Auf diesem 2-stündigen Rundweg hat man Rigi, Fronalpstock und Mythen vor Augen, unten glitzern Ägeri- und Lauerzersee – eine wahrlich göttliche Aussicht. Zum Schluss wartet Europas längste Fussgängerhängebrücke auf Schwindelfreie.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise: 
Mit Bahn, Bus oder PW nach Sattel SZ. Mit der Gondelbahn von Sattel auf den Mostelberg.
www.sbb.ch


Wanderung:

Von der Bergstation Mostelberg in westlicher Richtung der Skipiste lang, durch den Wald und via Engelstockweid auf die Strasse zur Mostelegg. Nach der Mostelegg auf dem Wanderweg zur Herrenboden-Alp, weiter zur Hängebrücke und zurück zur Gondelbahnstation Mostelberg.


Schwierigkeitsgrad:

Einfache, rund zweistündige Wanderung, die um den Engelstock führt. Sie ist Teil des Schwyzer Panoramaweges.


Verpflegung:

In Restaurants bei der Station Mostelberg, auf der Herrenboden-Alp und im Skihaus Hochstuckli.


Allgemeine Auskünfte:

Sattel Tourismus
Tel. +41 (0)41 835 17 66

Bergbahnen
Tel. +41 (0)41 836 80 80
www.sattel-hochstuckli.ch

Wo könnte der Lauerzer-, wo der Urnersee liegen? Ich sitze auf dem Bänklein, blicke über den Nebel und überlege. Linkerhand ragt der Fronalpstock aus dem dichten Dunst, auf der rechten Seite dämmt die Rigikette den Nebel. Wie ein stilles Wattemeer liegt er über dem Schwyzer Talkessel, keine wabernden Schwaden, keine aufsteigenden Wolkenfetzen, keine Bewegung. Ebenso still wie die unzähligen Gipfel der Zentralschweizer Alpen, die sich mit spitzen Zähnen im kühlen Blau des Himmels festgebissen haben. Ich erkenne die wenigsten dieser Gipfel, na ja, eigentlich kenne ich gar keine.

Eine Erkenntnis, die mir diesen an sich heiteren Moment trägen Sinnierens leicht trübt. Ob der Beat Schlatter die Gipfel kannte, als er einst auf ebendieser Bank sass? Nun, die Namen der Berge waren ihm vermutlich egal. Aber unverhofft sehe ich den Komiker vor meinem geistigen Auge, sehe, wie er sich entspannt aufs Bänklein fläzt, mit offenem Geist und müden Beinen, zu Füssen den arg zersiedelten Talkessel, vor Augen die Berge und über ihm der weite Himmel.

Und wie er so ins Blaue hinausstiert, so stelle ich mir vor, fliegt ihm prompt die eine oder andere amüsante Geschichte zu. Bis vor kurzem konnte man sie noch telefonisch abhören, doch dieser Service wurde eingestellt. Doch letztlich spielt das keine Rolle, die Aussicht spricht für sich. Zumindest bei gutem Wetter. Denn dann wird klar ersichtlich, weshalb der «Erlebnisweg Engelstock» im Winter «Panoramaweg» heisst.

Waldausgang bei Engelstockweid mit Sicht auf die Alpen der Zentralschweiz.
Wer bei der Engelstockweid zum Wald hinaustritt, wird vom Anblick der Zentralschweizer Alpen überwältigt.
Eingangsbereich des Gasthauses Herrenboden ganz aus Holz.
Das Gasthaus Herrenboden verspricht Gemütlichkeit und währschaftes Essen.

Aussichten und Einsichten

Ein Erlebnis bleibt diese Rundwanderung dennoch, und zwar eine, die zu grandiosen Aussichten und, vielleicht, auch zu ebensolchen Einsichten führt. Und all dies gewissermassen en passant auf einem gut präparierten und nur im schattigen Wäldchen etwas vereisten Weg, der einen in knapp 2 Stunden rund um den Engelstock führt. 

Einen letzten Blick noch auf die Bergketten, ein letztes Staunen darüber, wie die Gipfel über dem Nebel zu schweben scheinen, dann gehts weiter. Richtung Mostelegg.

Hinunter zu einem heissen Schüblig und einem sauren Most.

Nach einem lichten Wäldchen verstellen die Mythen die Sicht – himmelhoch, massiv, mächtig. Beim Weiler Giselberg wird Holz geschlagen, die Stämme werden mittels Transport-Seilbahn wegspediert. Der Pfad führt hügelan entlang der Flanke des Engelstocks, mündet in eine Strasse, und während gegen Rickenbach hin ein Hofhund wild kläffend versucht, einige Kühe in den Stall zu treiben, komme ich beim Anstieg zur Mostelegg leicht ins Keuchen.

Von da an gehts bergab. Keine mächtigen Berge mehr, nur ein breiter, gewalzter Weg, der in elegantem Bogen hinunter zum Herrenboden führt, zu Skiliften und Pisten – zu einem heissen Schüblig und einem sauren Most im freundlich bewirteten Berggasthaus Herrenboden.

Hängebrücke zum Himmel

Kurz darauf sitze ich an einem der langen Holztische auf der gut besuchten Restaurantterrasse und frage mich, ob ich später tatsächlich noch Lust haben werde, zwischen Himmel und Erde zu wandeln. Wenn ja, würde ich via «Skywalk» zur Gondelstation Mostelberg zurückkehren und könnte dann von mir immerhin behaupten, Europas längste Fussgängerhängebrücke begangen zu haben.

Wirklich abenteuerlich ist der Brückengang jedoch nicht, doch die Aussicht über Ägerisee und -tal ist beeindruckend. Und der Blick in die gähnende Tiefe unter den Füssen kann durchaus für Schwindelgefühle sorgen.

Na ja, denke ich, nun hatte ich den ganzen Tag über den Engelstock vor Augen, da kann ich auch gleich noch den Himmelsweg einschlagen. Und durch meine Gehirnwindungen hallt sachte der 1971er-Hit von Led Zeppelin «Stairway to Heaven».