Wer von Hinwil Richtung Bachtel wandert, durch das Wildbachtobel, sieht sich plötzlich von Skulpturen aus Holz umgeben. Hernach locken eine Burgruine und eine Wurst über dem Feuer.

Wildbachtobel in Hinwil ZH

Anreise:
Mit dem Zug: Mit der S 14 oder der S 5 (umsteigen in Wetzikon) ab Zürich zum Bahnhof Hinwil.
www.sbb.ch
Mit dem Auto: Oberlandautobahn ab Rapperswil oder Zürich, Ausfahrt Hinwil beim Betzholzkreisel. Parkplätze am Bahnhof.


Wildbachtobel:
Die Wanderung beginnt am Bahnhof. Wanderwegweiser Girenbad/Bachtel folgen. Nach ein paar hundert Metern gelangt man zur Tobelstrasse, wo das Wildbachtobel beginnt. 
Bis Girenbad dauert die Wanderung rund eine Stunde, bis Bachtel rund zwei Stunden. Gutes Schuhwerk, da der Weg teilweise etwas steil ist.


Skulpturengarten:
Ausstellung des Künstlers Franz Hero. Ganzjährig geöffnet und frei zugänglich.
Anfragen für Führungen:
Tel. +41 (0)44 937 34 24
www.franzhero.ch


Allgemeine Auskünfte:
Zürioberland Tourismus
Tel. +41 (0)52 396 50 99
www.zuerioberland-tourismus.ch

«Und was ist das?» Nein, der kleine Andri, der mich mit seinen drei Gspänli auf diese Wanderung begleitet, meint nicht den Wasserfall, der laut tosend über den Fels donnert. Vielmehr wundert er sich über dieses seltsame Ding, das mitten im bewaldeten Tobel hängt: Unzählige kleine Holzstücke, sauber aufgereiht auf einer Schnur, scheinen über dem Tobel zu schweben.

Es ist ein Werk des Künstlers Franz Hero, der ganz in der Nähe in einer ehemaligen Spinnerei lebt und arbeitet. In seinem jederzeit frei zugänglichen Skulpturenpark gibts noch mehr Kunstwerke zu bestaunen. Und da ist schon der Eingang eine Überraschung: Ein tunnelartiges Gebilde mit Kettenvorhang führt in den Garten mit den eindrücklichen Holzskulpturen. Natürlich gewachsenes Holz hat der Künstler und Möbeldesigner zu kleinen und kleinsten Teilen zersägt, gespalten und geschliffen, um sie dann wieder zu einem grossen Ganzen zusammenzufügen – mal bunt, mal naturbelassen. Erstaunlich, was aus Holz alles entstehen kann.

Der Künstler Franz Hero werkelt im Garten.
Franz Hero: Künstler am Werk.
Der Eingang zum Skulpturengarten.
Der Skulpturengarten ist frei zugänglich.
Kunterbunte Installation im Skulpturengarten.
Kunterbunt: Installation im Skulpturengarten.

Wild und tosend

Jetzt aber gehts weiter auf unserer Wanderung von Hinwil hinauf Richtung Bachtel im Zürcher Oberland. Der Weg folgt dem Wildbach, der nach den ausgiebigen Regengüssen seinem Namen gerecht wird: Heftig schäumend windet er sich in zahlreichen Kurven und Felsstufen talwärts. Tatsächlich ist der Wildbach auch auf der Gefahrenkarte des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) zu finden, denn nach starken Regenfällen kam es immer mal wieder zu Hochwasser und Überschwemmungen, letztmals im Frühling dieses Jahres.

Die Buben sind fasziniert vom tosenden Bach, werfen Tannzapfen und Rindenstücke hinein und werweissen, welches wohl am schnellsten aus den Strudeln in ruhigeres Wasser gelangt. Langweilig wird es jedenfalls nie, und so erreichen wir bald schon eine Feuerstelle mit Sitzgelegenheit – der ideale Ort, um ein Picknick zu machen. Reichlich trockenes Holz haben die Kinder schnell gesammelt. Als begeisterte Pfadfinder wissen sie, wie man ein Lagerfeuer macht.

Bald schon knistert ein gemütliches kleines Feuer. Bis die Glut perfekt für die Würste ist, bleibt Zeit zum Spielen. Zum Beispiel «Blätter-Staubsauger», das besonders gut im Herbst gespielt werden kann. Und das geht so: Jedes Kind bekommt ein «Röhrli», also einen Strohhalm. Damit saugt es ein Blatt auf dem Boden an und transportiert es zu seinem zuvor mit Steinen markierten «Lagerplatz». Die Hände dürfen dabei nicht benützt werden. Wer innert einer bestimmten Zeit am meisten Blätter gesammelt hat, gewinnt. Und schon gehts los. Bis die Blätter gesammelt und gezählt sind, schneide ich einen Fertig-Pizzateig in breite Streifen und wickle ihn um einen Stecken. Ein Schlangenbrot gehört doch einfach zum Würstlibräteln dazu.

Steil hinauf zur Burgruine Für den zweiten Teil unserer Wanderung braucht es einen kleinen Motivationsschub, denn ab jetzt es geht recht steil bergauf Richtung Girenbad, erst durch den Wald, dann am Waldrand entlang. Aber ich habe zwei Trümpfe in der Hand: eine Packung Bärentatzen und die Burgruine Bernegg.
Die Burg wurde im 13. Jahrhundert aus einfachen Bachkieseln errichtet. Gerade fürstlich sollen die Ritter da aber nicht gelebt haben, weil die fünf Höfe in der Nähe zu wenig einbrachten. So mussten sie schliesslich ihre Besitztümer inklusive Burg verkaufen und sich verpflichten, die Mauern innerhalb von drei Wochen bis auf die Erde niederzureissen. Erst 1923 wurden die Mauern wieder ausgegraben und mit den vor Ort gefundenen Steinen rekonstruiert. Immerhin hatten die Burgherren vermutlich eine wunderbare Aussicht über den Pfäffiker- und den Greifensee, möglicherweise sogar bis zum Zürichsee.

Apropos Aussicht: Eine weitere Stunde Marsch würde uns zum Bachtel hinaufführen, von dessen Turm man ein wunderbares Panorama geniesst. Den Jungs ist das aber zu weit, und für Aussicht interessieren sie sich ohnehin eher weniger – dann lieber wieder das Tobel hinunter bis zum Künstlerhaus und nochmals im Eingangstunnel des Skulpturengartens Astronaut spielen.

Holzkugeln im Garten.
Kunst aus Holz.