Von Chur durchs Prättigau ins Engadin und über die spektakuläre Albulalinie wieder zurück: Die Graubünden-Rundfahrt mit der Rhätischen Bahn ist reich an Höhepunkten.

Graubünden-Rundfahrt

Rundfahrt:
Prättigau–Engadin–Albulalinie–Chur, einen Tag gütig. Halber Preis auf viele Ausflugsziele.
Rhätische Bahn AG, Bahnhofstrasse 25, 7001 Chur, Tel. +41 (0)81 288 65 65
www.rhb.ch/rundfahrt


Stadtführung Chur:
Führungen mit Audio-Guides für das Smartphone (verschiedene Sprachen).
www.stadtfuehrungchur.ch

Bündner Kunstmuseum:
Bahnhofstrasse 35, 7000 Chur, Tel. +41 (0)81 257 28 70
www.buendnerkunstmuseum.ch


Standseilbahn Corviglia:
Ab St. Moritz Dorf.
www.engadin.st.moritz.ch


Bahnmuseum Albula:
Bergün Bahnhof Bergün, Bahnhofstrasse 2A, 7482 Bergün/Bravuogn, Tel. +41 (0)81 420 00 06
www.bahnmuseum-albula.ch


Allgemeine Auskünfte:
Chur Tourismus, Bahnhofplatz 3, 7000 Chur, Tel. +41 (0)81 252 18 18
www.churtourismus.ch

Bevor ich zur Graubünden-Rundfahrt aufbreche, lasse ich mich in Chur einstimmen. Der Bündner Hauptort verbindet südliche und alpine Einflüsse, katholische und protestantische Baukultur. Ich spaziere durch den herrschaft­lichen Fontanapark mit seinen Blumenbeeten und Wasserspielen. Der Blick bleibt am Bergrücken Calanda hängen, der hinter Chur aufragt. In den Altstadtgassen locken kleine Läden und Restaurants mit Spezialitäten.

Da gibt es Salsiz und Bergkäse, Maluns, Capuns und Pizzoccheri neri.

Im Bündner Kunstmuseum bekomme ich einen Vorgeschmack auf die Farben der Bündner Südtäler: Bergeller Porträts der Familie Giacometti und Engadiner Landschaften von Giovanni Segantini. Doch vor dem Museum fällt eine eher ausserirdische Gestalt auf: eine Alien-Skulptur von H. R. Giger. An der Bahnhofstrasse steht auch der im Bündner Heimatstil erbaute Sitz der Rhätischen Bahn. Hier nahmen die kühnen Ideen für das Bündner Bahnnetz ihren Ursprung.


Vom Prättigau ins Engadin

Nach dem Bau der Gotthardbahn Ende des 19. Jahrhunderts war der Verkehr über die Bündner Pässe eingebrochen. Da gründete der gebürtige Niederländer Willem Jan Holsboer eine Bahngesellschaft und begann, die steilen Täler mit einer Schmalspurbahn zu erschliessen. Als Erstes wurde 1889 die Strecke Landquart–Klosters eröffnet. Mit dieser Strecke be­ginne ich meine Rundreise. In steter Steigung gehts durchs Prättigau. Vorbei an gemähten Wiesen, Sägewerken und Holzhäusern im Walser Stil. In Klosters verschwindet der rote Zug im Vereinatunnel – und kommt in Susch in einer ganz anderen Landschaft wieder heraus: Engadiner Häuser mit massiven Steinmauern und Sgraf­fito­malereien, Lärchenwäldchen und baumlose Bergkuppen prägen die Landschaft. 

Den Inn entlang geht es durchs Oberengadin nach Samedan, Celerina und St. Moritz.

Es ist Zeit für einen Aufenthalt. Ich will mir den mondänen Kurort anschauen und Bergluft schnuppern. Mit einer Rolltreppe gleite ich hoch zur Fussgängerzone und ihren exklusiven Geschäften. Schnell bin ich bei der Talstation der Standseilbahn und fahre nach Corviglia auf knapp 2500 Meter über Meer. Zweimal wurden hier die Olympischen Winterspiele ausgetragen, und im letzten Winter die Alpinen Skiweltmeisterschaften. Viele Bi­ker ­hieven ihre Velos in die Bahn. Auch Bergwanderer und Familien mit Kindern sind unterwegs. Die einen fahren weiter mit der Gondel zum Piz Nair, die Familien marschieren Richtung Marguns zum grossen Spielplatz. Ich wandere im frischen Bergwind abwärts zur Station Chantarella. Bergblumen spriessen auf den ehemaligen Abfahrtshängen, die Aussicht auf die drei Engadiner Seen ist grandios.

Bahn inmitten von Bergpanorama vor einem See
Malerische Kulisse vor Bergün.
Mann und Kinder in einem Museum
Im Bahnmuseum in Bergün befindet sich ein Modell der Albulabahn.

Voller Bahnnostalgie

Nach der sportlichen Einlage geniesse ich die bequemen Sitze des neuen Zuges. Ein weiterer Höhepunkt der Rundreise ist die Albulastrecke. Sie gehört ­zusammen mit der Berninalinie seit 2008 zum Welterbe der Unesco. Das ist eine grosse Ehre – aber auch eine Verpflichtung. So gelten beim Neubau des Albulatunnels, dessen Baustelle wir bald passieren, zahlreiche Auflagen. Der alte Albulatunnel wird renoviert und bleibt als ­Sicherheitsstollen erhalten.

Wie ein Karussell kreiselt die Bahn talwärts, einmal fahren wir auf dieser Talseite, bald darauf auf der andern.

Tief unten schäumt die Albula. In Bergün mache ich einen weiteren Zwischenhalt, ich möchte im Bahnmuseum mehr über die Entstehung der Albulalinie erfahren. Ich trete ein in ein Reich voller Bahnnostalgie: Eintrittsbillette aus Karton, heimelige Erstklasscoupés und ein ganzes Depot voller Originalapparaturen. Auch Bernhard Tarnutzer ist da, der Er­bauer der Modell-Albulabahn im Massstab 1: 45. Er versucht gerade, beim Bahnhof Filisur mit einer Pinzette einen Bahnwagen anzuhängen. Bald passiere ich den echten Bahnhof Filisur und den berühmten Landwasser­viadukt. Seine Rundbögen sind aus Natursteinen gebaut, und er fügt sich in die Landschaft, als gehörte er seit ewig hierher. Wie die Seen zu St. Moritz und der Calanda zu Chur.