Die Drei-Seen-Fahrt auf dem Bieler-, Neuenburger- und Murtensee verspricht Erholung pur. Mitten im Blau des Bielersees liegt die St. Petersinsel, ein Flecken Erde, den schon Jean-Jacques Rousseau ins Schwärmen brachte.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Am besten mit den SBB nach Solothurn, Biel, Neuenburg oder Murten. Auch per Auto möglich.
www.sbb.ch


Schifffahrt:
Die Drei-Seen-Fahrt ist von jedem Hafen der Kursschiffe aus zu machen. Tarife, Fahrpläne und Angebote unter www.j3l.ch
Tel. +41 (0)32 329 84 84


Übernachten und Verpflegung:
Zum Beispiel im Restaurant-Klosterhotel St. Petersinsel. 
Tel. +41 (0)32 338 11 14
www.st-petersinsel.ch


Tipp:
Von der St. Petersinsel ist das Städtchen Erlach über den Heidenweg zu Fuss erreichbar.
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Jura & Trois Lacs Tourismus entstanden.

Es ist die Ankunft! Bäume umfassen einen kleinen Strand. Ihre Äste hängen tief. Zwei Kinder spielen am Wasser. Die Eltern sitzen beim Kiosk. Dahinter alles in Grün. Behutsam legt das Ausflugsboot bei der St. Petersinsel an. Vor kaum einer Stunde hat das Schiff den Hafen von Biel verlassen. Doch weit zurück liegt die Stadt, wo die Drei-Seen-Fahrt über den Bieler-, Neuenburger- und Murtensee, durch den Zihl- und den Broyekanal begonnen hat.

Wer will, unternimmt bei der nächsten Anlegestelle einen Landgang.

Wer Zeit einplant, erlebt auf dem längsten schiffbaren Wasserweg des Landes eine Kreuzfahrt, die garantiert mehr Aussicht bietet als eine Hochseereise und doch die Schweiz nie verlässt. Weindörfer, Badebuchten, Kulturstädte, Naturschutzreservate, Alpenpanoramen und Wasserwelten – wer will, unternimmt bei der nächsten Anlegestelle einen Landgang, geniesst und nimmt das nächste Schiff. Oder das übernächste. Nur der Ausflügler, der bei der St. Petersinsel aussteigt, um den ist es geschehen. Schrieb nicht schon Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) über diese Abgeschiedenheit, in der er 1765 Zuflucht erhielt: «Ich fand den Ort so reizend, dass ich mich entschloss, den Rest meiner Tage daselbst zu verbringen.» Seinem Wunsch sollten zwar nur 6 Wochen gewährt sein, und der Rest seiner Tage dauerte noch 13 Jahre – am Ende ruhte er im Pariser Panthéon –, doch der Philosoph, der als Erster das Volk als höchsten Souverän eines Staatswesens postulierte, trauerte keinem Platz in der Welt «so innig nach wie der St. Petersinsel im Bieler See. Sehr anmutig, und wie geschaffen für jemanden, der sich lieber abseits hält.» 

Ausblick vom Sitzplatz auf die St. Petersinsel.
«Sehr anmutig»: Die St. Petersinsel.
Blumenwiese mit Kloster.
Friedlich: Das einstige Kloster ist heute ein Hotel samt Restaurant.

Rousseaus Klause besuchen 

Das blieb die Insel bis zum heutigen Tag. Nichts konnten ihr die Jahrtausende anhaben, seit die Pfahlbauer hier siedelten, die Römer, die Merowinger und der Orden der Cluniazenser. Kein Besucher, der vom Anlegesteg jetzt die Insel erschlendert, braucht von ihrer Geschichte auf der Grenze zwischen dem Französischen und Deutschen zu ahnen, um den Frieden zu spüren, der ihr vergönnt blieb. Vielleicht ist gerade dieser immerwährenden Ruhe geschuldet, dass Rousseau hier keine Zeile schrieb, sondern spazierte, Pflanzen sammelte und das Bad im See genoss. «Ich hätte damals vorgezogen, man würde mich für immer dorthin verbannen. Was in der Welt geschah, wäre nicht mehr zu meiner Kenntnis gelangt», schrieb er in den «Träumereien eines einsamen Spaziergängers» gut 10 Jahre nach seinem Aufenthalt im ehemaligen Kloster, wo seine Klause zu besuchen ist: die abgetretenen Dielen, der Kachelofen, das schmale Bett mit Baldachin, die russige Kochnische, die Fluchtluke und der Blick aus dem Fenster über den Obstgarten zur Wiese hin, wo unter Pappeln eine Gruppe Jugendlicher am Ufer gerade Picknick zu halten scheint.

Der Spaziergang führt weiter vorbei an Schilf und Röhricht.

Die Anlage, im Besitz der Bernburger, ist heute ein Restaurant und Hotel. Als Gastgeber amten Silke Groh und Peter Sperner. Sie sorgen dafür, dass weder in den Sälen noch im Klosterhof oder im Selfservice draussen jemals irgendjemand auf Köstlichkeiten wie Fischknusperli, Eglifilet oder Hacktätschli verzichten muss, und versprechen, dass sämtliche Zutaten, wenn immer möglich, aus der Region stammen, am liebsten vom einzigen Bauernhof der Insel. Oder von den Rebbergen hinter dem Garten. Der gelernte Hotelier stammt aus dem deutschen Heidelberg. Gefragt, was für ihn das Leben auf der Insel ausmache, antwortet er: «Ihre Unversehrtheit. Selbst bei Tausenden Besuchern im Jahr bleibt das hier eine eigene Welt.» Der Spaziergang führt weiter vorbei an Schilf und Röhricht, in Badebuchten und zum Gesang von Pirol und Nachtigall auf die Anhöhe, wo der Pavillon steht, von dem aus der Blick bis zum Chasseral geht. Viel zu nah schon tönt das Signalhorn. Zu verträumt der Eichenwald, als dass es sich gebieten würde zu hetzen. Lieber eine Glace am Schluss beim Kiosk, lieber noch ein wenig in Rousseaus Träumereien geblättert. Träumen ist schön, wenn das Schiff schon wieder abgelegt hat.