Den Verkehrsknotenpunkt Olten kennen alle. Aber kennen auch alle die Stadt Olten? Die hat nämlich viel Spannendes und Liebenswertes zu bieten.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise: 
Mit dem Zug nach Olten
www.sbb.ch 

Essen:
Für gehobene Ansprüche bei durchschnitt­lichen Preisen: Restaurant Salmen
Tel. +41 (0)62 212 22 11
www.salmen-olten.ch 

Schriftstellerweg:
Über 40 Hörstationen von 15 bekannten Autoren, Walk of Fame «Quai Cornichon» mit 30 Perlen aus den Oltner Kabarett-Tagen zum Hören.

Ausflug:
Spaziergang durch den Vögeligarten im Bifangquartier, städtischer Park mit Volière und Vogelpflegestation, Engelbergstrasse 42.
Tel. +41 (0)62 296 39 76
www.voliereolten.ch

Museen:
Kunstmuseum, Sammlung von Werken des Oltner Zeichners Martin Disteli. Kirchgasse 8,
Tel. +41 (0)62 212 86 76
www.kunstmuseumolten.ch  

Naturmuseum mit ­Themenausstellungen, spannend für Kinder und Erwachsene. Kirchgasse 10,
Tel. +41 (0)62 212 79 19
www.naturmuseum-olten.ch


Allgemeine Auskünfte:

Region Olten Tourismus
Tel. +41 (0)62 213 16 16
www.oltentourismus.ch

Olten – fast jeder Bewohner der Schweiz ist schon einmal in dieses Fadenkreuz des schweizerischen Schienennetzes geraten. Doch wer hier aussteigt, will meistens nur schnell jemanden treffen. Im Bahnhof oder so nahe wie möglich. Restaurants, Schnellimbisse, Sitzungssäle, Hotels für eine kurze Nacht – alles findet sich in Schrittnähe. Der Rest der Stadt bleibt links und rechts der Gleise liegen.

Das soll sich ändern. Olten ist auch Bildungsstadt geworden. Ihr Zentrum: die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW für über 3000 Studierende und fast 500 Mitarbeitende, der Grossteil Pendler. Im Bifang-Quartier östlich des Bahnhofs entstand 2013 ein veritabler Campus. «Ein Meilenstein für die Stadt – sozusagen der zweite neben dem Kilometer null, der sich seit der Gründung des schweizerischen Eisenbahnnetzes vor über 150 Jahren in unserem Bahnhof befindet», deklarierte damals Oltens Stadtpräsident Ernst Zingg. 

Olten ist auch Bildungsstadt geworden. Ihr Zentrum: die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW für über 3000 Studierende und fast 500 Mitarbeitende.

Aber was findet ein Student im 18 000-Einwohner-Ort, wenn er ihn seinen Eltern zeigen müsste, die einmal sehen wollen, wo ihr Spross seine Tage verbringt? Um vom Campus in die Altstadt auf der anderen Seite der Aare zu gelangen, stösst er auf Oltens Fluch und Segen: die Schienenstränge. Oben durch? Geht nicht! Keine Fussgängerüberführung. Also durch den «Winkel», eine orange ­gekachelte Ladenpassage im Untergrund mit dem Charme eines Bunkerstollens. 

Zur Belohnung wartet die Holzbrücke über die Aare. Wie oft wurde sie von Überschwemmungen weggerissen, wieder aufgebaut, angezündet, gerettet, zerschossen, repariert? Auch nach dem jüngsten Brand, am 28. März 2018, setzten die Oltner alles daran, sie rasch wieder begehbar zu machen und ihre Anmutung zu bewahren. So wie sie jetzt auf Eichenpfählen trotzt, stammt sie aus dem Jahre 1803. Lange Zeit der einzige privat befahrbare Übergang über die Wasser, beherbergt sie heute unter ihrem Ziegeldach regelmässig Velobörsen, Broccantes, Flohmärkte und Strassenkünstler.

Die Brücke trägt einen direkt in die Altstadt. Was hier auffällt: Es fehlt die Prospekt-Pose anderer mittelalterlicher Orte. Weder überfüllt von Touristen noch erstarrt, weil kaum noch jemand drin wohnt, ruht sie in Selbstverständlichkeit. «Läden und Beizen gibts auf jeden Fall genug», könnte der Vater schon nach den ersten Schritten brummen. Mutter bemerkt vielleicht, dass die Gassen nicht so eng sind wie zu Hause.

