Angeln ist kein Kinderspiel, aber unter sachkundiger Führung lernen auf dem Murtensee auch Kinder den richtigen Umgang mit Fischen.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Murten ist von Zürich aus mit den SBB in rund 1 Std. 40 Min. über Bern zu erreichen.
www.sbb.ch 

Vater-Sohn-Angeln:
www.dzin.ch/de/P15210/vater-sohn-angelerlebnis

Fischertouren:
www.murtensee.info/714

Infos über Berufsfischer:
www.murtensee.info/54/Fischerei/Berufsfischer.html

Kurse fürs Fischen:
www.murtensee.info/48

Heinz Jost und sein Partyboot:
www.partyboot-murtensee.ch

Zusätzlich bietet Murten rund ums Jahr eine grosse Zahl von Veranstaltungen an – sowohl musikalischer wie auch sport­licher und historischer Art.

Allgemeine Auskünfte:
www.murten.ch 
www.regionmurtensee.ch 

Ganz locker und gerade musst du die Angel halten, Jamie, da darf sich nichts verheddern», sagt Fischer Heinz Jost, 78, als wir bei ihm im Boot sitzen, um eine Lektion im Fischen zu bekommen. Unser Grüppchen besteht aus der Familie Carbonnet, die in Murten zu Hause ist. Mutter Andrea, 40, Vater Laurent, 48, Sohn Jamie, 10, Tochter Tara, 7, und schliesslich dem einjährigen Liam, der eine kräftige Begleitmusik beisteuert. Es ist gemütlich und bequem in dem Boot, das Jost liebevoll «sein Partyboot» nennt, denn bis zu zehn Leute hätten hier locker Platz, auch solche, die mit ernsthafter Fischerei nichts im Sinn haben, sondern nur die Schönheiten des Murtensees geniessen wollen, vielleicht bei einem Gläschen Wein aus der Chasselas-Traube von den Rebbergen des Vully auf der gegenüberliegenden Seite Murtens.

Maden für die Fische

Doch wir meinen es ernst mit dem Angeln. Angestrengt blicken wir in den Fischfinder, eine Art Echolot, auf dem wir sehen, wo die Fischströme in vier Metern Tiefe vorbeiziehen. Es sind dies vor allem Hecht, Egli, Zander, Felchen, Wels und Rotauge, ein paar Forellen auch. Die Angelleinen sind parat, jetzt kommt der Köder dran. «Raubfische wie etwa Egli reagieren auf bewegliche Köder, Felchen eher auf ruhige», sagt Jost. 

Die Rute biegt sich rasch. Ist womöglich schon ein Fisch daran?

Fliegen, Maden und Brotkrümel, all das sind ruhige Köder; solche aus buntem Plastik oder Metall gehören zu den blinkenden. Jost öffnet eine Dose mit hellgelben krabbelnden Maden. «Igitt, die nehme ich nicht in die Hand», entfährt es Tara. Ihr Bruder Jamie hat weniger Berührungsängste. Schon lässt er fünf Meter Schnur seiner Rute mit den Maden an der Angel in den See gleiten. Die Rute biegt sich rasch. Ist womöglich schon ein Fisch daran? 

Ja, ein Fischlein hängt an der Angel, ein Egli. So klein, dass er zurück ins Wasser muss, weil er weniger als 15 Zentimeter gross ist. Unterdessen hadert Vater Laurent mit den verhedderten Leinen. Ruhig halten, das ist einfacher gesagt als getan, vor allem, wenn Tochter Tara ihm mit ihrer Rute in die Quere kommt. Denn auch sie hat einen Fisch an der Angel, ein Rotauge, das sie stolz präsentiert.

Fachkundiges Fischen 

Ruhig liegt der See an diesem schönen Sommertag da; eine Art chinesische Dschunke segelt majestätisch vorbei. Und die Fische scheinen ein Schläfchen zu halten. Der Fischfinder zeigt, dass im relativ seichten Wasser kein Fisch mehr zu holen ist. Also müssen wir weiter raus. 

Ein Kind hält einen Fisch in der Hand.
Der Erfolg: Eine Kinderhand voll Rotauge.
Eine Familie auf einem Boot.
Familiäre Angelpartie: Fischer Heinz Jost und die Carbonnets auf dem Partyboot.
Blick auf ein Städtchen am See.
Das malerische Murten.

45 Meter tief ist die tiefste Stelle im Murtensee, so weit wollen wir nicht, aber neun, zehn Meter Wasser unterm Kiel, das brauchen wir schon. 

Und tatsächlich, ein Rotauge beisst bei Jamie an und später noch ein zu kleiner Egli. Vorsichtig zieht er die Fische an Bord. Das Rotauge ist gross genug für die Pfanne, für sie gelten keine Minimalmasse, der Egli hingegen geht wieder über Bord. 

Dass man Fische vor dem Essen töten muss, wissen die Kinder schon. Und sehen Fischer Jost gebannt zu, wie er den Fischen mit einem Gummihammer einen dumpfen Betäubungsschlag auf den Kopf gibt. «Der blutet ja noch», entsetzt sich Tara, als dem Rotauge ein paar Blutstropfen aus den Kiemen rinnen. Vater Laurent meint belustigt: «Fischstäbchen wachsen nun mal nicht auf den Bäumen.»

Das war vorerst genug der Lektion. Mutter Andrea bereitet die Fische später küchenfertig zu. «Sie haben sehr gut geschmeckt. Und für die Kinder war es ein spannender und lehrreicher Nachmittag», mailt sie einen Tag später. 

Malerisches Städtchen

Gebratene oder frittierte Egli­filets sind die Leibspeise von Einheimischen und Besuchern von Murten. Überall in den Restaurants am See und im Städtchen stehen sie auf der Speisekarte. Ein Genuss mit einem Schluck Vully-Weisswein und die ideale Stärkung für den Stadtrundgang durch das pittoreske Städtchen mit den vielen Türmen und Kirchen und einer Ringmauer, die fast um das gesamte Städtchen führt – die einzig begehbare der Schweiz. 

Gleich hinter der katholischen Kirche steige ich mit Stadtführerin Verena Steiner hin­auf. Sie erzählt mir anschaulich von Schlachten und Belagerungen aus den Zeiten der Zähringer Gründungsväter. Und wir haben einen prächtigen Ausblick über die roten Ziegel­dächer und die Gärten im Schatten der Mauer. Über die ganze Stadt und weit über den See. Es ist der perfekte Abschluss eines wirklich lehrreichen Tages in Murten.

Blick durch einen Torbogen in ein Städchen.
Historisches Städtchen mit Türmen, Toren und einer begehbaren Ringmauer.