Spukt ein Schlossgeist in den Gemäuern herum? Wer entdeckt die Jungfrau im weissen Gewand? Mit dem Nachtwächter ziehen Kinder durchs nächtliche Laufenburg und lauschen den Legenden der Stadt. Nach dem Nervenkitzel gibts heisse Schoggi für alle.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit der Bahn bis Laufenburg.
www.sbb.ch


Führung: 
Die Altstadt-Nachtführung dauert ca. 1½ Stunden und ist geeignet für Kinder von 8 bis 16 Jahren. Ein bis zwei Erwachsene sollten die Gruppe begleiten.


Allgemeine Auskünfte:
Tourist-Info Laufenburg
Tel. +41 (0)62 874 44 55
www.laufenburg.ch

Es heisst, manch einem sei die Jungfrau schon erschienen. Im weissen Gewand soll sie zuweilen nachts weit oben auf der Schlossruine umhergeistern. Eine arme Seele, gebannt von einem Zauber, bis heute nicht erlöst.

Die Kinder ziehen mit dem Nachtwächter durch die Dunkelheit.

Es ist eine unheimliche Sage. «Die Geschichte könnte wahr sein oder erfunden, keiner weiss das so genau», sagt Nachtwächter Adi Ruoss und hält seine Laterne höher. So kann er die staunenden Kinderaugen besser sehen, die zur Schlossruine hinaufblicken und auf der Mauer nach einer weissen Gestalt suchen.

Unter den zehn Kindern ist auch meine Tochter Fay, 10, mit ihren gleichaltrigen Freundinnen Ronja und Luana. Sie nehmen an einer Kinder-Nachtführung durch Laufenburg teil. Während 1½ Stunden ziehen sie mit dem Nachtwächter durch die Dunkelheit und lassen sich in die Vergangenheit entführen. In eine vergessene Zeit der Grafen und Burgfräulein, als Schätze versteckt und Feinde in die Flucht geschlagen wurden, als Schlossgeister ihr Unwesen trieben und Stadtbrände wüteten. «Aber keine Angst», sagt Adi Ruoss, «wird es jemandem ob meiner Geschichten mulmig zumute, so kommt einfach näher und zupft an meinem Mantel.»

Angeleuchteter Schlossturm.
Unheimlich schön: Angeleuchteter Schlossturm.
Folterinstrumente im Verlies.
Grauslig: Folterinstrumente im Verlies.
Treppe zum Keller.
Haust da unten ein Schlossgeist? Treppe zum Keller.

Beim Gehen rasselt es

In seinem schwarzen Umhang mit dem gelb-rot gestickten Wappen und dem Hut mit den dunklen Federn sieht der Nachtwächter aus, wie es sich für Männer seines Berufsstandes vor Jahrhunderten gehörte. Am Gurt trägt er alte Schlüssel, die bei jedem Schritt rasseln. «Mit denen schliesse ich nachts die Tore der Stadt», sagt er. «Dann ziehe ich durch die Gassen und passe auf, dass keiner eine Dummheit macht.»

Münzen vom Schlossgeist

Die Kinder folgen ihm durchs Städtli am Rhein, bleiben immer wieder stehen, hören zu und staunen. Auch als Adi Ruoss mit seinem Schlüssel vor der Kirche eine Falltür öffnet. «Da unten haust ein Schlossgeist», sagt der Nachtwächter und ruft in die Tiefe: «Hallo, bist du zu Hause?» Keine Antwort. Adi Ruoss steigt die steile Treppe hinunter. «Folgt mir, Kinder», sagt er. Fay, Luana und Ronja schauen einander an. «Kommt», sagt Luana, «lasst uns mutig sein.» Unten in der Höhle, wo es feucht und modrig riecht, brennen Kerzen. Sie helfen bei der Aufgabe, die der Nachtwächter für die Kinder bereithält: «Hier liegen überall Silbermünzen herum, die der Schlossgeist verloren hat, helft ihr mir, sie zu suchen?» Die Mädchen bücken sich eifrig und suchen den Boden nach Talern ab.

Süsses vom Chocolatier

Adi Ruoss weiss, was Kinder brauchen. Auf jede furchteinflössende Geschichte folgt eine spielerische Ablenkung. So wirkt der Spuk nie bedrohlich. Eine süsse Überraschung gibt es gegen Ende der Führung. Adi Ruoss hat gerade von den Bränden berichtet, die in der Stadt einst gewütet hatten. Da entdeckt der Nachtwächter vor einem Haus eine brennende Fackel. Die Kinder trauen ihren Augen nicht, als Ruoss an die Haustür poltert und dem verdutzten Herrn die Leviten liest. Er solle das Feuer sofort löschen, das sei gefährlich, sagt der Nachtwächter. Der Mann, der sich später als Chocolatier entpuppt, löscht die Fackel aus. Dann sagt er: «Ich habe gerade heisse Schokolade gemacht, wollt ihr?» Die Kinder nicken. «Ja», rufen sie wie aus einer Kehle.

Als die Mädchen zum Ende beim Stadttor ihre Laternen abgeben, halten sie noch einmal inne. Ronja zeigt hinauf zur Schlossruine. «Da», ruft sie. Die Freundinnen schauen sie fragend an. «Ich könnte schwören, dass ich gerade die Jungfrau gesehen habe.»