Der Stille lauschen, den Eichhörnchen zuschauen und langsam dem Alltag entschweben: Ein Wochenende in den Baumhäusern Les Nids macht Kinderträume wahr.

Das Wichtigste im Überblick

Baumhäuser Les Nids NE

Anreise:
Mit dem Auto auf der A 5 bis Neuenburg, über La Chaux-de-Fonds nach Le Locle. Da Richtung Centre le Communal und Camping TCS.
Mit der Bahn nach Le Locle und mit dem Bus Richtung Communal, Halte­stelle Piste Vita.
www.sbb.ch


Saison:
Ganzjährig, die Baumhäuser werden beheizt.


Aktivitäten:
Fuss­ballplatz, Minigolf, Beachvolleyball, Vita-Parcours, be­heiztes Freibad mit Wasserrutsche, Schlittschuhbahn, Squash, Loipen und Wanderwege, Mountainbikestrecken.


Sehenswürdig­keiten:
Uhrenmuseum in Le Locle und La Chaux-de- Fonds, unterirdische Mühlen in Col-des-Roches, Lac des Brenets mit Wasserfall Saut-du-Doubs, Naturkunde-museum in La Chaux-de-Fonds, Regionalmuseum in La Sagne, Trak­tormuseum in Cer­nier, Käserei in Les Ponts-de-Martel, Absinthmuseum und Asphaltminen in Travers.


Allgemeine Auskünfte:
Les Nids
Jean-Paul und Karin Vuilleumier
Montpugin 8
2400 Le Locle
Tel. +41 (0)32 931 32 59 (werktags, 10–12 Uhr)
Mail: info@lesnids.ch
www.lesnids.ch

Der Mond leuchtet uns den Weg, als wir an diesem Winterabend den Berg über Le Locle hinauffahren und die letz­ten Häuser der Uhrenstadt nahe der französischen Grenze hinter uns lassen. Schneeflocken tan­zen in der Luft, es ist klirrend kalt, und umso mehr freuen sich meine Frau und ich auf ein warmes, gemütliches Nest mit Namen wie «Chouett’ Nid», Eulennest. In einem der vier Baum­häuser werden wir ein romantisches Wochenende in luftiger Höhe erleben und uns damit einen Kindertraum erfüllen. Tagsüber werden wir langlaufen auf den Höhenzügen der Neuenburger Berge, wo die Loipen durch traumhaft verschneite Landschaften führen.

In der Krone der Eiche

Das Eulennest war das erste Baumhaus, das Jean-Paul Vuil­leumier 2003 in acht Meter Höhe rund um den Stamm eines frei stehenden Baumes gebaut hat. Auf die Idee habe ihn sein Sohn gebracht, als dieser sich eine Baumhütte zusammenzim­merte. Wie ein grosser Hochsitz thront nun der achteckige, rundum verglaste Pavillon in der Krone der mächtigen Eiche, direkt über dem Wohnhaus und der Werkstatt der Vuilleumiers.

Das gemütlich eingerichtete Innere eines der vier Baumhäuser von Les Nids.
Die Baumhäuser sind hübsch eingerichtet.
Eichhörnchen an einem Baumstamm.
Von hier lassen sich Eichhörnchen beobachten.
Verschneite Landschaft mit Langläufler auf Loipe in den Neuenburger Bergen.
Das weit verzweigte Loipennetz in den Neuenburger Bergen führt durch unberührte Landschaften.

Die drei anderen Nester ver­stecken sich nur ein paar Meter weiter im nahe gelegenen Wald.

Stabile Brücken führen zwi­schen den Bäumen hindurch zur «Sitelle» und zur «Mésange». Beide Baumhäuser sind verklei­nerte Ausgaben des «Chouett’ Nid» mit Platz für zwei statt vier Personen. Zu unserem «Pic Epèche», dem Buntspechtnest, gelangen wir über eine Rampe, die nicht zu steil und breit genug ist für einen Rollstuhl. Der bunt bemalte «Pic Epèche», eine mit Stahlseilen in die Bäume aufgehängte Holzhütte, bietet genügend Platz für fünf Personen, verfügt über eine breite Aussenterrasse und eine grosse Fenster­front, durch die das Licht hinein­strömt. In dem mit Buchenholz verkleideten Wohn-und Schlaf­raum knistert bereits das Feuer im Schwedenofen und verbreitet behagliche Nestwärme. Nur an den Füssen spüren wir, dass wir in der Luft hängen: Der Fussboden ist eiskalt.

Auf Komfort müssen wir deshalb nicht verzichten. Eine Küchenzeile, deren Schränke mit Lebensmitteln für das Früh­stück gefüllt sind, ein geräumi­ges Badezimmer und ein beque­mes Sofa sorgen dafür, dass es uns an nichts fehlt. Als wir ge­mütlich beim Fondue am Tisch sitzen, bemerken wir die absolute Stille um uns herum. Kein Zimmernachbar ist zu hören, keine Wasserleitung rauscht, der Schnee dämpft sämtliche Geräu­sche. Wir fühlen uns in unserem Versteck in den Bäumen, als wä­ren wir allein auf der Welt, und schlafen in dieser Nacht wie die Murmeltiere, geborgen in unse­rem Ne

Frühstück im Ausguck

Die Sonne, die durch die kahlen Bäume blinzelt, weckt uns. Jean-Paul Vuilleumier hat bereits einen Beutel mit frischen Bröt­chen an die Türe gehängt, und unter dem wachsamen Blick eines Eichhörnchens, das auf der Terrasse ein Vogelhäuschen plündert, frühstücken wir aus­giebig. Wir haben es nicht eilig. Zu schön ist unser Ausguck, von dem aus wir Vögel und Eich­hörnchen beobachten, die sich um Sonnenblumenkerne strei­ten. Zudem startet die Langlauf­spur nur wenige Meter von unserem Baumhaus entfernt. Sie ist der Einstieg in das weit ver­zweigte Loipennetz in den Neuenburger Bergen, mit ab­wechslungsreichen Etappen bis nach La Brévine oder hinüber nach La Sagne.

Am Abend hat der Wind auf­gefrischt und rüttelt an unserem Häuschen. Aber es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.

Unsere luftige Behausung steht auf sicheren Stelzen, und erst wenn der Wetterbericht Böen mit mehr als 65 Stundenkilometern ankündigt, darf vorsichtshalber niemand in den Nestern über­nachten. «Aber das passiert höchstens zweimal im Jahr», sagt Jean-Paul Vuilleumier.

Wir kommen wieder, darin sind sich meine Frau und ich einig. Vielleicht in einer wärme­ren Jahreszeiten? Wenn man in den einsamen Juralandschaften wandern, im nahe gelegenen Schwimmbad sonnen oder im dichten Blattwerk auf der Terras­se eines der Baumhäuser sitzen kann? Doch als wir uns mit einem letzten Blick verabschie­den, ist für mich klar: Im Winter ist es am romantischsten. Das nächste Mal aber mit warmen Hausschuhen.