Zwei Felsen formen eine Schildkröte. Ein Werk der Natur? Auf dem Solothurner Megalithweg, gesäumt mit Steinbrocken, die der Rhonegletscher hierher transportiert hat, ist Flaneuren magisch zumute.

Megalithweg Solothurn

Anreise: 
Mit dem Zug bis Solothurn, ab Bahnhof mit dem Bus bis zur Station St. Niklaus. 
www.sbb.ch
Das Schloss Waldegg verfügt über einen öffentlichen Parkplatz


Megalithweg: 
Der Rundweg umfasst 13 Posten mit Natur- oder Kulturdenkmälern. Er führt durch den Wald und später durch die Verenaschlucht mit der Einsiedelei. Der Weg ist sehr gut markiert und dauert rund 3 bis 4 Stunden. Abkürzung: Nach Station 8 direkt zurück zum Schloss.
Gutes Schuhwerk. Der Weg ist nicht durchgehend kinderwagengängig.


Verpflegung: 
Auf dem Weg hat es einige Feuerstellen. Eine Möglichkeit zum Einkehren bietet das Restaurant Pintli fast am Ende der Route.


Allgemeine Auskünfte:
Region Solothurn Tourismus
Tel. +41 (0)32 626 46 46
www.solothurn-city.ch

Steinmuseum Solothurn
Tel. +41 (0)32 621 00 53
www.steinmuseum.ch

Eigentlich ist es einfach ein riesiger Steinblock. Für die Frauen der Jungsteinzeit mit Kinderwunsch war er aber auch ein Hoffnungsträger: Die Granitmasse mit der abgeschrägten Oberfläche im Wald bei Solothurn gehört zu den sogenannten Kindlisteinen. Früher glaubte man, diese Steine seien Verwandlungsorte, wo aus Ahnenseelen neue Kinderseelen entstehen. Indem man darauf herumrutscht, so der Glaube, kann man eine solche Kinderseele empfangen.

Der Rütschelistein, wie der Kindlistein hier heisst, ist nur einer von vielen Megalithen.

In den Wäldern von Solothurn gibt es zahlreiche Findlinge oder erratische Blöcke, die vom Rhonegletscher aus den Walliser Alpen hierher transportiert wurden.

Manche von ihnen sind von besonders imposanter Gestalt und gelten deshalb als Naturdenkmäler. Bei anderen vermutet man, dass sie von den Menschen für kultisch-religiöse Zwecke genutzt worden sind, es sind Kulturdenkmäler.

Der Rütschelistein ist die erste Station auf dem Solothurner Megalithweg mit 13 Natur- und Kulturdenkmälern. Der Rundweg beginnt beim Schloss Waldegg mit einer idyllischen Ahorn-Allee und führt durch den Wald und die Verenaschlucht wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Schloss Waldegg mit Schlossgarten.
Schloss Waldegg: Ausgangspunkt für den Megalithweg-Bummel.
Die Verenaschlucht der Stadt Solothurn.
Die Verenaschlucht: Viel besuchte Einsiedelei im Norden der Stadt Solothurn.
Eckiger Stein auf dem Megalithweg.
Der Rütschelistein: Frauen hofften auf seine mystische Kraft.

Zufall oder nicht?

Der Weg ist gut beschildert, die mächtigen Felsblöcke sind aber auch so nicht zu übersehen. Die Schildchrott beispielsweise besteht aus einem gewaltigen Brocken, der auf einem kleineren Stein aufliegt und diesen so daran hindert, auf die Seite zu kippen. Die Formation sieht aus wie ein Schildkrötenpanzer, aus dem der Kopf hervorlugt. Alles Zufall? Von Menschenhand geschaffen? Was hat es auf sich mit dem Froschstein, der aussieht wie eine Kröte, welche als Symbol des Lebens gilt? Es gibt auf diesem Weg durch den herbstlichen Wald viel zu spekulieren und zu sinnieren, und ein bisschen spürt man das Magische, das die teils moosbewachsenen Steine für die Menschen damals ausstrahlten. Soweit man heute weiss, trennten die Menschen der Jungsteinzeit Alltag und Kult nicht. Sie erlebten sich als Teil eines grossen Ganzen, das sie zu beeinflussen versuchten, beispielsweise mit Steinen wie eben dem Kindlistein.

Länglicher Stein.
Der Gnappstein: Orakelstätte für Jungsteinzeitler.

Wehret dem Heidnischen

Nicht immer waren die vorchristlichen Kultstätten gerne gesehen. In der Verenaschlucht mit der Einsiedelei baute man die hübsche Martinskapelle absichtlich direkt vor einer Höhle, die als heidnische Kultstätte galt. Und für mehr Glaubwürdigkeit sorgte dann noch eine Legende wie diejenige der heiligen Verena, die hier unter anderem Kranke geheilt haben soll. Die Einsiedelei ist die letzte Station auf dem Megalithweg. Auf dem Rückweg zum Schloss sollte man allerdings nochmals einen Halt einlegen, nämlich im Restaurant Pintli, das mit seiner nostalgischen Einrichtung und dem freundlichen Service einen schönen Abschluss eines fast schon magischen Spätherbstspaziergangs bildet.