Malerische Winzerdörfer, eine eindrückliche Kulturlandschaft und ein Schloss, das Geschichte machte – das Lavaux an den Gestaden des Genfersees ist Unesco-Erbe und weckt die Wanderlust.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit den SBB über Lausanne in die Dörfer des Lavaux oder über die Golden-Pass-Linie nach Montreux.
www.sbb.ch


Wanderungen: 
Wanderwege zwischen den Winzerdörfern von Lutry bis Chardonne.
Seeweg: Spazierweg am Ufer von Montreux nach Chillon, Villeneuve und durch das Naturschutzgebiet Les Grangettes nach Le Bouveret, ganzer Weg etwa 2½ Stunden. 

Schloss Chillon: 
Audioguide oder Gruppenführung.
Tel. +41 (0)21 966 89 10 
www.chillon.ch

Verpflegung: 
In beinahe allen Lavaux-Dörfern gibt es einen öffentlichen Weinkeller mit Degustationsmöglichkeit.
«Les Trois Sifflets», Vevey
Tel. +41 (0)21 921 14 13, keine Website


Allgemeine Auskünfte:
Montreux-Vevey Tourisme, Montreux
Tel. +41 (0)21 962 84 84
www.montreuxriviera.com

Erst vereinzelt spriesst das Grün in den Rebhängen des Lavaux. Umso schöner treten die kleinteiligen Terrassen und ihre Stützmauern hervor. Ich spaziere auf geteerten Strässchen vom hoch gelegenen Winzerdorf Chexbres nach Rivaz am See hinunter. Durch eine während Jahrhunderten geschaffene Kulturlandschaft, die seit 2007 Weltkulturerbe der Unesco ist. Manche Parzellen sind nur teppichgross. Und jede Lage ergibt einen anderen Wein, was für eine enorme Vielfalt an Aromen sorgt. Dies, weil der Untergrund mal sandig, mal lehmig oder kalkhaltig ist. So entwickelt die Chasselas-Traube, die Königin des Lavaux, ein fruchtiges oder mineralisches Aroma.

Ich könnte Weine von 150 Produzenten degustieren. Doch ich bin mit dem Winzer Christophe Chappuis verabredet. Er und seine Familie wohnen in einem alten Steinhaus mitten in Rivaz. Die Chappuis pflanzen und keltern hier seit 1335 Trauben. «Das ist ein Privileg und eine Verpflichtung», sagt der Winzer und weist auf den weit verzweigten Stammbaum neben der Eingangstür. Seine Parzellen beginnen gleich beim Bundesrat-Chaudet-Platz. «Es kommen viele Wanderer in die Rebberge», sagt er, «aber nicht alle verhalten sich mustergültig. Die meisten Besucher schätzen jedoch, dass wir hier ein altes Kulturerbe pflegen.»

Ich spaziere durch eine während Jahrhunderten geschaffene Kulturlandschaft, die seit 2007 Weltkulturerbe ist.

Im goldenen Abendlicht wandere ich von Rivaz zum malerischen Nachbardorf St-Saphorin. Die hohen Stützmauern strahlen die Wärme des Tages ab. Eidechsen huschen über den Stein. Aus den Ritzen spriessen violette Polsterpflanzen. Am kleinen Bahnhof von St-Saphorin besteige ich den Lokalzug nach Vevey. Ich kehre in der Altstadt im Restaurant Les Trois Sifflets ein. Es ist eine gemütliche Pinte mit Waadtländer Spezialitäten.

An der Wand hängt das Porträt von General Guisan. Und zu jedem Fondue erschallt der General-Guisan-Marsch, derweil der gut gelaunte Wirt Patrick Delannoy die Schweizer Fahne schwenkt und mit einer überdimensionierten Pfeffermühle herumfuchtelt.

Das Schloss am See bei Abenddämmerung.
Schloss Chillon: Das meistbesuchte Schloss der Schweiz.
Besucher im Schloss Chillon.
Das Schloss Chillon bietet Geschichte, Inspiration und Mittelalterkultur.

Schloss mit Geschichte

Vevey ist eine lebhafte Tourismus- und Gewerbestadt und eng mit dem Rebbau verbunden. Auf der Grande Place am See feiern die Winzer alle 25 Jahre die Fête des Vignerons. Jede Generation im Lavaux erzählt jahrelang von diesem Ereignis. Und so freuen sich die Kinder der Familie Chappuis bereits heute auf 2019, wenn das nächste Winzerfest steigt.

Der letzte Weinberg des Lavaux heisst Clos de Chillon und gehört zum Schloss Chillon. Das im 12. Jahrhundert von den Savoyern gegründete Schloss liegt wie ein Schiff auf einem Felsvorsprung am Genfersee.

Chillon ist das meistbesuchte Schloss der Schweiz.

Ich passiere den Eingang und trete ins Mittelalter ein. Schattige Innenhöfe, Schlafgemächer mit verspielten Malereien, düstere Kellergewölbe. Hier schmachtete der Genfer Prior François Bonivard 6 Jahre lang angekettet in seinem Verlies. Der englische Dichter Lord Byron hat sein Schicksal im Gedicht «Der Gefangene von Chillon» verewigt und damit die Gegend berühmt gemacht. Mit allem damaligen Komfort ausgestattet, ist dagegen der Prunksaal mit der U-förmigen Esstafel. An der offenen Feuerstelle konnte man ganze Bären braten. Chillon ist das meistbesuchte Schloss der Schweiz.

Nur das Rauschen der Autobahn am Berghang bringt mich wieder in die Gegenwart zurück: Die Bären sind verspeist, die Gefangenen befreit, und auch der Belle-Epoque-Tourismus von Montreux ist vorbei. Doch die Riviera am Genfersee mit ihren Rebbergen, Schlössern und Promenaden bietet immer noch wundervolle Reiseerlebnisse.