Ferien machen, wo die Zeit stillsteht – was will man mehr? Im Reka-Dorf im jurassischen Montfaucon wird dieser Wunsch wahr. Und dennoch vergehen die Tage wie im Flug.

Das Wichtigste im Überblick


Anreise:
Mit dem Zug bis Glovelier und dann weiter mit dem Bus bis Montfaucon Poste.
www.sbb.ch

Infrastruktur:
Im Reka-Feriendorf gibt es neben Spielplätzen auch Hallenbad, Wellnessoase, Bike-Miete, Spielzimmer und Jugendraum. Die Häuser sind kindersicher eingerichtet und mit Wickel­matte und Babybett ausgestattet.

Kosten:
Bungalows mit vier bis acht Betten kosten  für eine Woche ab 714 Fr.

Allgemeine Auskünfte:
www.reka.ch/montfaucon

Die Zeit steht still in Montfaucon JU. Drei Minuten nach acht zeigte die Uhr am Turm der Pfarrkirche Saint-Jean Baptiste, als wir uns im Restaurant an den Tisch setzten. Drei Minuten nach acht zeigt sie, als wir eine Stunde später das Lokal wieder verlassen. Oder sind es zwei Stunden später? Wir wissen es nicht. Wie die Kirchenuhr von Montfaucon haben wir die Zeit vergessen. Das passiert meiner Tochter Fay, ihrer Freundin Lena und mir in den jurassischen Freibergen ständig.

Ob wir mit dem Mountainbike über Hügel und Felder flitzen, im Hallenbad ein Wasserballett einstudieren oder zwischen den Pferden auf der Weide ein Picknick machen – die Stunden vergehen, ohne dass wir es merken. Unser Zeitgefühl ist verschwunden. Das scheint im Reka-Feriendorf Montfaucon Programm zu sein. Hier nehmen wir in einem kleinen Haus mitten im Grünen eine Auszeit vom Alltag. «Rund um die Uhr die Zeit vergessen» – diesem Motto folgen die Gäste des Feriendorfs seit kurzem.

Das Auffrischen der Zeit

Im Sommer hat die Schweizerische Reisekasse Reka hier mit der Uhrenfirma Tissot den Spielpark neu gestaltet. Zifferblätter auf den Minigolfbahnen, ein riesiger Uhrenturm mit verschiedenen Aufgaben, die es zu lösen gilt – es dreht sich alles um die Zeit und deren Messung.

 Eine Nacht ist vergangen, und wir stehen jetzt auf dem grossen Uhrenturm.

175 riesige Zylinder baumeln hier an Schnüren von der Decke. Nur drei von ihnen sind mit Glocken verbunden. Wir müssen herausfinden, welche es sind. Fay beginnt, hebt Zylinder um Zylinder an, bis es endlich läutet. Sie bleibt stehen und hütet ihre Glocke. Ich mache weiter, tue es ihr gleich. Und zum Schluss ist Lena dran. Geschafft. 

Zwei Mädchen neben zwei Pferden
Alles Glück der Erde: Die Pferdeweide liegt gleich nebenan.
Hauserreihe hinter einer Wiese
Zurücklehnen im Grünen: Das Reka-Feriendorf im jurassischen Montfaucon.
Drei Frauen in einem Whirlpool
Wohliges Wellnessen: Entspannen im Freiluft-Whirlpool.

Die Relativität der Zeit

Als wir fertig sind, fragt Fay: «Wie spät ist es?» Lena und ich antworten im Chor: «So spät wie immer: Drei Minuten nach acht.» Dieses Spiel wiederholen wir dieses Wochenende immer wieder. So erinnern wir uns dar­an, dass Zeit für einmal keine Rolle spielt. 

Und doch dreht sich vieles um das Thema. Auch an diesem Abend. Die Mädchen steigen die schmale Holztreppe hinauf ins Dachzimmer und legen sich ins Bett. Ich sitze unten vor dem Kamin und höre, wie sie sich unterhalten. «Sag mal, Fay», fragt Lena, «ist es bei dir auch so, dass die Zeit manchmal ganz schnell vergeht und manchmal extrem langsam?» Fay überlegt. «Ja», sagt sie. «In der Mathestunde will die Zeit nie vergehen, aber im Stall, bei den Pferden, vergeht sie wie im Flug.» 


Viel Zeit für die Pferde

Dann poltert es im oberen Stock. Die Mädchen stürmen die Treppe herunter. «Pferde!», ruft Fay, die sich dank ihres Gesprächs im Bett erinnert. «Lena, wir haben die Pferde vergessen.» 

Im Pyjama steigen Fay und Lena in ihre Gummistiefel, ziehen eine Jacke über und verlassen das Haus, um den Tieren eine gute Nacht zu wünschen. Die Mädchen haben sich in den letzten Tagen mit den Pferden angefreundet, die unmittelbar neben unserem Haus auf der Weide stehen – vier braune, ein weisses und zwei Fohlen.

Viele Stunden haben Fay und Lena auf der Weide verbracht, beobachtet, gewartet und sich langsam herangetastet. Mit Erfolg. An diesem Abend läuft das schwarze Fohlen direkt auf Fay zu, als sie die Weide betritt. Es streckt ihm den Kopf entgegen, lässt sich Stirn und Nüstern streicheln. Ich beobachte das Geschehen aus dem Küchenfenster.

Mit den Nebelschwaden, die sie jetzt umhüllen, bietet sich ein Bild wie aus einem Fantasy-Roman.

Als das Feuer im Kamin ausgeht, öffne ich die Tür und rufe die Mädchen herein: «Kommt, es ist Schlafenszeit.» Doch dafür hat Fay kein Gehör: «Das ist es nicht», ruft sie zurück. «Du weiss doch, dass die Zeit stehen geblieben ist. Es ist und bleibt drei Minuten nach acht.»