Im Schloss will die Tochter Prinzessin sein, im Kindermuseum staunt sie, im Thermalbad quietscht sie – und auf dem Markt kauft die Kleine ihrer Mama Blumen: Eine Aargautour ist ein vorzügliches Vergnügen.

Aargauer Tour

Anreise:
www.sbb.ch
Anreise mit Auto auf der A1 Ausfahrt Aarau-Ost oder Lenzburg; Richtung Beinwil am See. Beim Schloss in Seengen gibt es gebührenpflichtige Parkplätze.


Schloss Hallwyl:
www.schlosshallwyl.ch


Markt in Bremgarten: 
Das Reussstädtchen hat eine jahrhundertealte Markttradition.
www.bremgarten-tourismus.ch


Kindermuseum in Baden: 
Tel. +41 (0)56 222 14 44
www.kindermuseum.ch


Bad Schinznach:
Badeplausch im Aquarena fun
Tel. +41 (0)56 463 75 05
www.bad-schinznach.ch


Allgemeine Auskünfte: 
Aargau Tourismus
Tel. +41 (0)62 823 00 73
www.aargautourismus.ch

«Du, Papa, kann ich dich was fragen?» – «Was, mein Herz?» – «Du, Papa, wie lang dauert es noch, bis wir im Sommer ans Meer fahren?» – «Cheyenne, ihr rechnet doch in der 7. Klasse wie wild. Sag du mirs.» – «Noch genau elf Wochen und, ähh, drei Tage.» – «Eh, voilà.» – «Du, Papa, ich möchte aber jetzt schon baden gehen.» 

Das war gestern. Heute gleiten wir, auf dem Rücken liegend, ganz entspannt durch das warme Flussbad im Bad Schinznach, unweit von Brugg AG. Wenn nicht gleich Meer, dann so was wie Meer light. Das Lachen, Quietschen und Umhertollen meiner Tochter zeigt mir: Ich hatte weiss Gott schon dümmere Ideen.

Um die Warterei auf maritime Freuden abzukürzen, sind wir beide unterwegs auf einer Fahrt ins Blaue durch den Aargau. Wir fahren überall hin, wo es Wasser hat: Schloss Hallwyl, Bremgarten, Baden, Schinznach Bad. Ich wäre noch gern nach Rheinfelden – zu den Feldschlösschen-Bierbrauern –, aber mein Kind winkt ab. «Bier … wääähhh!» Dabei schlürft sie ab und zu den Schaum aus meinem Glas.

Den ersten Halt machen wir morgens beim Wasserschloss Hallwyl in Seengen. Cheyenne ist überwältigt angesichts der imposanten und romantischen Anlage aus dem 13. Jahrhundert: «Du, Papa, hier wäre ich gerne die Prinzessin.»

Einer Zeitreise gleich, treppauf, treppab steigend, Gemächer und Kammern durchschreitend, bewundern wir staunend die Geschichte des Kleinadelsgeschlechts Hallwyl.

Wasserplausch in Schinznach-Bad.
Wohlig warm: Wasserplausch in Schinznach-Bad.
Blick in ein Schulzimmer von anno dazumal im Schweizer Kindermuseum in Baden.
Blick in ein Schulzimmer von anno dazumal im Schweizer Kindermuseum in Baden.
Das Wasserschloss Hallwyl in Seengen.
Imposant und romantisch: Das Wasserschloss Hallwyl in Seengen.

Bremgarten, ein Juwel

Nach eineinhalb Stunden am Hallwilersee geht unsere Fahrt weiter ins 15 Kilometer entfernte Bremgarten. Wie das Schloss Hallwyl ist das einstige Habsburger Städtchen in der Reussschlaufe eines von 15 Highlights der «Tour of Aargau». Die Idee dieser Tour wurde von den kantonalen Touristikern als Anknüpfungspunkt der «Grand Tour of Switzerland» entwickelt, der 1600 Kilometer langen Ferienstrasse durch die Schweiz, ganz in der Art der berühmten Route 66 in den USA.

Bremgartens Altstadt entpuppt sich als Preziose im Mittelland.

Vorbei am Haus «Zum Rehbock» mit seiner bezaubernden Wandmalerei und der Inschrift «Carpe diem» (Geniesse den Tag), flanieren wir zum Spittelturm, werden auf der Strasse von Einheimischen freundlich gegrüsst, kaufen Zopf, Käse, Wurst und Frühlingsblumen auf dem Samstagsmarkt und kehren an der Reuss unten im Restaurant Bijou ein. Geschichtsträchtigkeit auch hier: Das Haus wurde 1251 als Getreidemühle erbaut – 40 Jahre vor der Gründung der Alten Eidgenossenschaft. Die Sonne wärmt uns auf der Terrasse. Auf dem Fluss frönen Pontoniere ihrer Leidenschaft. Das Essen ist vorzüglich. Carpe diem. 

300 Jahre Kinderkultur 

Gestärkt und gut gelaunt, setzen wir unseren Roadtrip fort in der Limmatstadt Baden. Hier besuchen wir das Schweizer Kindermuseum. In zwanzig Ausstellungsräumen – in einer alten Villa – präsentiert das Haus 300 Jahre Kinderkultur. Im Fokus steht das Spielzeug und seine Entwicklung. Puppenstuben etwa, aus verschiedenen Epochen nebeneinander ausgestellt, zeigen den Kindern, wie unsere Vorfahren gelebt haben. Während das Grosi und der Grosspapi unter den Besuchern in Erinnerungen schwelgen, strahlen die Kinderaugen. Und überall darf Gross und Klein vieles ausprobieren und damit spielen. Ein Spass mit Lerneffekt.

Zu Hause, beim Abendessen, meint meine Tochter: «Du, Papa, das war ein richtig schöner Tag. Und das nächste Mal können wir auch zu deinen Bierbrauern nach Rheinfelden fahren.» Sagts und schleckt sich genüsslich etwas Schaum von den Lippen.