Im Frühling verwandelt sich Morges in ein Blumenparadies. Der Tulpenzauber dauert bis Mitte Mai. Und im nahen Schloss Vullierens gibts einen traumhaften Iris-Garten.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug via Lausanne nach Morges. 
www.sbb.ch


Tulpenfest:
Anfang April bis Mitte Mai im Parc de l’Indépendance, Eintritt frei. 


Wochenmarkt in Morges:
Grand-Rue, jeweils am Mittwoch und Samstag. 


Iris-Garten:
Mit dem Postauto ab Bahnhof Morges bis Vullierens.
Tel. +41 (0)79 274 79 64
www.jardindesiris.ch


Hotel:
La Maison d’Igor
Tel. +41 (0)21 803 06 06
www.maison-igor.ch


Allgemeine Auskünfte: 
Morges Région Tourisme
Tel. +41 (0)21 801 32 33
www.morges-tourisme.ch

Tulpen oder Iris? Für die Liebhaber beider Frühlingsblumen ist die Gegend von Morges ein Pilgerort. Die beiden blühen aber nicht gleichzeitig. Den Anfang machen die Tulpen im Parc de l’Indépendance von Morges. 120 000 langstielige Blütenkelche in 300 verschiedenen Farb- und Formvariationen buhlen um meine Aufmerksamkeit.

Für die Liebhaber von Tulpen und Iris ist die Gegend von Morges ein Pilgerort.

Tulpenfest heisst diese Blütenexplosion, und sie wird jeden Frühling im Unabhängigkeitspark gezündet. Gemeint ist die Unabhängigkeit der Waadt von Bern vor gut 200 Jahren.

«Wir pflanzen jedes Jahr ein paar Neuheiten», sagt Philippe Regamey, Vizepräsident des Tulpenfestes, der mich durch die Rabatten führt. Er zeigt als Beispiel auf eine grünrote Papageientulpe mit mehreren Blüten an einem Stängel. Bei einem Tulpenrondell mit geometrischen Formen in Rot, Gelb und Orange erklärt er: «Diese Kompositionen gingen aus einem Wettbewerb der Gärtnerlehrlinge hervor.» Ein kleiner Hügel wurde von den Tulpenfreunden der Stadt Istanbul bepflanzt.

Kinder fahren mit Trottinetts auf den Wegen zwischen den alten Bäumen. Ein junges Paar möchte vor einem blütenweissen Tulpenbeet fotografiert werden. Der Zauber dauert bis Mitte Mai. Dann werden alle Zwiebeln ausgegraben und am Zwiebelmarkt verkauft. «Kaum ist der Markt eröffnet, rennen die Leute los – nach zwei Stunden ist alles weg», erzählt Regamey. «Denn hier gibt es Sorten, die man sonst nirgends erhält.»

Enten watscheln über die Wiese.
Enten im Parc de l’Indépendance.
Frau schnuppert an Tulpe.
300 Farb- und Formvariationen buhlen um die Aufmerksamkeit der Besucher.
Tulpenfeld im Park.
Tulpenfest in Morges.

Elegante Seepromenade

Ausser Tulpen besitzt das Städtchen Morges noch andere Attraktionen: ein wehrhaftes Schloss mit stämmigen Türmen, eine geschäftige Altstadt mit Metzgereien, Konditoreien und Restaurants. Die Strandpromenade am Genfersee verströmt ein Flair von Eleganz und süssem Nichtstun. Man kann hier praktisch ohne Unterbrechung den See entlang bis nach Lausanne spazieren. Der russische Komponist Igor Strawinsky lebte von 1915 bis 1917 mit Frau und 4 Kindern in einer herrschaftlichen Villa nahe des Sees. Das Haus wurde kürzlich zum Hotel Maison d’Igor umgebaut. Strawinsky komponierte hier wichtige Werke wie das Ballett «Pulcinella». Mich inspiriert das edle Haus, nach Schloss Vullierens aufzubrechen und zu sehen, wie es um die Iris, die «königliche Blume», steht.

Leute flanieren durch die Stadt.
Das Städtchen Morges lädt zum Verweilen ein.
Schlossgarten von oben.
Der Irisgarten von Schloss Vullierens.
Schiff vor Städtchen.
Das lauschige Städtchen liegt am Genfersee.

Romantischer Iris-Garten

Schloss Vullierens ist in Privatbesitz und mit dem Weinberg, dem Wäldchen und dem Iris-Garten wohl einmalig in der Schweiz. Alles sehr romantisch und gepflegt überwachsen. Jeden Frühling öffnet der Schlossherr das weitläufige Anwesen für das Publikum. Ich schlendere durch den von einer Baumallee gesäumten Reiterweg, bestaune den Skulpturenpark und entdecke dicke Goldfische im ehemaligen Burggraben. Aus den Gartenbeeten ragen spitze, kupfergrüne Blätter, und ich verstehe, warum die Iris auch Schwertlilie heisst. Und Blüten? Erst ein paar frühblühende Zwergiris geben einen Vorgeschmack darauf, was Ende Mai hier abgehen wird: ein Blütenmeer in allen Farben ausser Rot, eine zarte Duftwolke und Hunderte von Besuchern. «Die Irisblüte ist eine kurze Pracht», sagt Sophie Bertorelli vom Schloss-Management. Wahrscheinlich macht gerade das Vergängliche und zugleich Überschwängliche ihren Reiz aus. Dank der Ruhe vor dem Sturm geniessen wir heute die volle Aufmerksamkeit des Kellners im Gartenrestaurant. Und eine ausgezeichnete gegrillte Fera, eine Felchenart aus dem Genfersee, mit 3 verschiedenen Saucen in der Farbpalette Weiss/Gelb/Orange. Tulpen oder Iris? Vielleicht sollte ich 2-mal an den Genfersee fahren.