Was einst der Werkplatz eines Unternehmers war, ist seit 2012 eine Oase in Zürich-West zwischen Prime Tower und Bahngleisen. An einem schönen Abend ist es hier rappelvoll. Glücklich, wer an den langen Bänken auf dem 2500-Quadratmeter-Areal noch einen Platz findet: Geschäftsleute, die Anzugsjacke unter dem Arm, öffnen den obersten Knopf des Hemdkragens, junge Menschen in kurzen Hosen geniessen ein Bier oder Abendessen.

Frau Gerolds Garten ist für seine Mittagessen beliebt – und für Gourmets eine gute Adresse; das gleichnamige Restaurant hat 2014 den Preis «Best of Swiss Gastro» gewonnen. 

Die Leute sitzen auch auf der erhöhten Terrasse oder zwischen 200 SBB-Paletten und 150 anderen recycelten Gefässen, wie Ölfässern und ausgedienten Ketchupbehältern, in denen Obstbäume und Gemüse gedeihen, Fenchel, roter Klee, Knollensellerie, Pro-Specie-Rara-Sorten, 20 essbare Blüten, aber auch essbare einheimische Sukkulenten wie Mauerpfeffer oder Hauswurz. Zuständig für den Garten ist die Umweltingenieurin Luzia K. Rodriguez, 35: Was sie erntet, findet im Restaurant Verwendung. Der Mietzins für das Areal an den Unternehmer ist marktüblich, so auch die Zinsen der sechs Shops und Ateliers an die AG Frau Gerolds Garten. Wer hier arbeitet, wird bezahlt: Rund zehn feste Mitarbeiter sind es, und im Sommer dazu 40 Barleute. Im Winter bauen die Verantwort­lichen einen Holzpavillon auf, in dem Fondue und andere Winterspeisen angeboten werden. «Aufs Jahr gesehen, geht das Budget für die ganze Anlage knapp auf», sagt Katja Weber, 37, Ökonomin, eine der sieben Mitbegründerinnen und Mitbegründer. 

Frau Gerolds Garten setzt auf Nachhaltigkeit: mit der Aktion «rübis & stübis» etwa, bei der 2016 die Kuh Latina vom Schwanz bis zur Zunge verwertet wurde, auch Teile, die normalerweise im Abfall landen. Einmal pro Jahr werden hier alte Velos für Afrika gesammelt. Eine Frau Gerold gibt es freilich nicht, was 30 Damen aus allen Teilen der Schweiz mit dem Namen Frau Gerold nicht hinderte, diesem Ort gemeinsam einen Besuch abzustatten. Noch bis 2019 läuft für Frau Gerolds Garten der Vertrag mit dem Grundbesitzer. Katja Weber hofft, dass der Vertrag erneuert wird, zumal der Standort für das geplante neue Kongresshaus nicht mehr in Frage kommt. Shops, Bar, Restaurant sind in Schiffscontainern untergebracht und also mobil. Katja Weber fragt sich aber, «ob Frau Gerolds Garten je wieder einen solch passenden Platz finden» würde. www.fraugerold.ch