Bauerntum, Heimarbeit, Textilfabriken: Das Museum des Landes Glarus lässt die wechselvolle Vergangenheit der Talschaft auferstehen. Lebendig aufbereitet, ist die Schau auch für Kinder ein Vergnügen.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug via Ziegelbrücke. 
www.sbb.ch
Mit dem Auto auf der A 3, Ausfahrt Niderurnen.


Verpflegung:
Restaurants, Kaffees und Konditoreien in Näfels.


Allgemeine Auskünfte:
Freulerpalast
Tel. +41 (0)55 612 13 78
www.freulerpalast.ch

Freuler hiess der Mann, Kaspar Freuler. Er wurde nur 56 Jahre alt. Aber als der Offizier 1651 an einer Verwundung starb, hinterliess er seinem Kanton Glarus ein Haus, das ihn unsterblich machte: den Freulerpalast in Näfels. Der Prachtbau des Gardeobersten in Diensten der französischen Könige gehört zu den wichtigsten Schweizer Palastbauten. Mit seinen spätgotischen Giebeln und Erkern, seiner Renaissancefassade, den getäferten Wänden und reich verzierten Decken, seinen Butzenscheiben und Pflastersteinböden, bemalten Kachelöfen und naturbelassenen Riegelhölzern - er wäre allein schon einen Besuch wert.

Aber heute beherbergt er das ‹Museum des Landes Glarus› und damit eine feine Ausstellung über die wechselvolle Geschichte dieser Talschaft zwischen Tödi und Linthebene.

Die anschaulichen und oft anfassbaren Objekte und Installationen in den historischen Gemäuern lassen den Besucher erleben, wie sich der Kanton über die Jahrhunderte entwickelt hat. Landwirtschaft, Handwerk, Industrie - wie die Zeiten sich ändern!

An einer Wand hängen alte Kleidungsstücke.
Zeitreise: Funktionsbekleidung.
Ankleideständer mit Hüten.
Chapeau! Hüte in der Sonderschau «Käppi, Kutte, Krinoline».
Ein heller Raum mit einer roten Umkleidekabine, daneben hängen Kleider an einem Ankleideständer.
Sonderschau «Käppi, Kutte, Krinoline»: Kleidung aus fünf Jahrhunderten.

Vom ersten Fabrikstreik

Wie die Natur ihn prägte, welche Persönlichkeiten und Ereignisse ihn formten, das zeigt sich hier so anschaulich, dass man sich schon nach wenigen Momenten selber als Zeuge der Epochen wähnt. Sei es Zwinglis Messegewand, in dem er in Glarus predigte, oder eine Alpkäserei mitsamt Kuhgebimmel und Zigerduft oder die Glocke, die den ersten Fabrikstreik in der Schweiz einläutete, der Gang durch die Ausstellung über vier Stockwerke gerät zum ebenso vergnüglichen wie lehrreichen Eintauchen in ein Stück Schweizer Geschichte.

Eine Mannequin steht an einem grossen Tisch. Von der Decke hängen Stoffbahnen.
Glarner Textildruck: Eindrückliche Ausstellung im Dachgeschoss.

Auch für Kinder spannend

Besonders eindrücklich ist die Abteilung Textildruck im Dachgeschoss geraten, dessen Gebälk ganz in der Zimmermannsarbeit von 1645 belassen wurde. Der Raum atmet die Atmosphäre eines alten Fabriksaals, und die Ausstellungsstücke vergegenwärtigen diesen für die ganze Schweiz wichtigen Industriezweig wie kein anderes Museum im Lande. Maschinenwalzen, Farbrührwerke, Druckstube, Musterbücher und Stoffe in allen Farben, Dokumente und Fotos zeigen den Weg der früheren Bauern von der Heimarbeit in die Fabriken. Sie lassen die Mühsal der frühen Industrialisierung erahnen. Und sie zeigen, wie Tausende Glarner sich als Wirtschaftsflüchtlinge auf den Weg in die Neue Welt machten, wenn wieder einmal die Krise durchs Tal zog. Landsgemeinde und Gemeindefusion, das wegweisende Fabrikgesetz und Naturkatastrophen, die mit eidgenössischer Solidarität und dem Tatendrang der ansässigen Bevölkerung überwunden wurden, was den Kanton verändert hat, zeigt das Museum unter Aufbietung modernster Technik, sodass Geschichtskunde hier auch für Kinder zum Vergnügen wird.

Die Ausstellungsmacher folgen dabei dem Prinzip des «Hands on». Kinderstationen veranschaulichen die Inhalte der Ausstellung. An eigens eingerichteten Installationen können sie Bilder und Texte einander zuordnen oder Entwicklungen von Sportgeräten mit Spielkarten nachvollziehen.