Im Rhein bei Disentis packt Freizeitschürfer das Goldfieber wie weiland in Alaska. Auch wenn selten grosse Nuggets zu finden sind, ist das Erlebnis Gold wert.

Das Wichtigste im Überblick

Goldwaschen, Disentis GR

Anreise:
Mit der Rhätischen Bahn ab Chur nach Disentis/Mustér. Ab Bahnhof sind es 30 Minuten Fussweg.
www.sbb.ch
Mit dem Auto auf der A3 bis nach Chur, Ausfahrt Reichenau bis nach Disentis. Dem Wegweiser zum Campingplatz Fontanivas folgen. Parkplätze vorhanden.


Übernachtung:
Reka-Hotel mit Goldgräber-Spielplatz
Tel. +41 (0)31 329 66 99
www.reka.ch


Museum:

Das Mineralienmuseum Cristallina vermittelt einen Überblick über das gesamte Mineralienvorkommen der Surselva. 
Tel. +41 (0)81 947 59 44
www.uniun-cristallina.ch


Allgemeine Auskünfte:
Gold-Gusti
Tel. +41 (0)79 614 30 40 oder +41 (0)81 936 41 42
www.gold-gusti.ch

Sedrun Disentis Tourismus
Tel. +41 (0)81 920 40 30
www.disentis-sedrun.ch
 
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Region Graubünden entstanden.

Zugegeben: Mit drei munzigen Goldkörnchen ist meine Ausbeute recht bescheiden – dafür bin ich um eine Erfahrung reicher:

Die Goldsuche ist mehr als Glücksache, es braucht auch Geschicklichkeit und Fachwissen, damit man überhaupt fündig wird.

August Brändle, man nennt ihn hier in der Surselva Gold-Gusti, ist professioneller Goldsucher und führt Interessierte in die Kunst des Goldwaschens ein. Treffpunkt ist der Campingplatz Fontanivas im bündnerischen Disentis, wo die Kursteilnehmer mit Gummistiefeln, Schaufel und Goldwäscherpfanne ausgerüstet werden – und mit dem nötigen Know-how, wie man Gold wäscht: Eine Goldwaschpfanne, also eine Art flache Schüssel, wird mit Geschiebe aus dem Bachbett gefüllt.

Mit leichten Schüttelbewegungen knapp unter dem Wasserspiegel werden dann Sand und Steine aus der Pfanne gewaschen. «Was im Idealfall übrig bleibt, ist Gold, denn dieses ist schwerer als das restliche Material und lagert sich deshalb am Pfannenboden ab», erklärt Gusti. Ergiebiger ist die Ausbeute mittels einer Goldwaschrinne. «Diese nutzt die Strömung des Flusses, um das Gold aus dem übrigen Material zu trennen.» Auch hier geht das nicht von selbst, vielmehr muss die Rinne ständig mit neuem Flussmaterial bestückt werden, das mit der Schaufel vom Grund gelöst wird.

Kind spielt auf dem Abenteuerspielplatz.
Goldgräber-Abenteuerspielplatz im Reka-Feriendorf.
Gewaschene Edelmetalle.
Schweizer Gold.
Natursee mit Nadelbäumen.
Beschaulicher Naturbadesee beim Campingplatz Fontanivas.

Ein Glace für ein Nugget

Nach den Instruktionen gehts los: Da, wo der Vorder- und der Medelser Rhein zusammenfliessen, befinden sich die Goldgründe. «Der Fluss spült Goldkörnchen aus dem Fels ins Tal, wo sie sich hinter grossen Steinen sammeln», so Gusti. Wir waten durch den wildromantischen Fluss zum anderen Ufer und legen los – die einen mit der Pfanne, die anderen mit der Schleuse. Gusti gibt uns immer wieder Tipps, zeigt, wie man die Pfanne richtig dreht oder die Schleuse bedient. Das Goldfieber hat ihn seit 26 Jahren im Griff. «Mein grösster Fund war 1996 das Desertina-Nugget mit dem sagenhaften Gewicht von 48,7 Gramm», erzählt er stolz, «und das war seinerzeit das grösste Nugget, bis kurz darauf von einem anderen Goldwäscher ein noch grösserer Brocken gefunden wurde.» Wie viel Gold er seither aus dem Fluss geholt hat, bleibt sein Geheimnis. Das Gebiet um Disentis ist reich an Mineralien und Erzen. Bereits seit 1672 ist bekannt, dass es hier Gold gibt, aber erst in den 1980er-Jahren fanden erste Testbohrungen statt, die das Goldvorkommen bestätigten – und eine Art Goldrausch auslösten. Dieser führte schliesslich zu einem Schürfverbot. Einige Zeit später wurde das nicht motorisierte Goldwaschen unter bestimmten Auflagen wieder legalisiert. Aber nicht nur am Fluss, auch im Reka-Hotel hoch über dem Dorf ist Gold ein Thema. Auf dem Spielplatz wurde für die kleinen Gäste ein Goldgräberstädtchen mit Häusern, Bank, Polizei, Gefängnis, Baggern und Rathaus sowie mit einem Förderturm errichtet. Und wer ein «Nugget» findet, bekommt dafür ein Glace! Fieber und Kälte Nach einiger Zeit haben sich in der Schleuse meiner Goldgräber-Kollegen ein paar kleine Goldstücklein angesammelt, und auch in meiner Pfanne ist ein Goldflimmer hängen geblieben. Viel ist es nicht, aber jetzt hat uns das Goldfieber gepackt, und weder kalte Füsse noch klamme Finger hindern uns daran, fleissig weiterzusuchen. Man weiss ja nie, ob man nicht plötzlich einen hübschen Brocken Gold aus dem Geschiebe wäscht …

Reka-Feriendorf mit Wiese im Vordergrund.
Das Reka-Feriendorf ob Disentis.