Ein Ausflug, zwei Highlights: Im Naturschutzzentrum La Sauge können Besucher seltene Arten beobachten, in Gletterens in die Jungsteinzeit eintauchen.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Anreise mit Auto oder Zug nach Estavayer-le-Lac oder Ins.
www.sbb.ch 

In der Grande Cariçaie bewegt man sich am besten mit dem Velo, zu Fuss oder mit dem Schiff.

Velomiete am Bahnhof Ins, Tel. +41 (0)32 313 15 29 oder in Estavayer-le-Lac. Schiff ab Neuenburg, Murten oder Biel bis Station «La Sauge».
www.navig.ch

Naturschutzzentrum La Sauge:
1588 Cudrefin, Tel +41 (0)26 677 03 80 
www.birdlife.ch/lasauge

Übernachten:
Auberge la Sauge, Tel. +41 (0)26 677 02 70
www.aubergelasauge.ch 

Pfahlbaudorf Gletterens:
1544 Gletterens, Tel. +41 (0)76 381 12 23
www.village-lacustre.ch

Übernachten in Tipis und Lederzelten.

Allgemeine Auskünfte:
Estavayer-le-Lac/Payerne Tourisme, Tel. +41 (0)26 662 66 80
www.estavayer-payerne.ch 

Im Naturschutzzentrum La Sauge am Neuenburgersee herrscht ein Flugbetrieb wie auf einem internationalen Flug­hafen. Das Schutzgebiet der Grande Cariçaie, zu der La ­Sauge gehört, ist eine wichtige Zwischenstation für europäische Zugvögel. Es liegt am Schnittpunkt dreier Kantonsgrenzen: Waadt, Freiburg und Bern. Doch das kümmert die Vögel nicht. Viele brüten hier im letzten grossen Sumpfgebiet der Schweiz. Die Zugvögel aus Nordafrika sind vor kurzem zurückgekehrt. Bald werden auch die Lang­streckenflieger aus Süd­afrika eintreffen.

«Hier finden die ­Vögel alles, was sie brauchen», sagt Anna Lisa Mascitti, Leiterin des Birdlife-Naturzentrums. «Es hat Schilf, Teiche, Büsche und ge­nügend Nahrung.» Von 450 europäischen Vogelarten sind 300 zeitweise am Südufer des Neuenburgersees anzu­treffen. Auch die Pflanzenvielfalt auf diesem 40 Kilometer langen geschützten Uferstreifen ist gross.

Kurz blitzt das orange-blaue Gefieder eines Eisvogels auf. Jetzt segelt ein Graureiher übers Wasser und landet im Uferbereich.

Beim Rundgang über Kieswege und Holzstege vernehmen wir ein vielstimmiges Konzert. In den Bäumen trillern Vögel, in den Tümpeln quaken Grasfrösche. Biologin Mascitti fährt mit einem Fangnetz durch einen trüben Teich und kippt die Ausbeute in eine weisse Plastikwanne. Da schwänzelt eine fast durchsichtige Eintagsfliege, eine dicke Libellenlarve sinkt zusammen mit zwei flachen Wasserschnecken auf den Boden. Das Bestimmen der Arten gehört zu den Workshops für Kinder, die das Zentrum anbietet. In einer der vier Beobachtungshütten ist es ganz still, obwohl überall vor den Sehschlitzen Besucher stehen, die fasziniert das Geschehen auf dem kleinen Teich beobachten. Kurz blitzt das orange-blaue Gefieder eines Eisvogels auf. Jetzt segelt ein Graureiher übers Wasser und landet im Uferbereich. Anna Lisa Mascitti macht mich auf einen Holzhaufen am Fusse einer Betonwand mit Brutnischen aufmerksam: «Den haben die Biber aufgeschichtet. Der Eingang zum Biberbau befindet sich immer im Wasser.» Biber sehen wir keine, aber ihren Spuren: da eine lehmige Rutschbahn ins Wasser, dort ein Baumstrunk mit Bissspuren.

Ein Biber im Wasser.
Ein Biber steckt seinen Kopf aus dem Wasser.
Vier Häuser mit Strohdächern auf einer Wiese, rundherum Bäume.
Rekonstruktion eines kleinen Pfahlbaudorfes in Gletterens.
Ein blau-oranger Vogel sitzt auf einem Ast.
Ein seltener Eisvogel.

Kultur sichtbar machen

Spurensuche ist auch das Thema der Pfahlbausiedlungen, von denen es am Neuenburger-, Bieler- und Murtensee zahl­reiche gab. Pfahlbauten im Alpenraum gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Auch in Gletterens, etwa sieben Kilometer von La Sauge entfernt, stiessen Bauarbeiter auf 3000 Jahre alte Fundstücke. Doch die meisten Überreste der Pfahlbauer liegen unter dem Seeboden. Wie kann man diese Kultur für Besucher sichtbar machen?

Die Stiftung Village Lacustre Gletterens rekonstruierte ein kleines Pfahlbaudorf nach bestem historischem Wissen. 1996 wurde in einer Waldlichtung nahe dem See das erste Gebäude aufgebaut: ein Speicher aus der Jungsteinzeit. Das Gerüst besteht aus Pfählen, die Wände aus Haselgeflecht sind mit einer Mischung aus Lehm, Sand, Wasser und Kuhdung verputzt und farbig bemalt. Das Dach ist mit Schilf gedeckt. Nach und nach sind vier weitere Gebäude und ein Schaugarten hinzugekommen.

Wie bei einem Puzzle wächst das Wissen über die Pfahlbauer mit jedem neuen Fundstück.

In den Häusern ist es relativ düster und riecht angenehm nach getrocknetem Gras. «Noch kennen wir viele Einzelheiten über das steinzeitliche Leben am Seeufer nicht», sagt die Erlebnispädagogin Doris Aeberhard. Wie bei einem Puzzle wächst das Wissen über die Pfahlbauer mit jedem neuen Fundstück. Im Atelierhaus fällt auf einer Seite Licht ein, damit man gut arbeiten kann. Hier können Besucher in Workshops Körbe flechten, Leder mit Knochenahlen bearbeiten oder steinzeitliche Lampen herstellen. Eine grundlegende Erfahrung sei das Feuermachen, sagt Doris Aeberhard: «Wenn das Sägemehl plötzlich Funken schlägt, so hat das jedes Mal etwas Magisches.»

Ein Haus mit Stroh-Dach auf einer Wiese.
Speicher aus der Jungsteinzeit mit Schilfdach.