tel. +41 (0)81 415 51 51
www.schatzalp.ch

Die Lichter von Davos ­glimmen in dreihundert Meter Tiefe. Aus dem Land­wassertal kriechen die Schatten höher und höher. Das Jakobshorn gegenüber glüht in der unter­gehenden Sonne. Ein Windhauch ergreift die Lärchen. Dann ist die Dunkelheit auch auf der Schatzalp angekommen.

Wer hier im Jugendstil-Hotel auf 1860 Meter Höhe wohnt, weiss sich gut gebettet in dessen über hundert Jahre alten Geschichte. 

Kurort der Betuchten

Das Haus begann als Lungen­sanatorium. Aus ganz Europa kamen betuchte Patienten herbei, um sich von den Gründern und Chefärzten Lucius Spengler und Edward Neumann ihre Tuber­kulose behandeln zu lassen. Die Rezeptur bestand zur Hauptsache aus stundenlangem, in Wolldecken gepacktem Freiluft-Liegen, aus Sonne, Quellwasser und guter Ernährung. Vielen half es, manchen nicht. Alle aber genossen das modernste Sanatorium seiner Zeit. So soll auch Thomas Manns Jahrhundertroman «Der Zauberberg» (1924) Inspiration und Kulisse diesem Haus verdanken, wovon ganz Davos als Kurort profitierte. Bis heute sonnt sich der Zauberberg Schatzalp jedenfalls in denselben Vorzügen wie 1900, als er eröffnet wurde, und erst recht seit 1954, als ein Hotel daraus wurde, nachdem immer wirkungsvollere Antibiotika der «weissen Pest» den Garaus gemacht hatten und das Sanatorium zum Schliessen zwangen: seiner sonnenexponierten Lage über Davos, der reinen Bergluft, der ausladenden Terrasse vor dem Erdgeschoss, den gross­zügigen Balkonen vor jedem Zimmer, dem eigenen Quellwasser und einem erlesenen, ganz dem Stil seiner damaligen Zeit verpflichteten Interieur, der bis heute die vornehme Ambiance des Hauses prägt.

Eine Hotel-Lobby mit schwarzen Sesseln.
Die grosszügige Lobby des Berghotels Schatzalp.
Eine Terrasse, von der man Berge sieht.
Ruhe tanken und das Panorama geniessen: Blick von der Terrasse des Jugendstil-Hotels.

«Hier kann man wirklich zur Ruhe kommen», sagt ein Gast auf dem Sofa der Halle, den Blick durch die grossen Fenster gerichtet, hinter denen sich das Dunkel der Nacht aufgetürmt hat. Er hat eben noch die Saunalandschaft genossen. Ob er weiss, dass hier früher der Operationssaal lag? Von den Stockwerken aus ist sie am schönsten mit dem historischen Schindlerlift im offenen, metallenen Schacht zu erreichen. Scherenschranke und Gittertür schreien geradezu nach livriertem Personal, aber die derart ­geschäftigen Zeiten sind längst vorbei.

Aussicht statt TV

Ruhe und Langsamkeit – mit diesen beiden vordersten Qualitäten zeichnet sich die Schatzalp jenseits von Stil und Geschichte aus. Ob romantisch gestimmte Paare, auf Erholung erpichte ­Familien oder ganze Gruppen: Hierher zielt niemand, der ­Feriengaudi sucht. Die nostal­gischen Zimmer haben keinen Fernseher, dafür von den Bal­konen aus eine Aussicht, dass ­es einem den Atem verschlägt. Für TV muss man in den extra ­dafür vorgesehenen Raum im Parterre. Dort gibt es auch ein Kinderspielzimmer, die Pianobar für den Aperitif oder im ­ehemaligen Röntgenzimmer die X-Ray-Bar für den gepflegten Umtrunk zu später Stunde.

Auf den fast hundert Meter langen Gängen lässt sich die alte Bibliothek bewundern, wenn auch nicht benutzen, und die gekachelten Brunnen allenthalben stammen auch aus der Sanatoriumszeit.

Ob romantisch gestimmte Paare, auf Erholung erpichte ­Familien oder ganze Gruppen: Hierher zielt niemand, der ­Feriengaudi sucht.

Imposant lädt der Speisesaal zum Frühstück. Im Kamin brennt zwar nur noch selten ein Feuer, aber die verspielten Ornamente und seine schiere Grösse machen ihn auch ohne Flammen und Glut zum Anziehungspunkt.

Ruhe ist Konzept

Doch die Schatzalp bleibt un­gewürdigt ohne ausgedehnten Spaziergang durch die gewellte Winterlandschaft. Oder gar ein bisschen Skifahren auf den elf Kilometern, die das private Gebiet Schatzalp-Strela mit seiner kompromisslos alten Holz-Sesselbahn bietet. «Slow Mountain» heisst hier das Konzept. Dazu gehört, dass nur auf Naturschnee gefahren wird. Beschneiungsanlagen zeigen sich nirgends. Besser als für Pistenraser eignet sich die Abfahrt für Familien mit Kindern, die noch nicht ganz so sicher auf den Brettern stehen. Die gut präparierte Piste bietet sich auch vorzüglich für Schneeschuh- und Tourengänger an. Zum Schlittel-vergnügen lädt die Bahn hinunter nach Davos Platz. Zurück, hinauf zur Schatzalp, gehts dann wieder mit der Standseilbahn. Glücklich, wer noch eine Nacht hier verbringen kann.