Hochwasser gegen die Belagerer

Unweigerlich finden sie sich früher oder später auf dem Ildefonsplatz zu Füssen des 42 Meter hohen Stadtturmes. Seine Glocken läuteten früher zum Gebet in der nahen Kirche und heute noch manch ­Oltnern zum letzten Geleit. Jeden Abend um 18.30 Uhr aber ruft die St.-Katharina-Glocke das Jahr 1629 in Erinnerung, als die Pest bis auf 14 Überlebende die ganze Bevölkerung dahinraffte. 

Ein Fluss, im Hintergrund Zugschienen und Züge.
Fast mehr noch als durch die Aare wird Olten durch die SBB-Schienenstränge geteilt.
Ein Mann in einem Arbeitszimmer.
Schriftsteller Alex Capus lebt in Olten.
Ein Fluss fliesst an einem Industriegebäude vorbei.
Die Dünnern, ein Aare-Nebenfluss aus dem Jura. Ihr ­Gefälle wird seit dem Mittelalter gewerblich genutzt.

Keinen Steinwurf entfernt steht mit dem «Hexenturm» ein Rest der Stadtmauer, von dessen Zinnen aus 1383, als Olten wieder einmal von den Bernern und den Solothurnern belagert wurde, eine gewisse Metzina Wächter Rettung brachte. Die feindlichen Truppen waren unten in der Schützenmatte stationiert. Sie wussten nicht, dass bei einem ordentlichen Gewitter der kleine Fluss Dünnern das ganze Gebiet meterhoch überschwemmte. Metzina zauberte im richtigen Moment ein Unwetter herbei. 

Beachtliche Schriftstellerdichte

In der Schützenmatt steht heute mit dem Kulturzentrum Schützi einer von Oltens zahlreichen Veranstaltungsorten. Die braucht es angesichts der Oltner Kabarett-Tage (23. Mai bis 2. Juni 2018), der Jazztage, Tanztage, Festivals und Aufführungen das ganze Jahr über. Ein Blick ins monatlich erscheinende Stadtmagazin «Kolt» genügt, um zu verstehen, was der Satiriker Rhaban Straumann vom heimischen Duo Strohmann-Kauz sagt: «Wir leben in einer Grossstadt. Zürich, Basel, Bern sind unsere Agglomeration. Wir müssen unsere Sache besser als gut machen, sonst haut das Publikum einfach ab.» Dabei verweist er aufs Stadttheater, das zu 80 Prozent ausgelastet sei, das Arthouse-Kino «Lichtspiele» und Kleinbühnen wie das «Theater Studio». Sie alle bauen auf treue Zuschauer auch von weit hinter den Stadtgrenzen.

Ob es nur einem Zufall zu verdanken ist, dass Olten «die meisten Literaten pro Kopf» für sich reklamieren kann, weiss niemand mit Sicherheit zu beantworten. Mit Pedro Lenz, Alex Capus und Franz Hohler tragen gleich drei aktuelle Erfolgsschriftsteller Oltens Ruf in die Welt hinaus; Grund genug für die Stadt, mehrere Routen als «Schriftstellerwege» auszuzeichnen, auf denen sich die Besucher per Audioguide durch die Stadt lotsen lassen können. 

Mit Pedro Lenz, Alex Capus und Franz Hohler tragen gleich drei aktuelle Erfolgsschriftsteller Oltens Ruf in die Welt hinaus.

Der Student und seine Familie nehmen jetzt vielleicht in der Waadtländerhalle Platz, bekannt für Röstispezialitäten. «Ah, im Tiger», würde ein Oltner sagen, denn einer der früheren Wirte pflegte jeweils in Tigerbadehosen zur nahen Badi zu spazieren. Oder sie gehen noch einmal paar hundert Schritte quer durch die Altstadt in den Rathauskeller. Hier, im «Chöbu», soll es die besten Hamburger der Schweiz geben. Die Bedienung fragt, ob Besteck gewünscht werde. Und fragt Vater zurück, wie denn sonst hier gegessen werde, antwortet sie: «Mit de Händ!»

Ein Gebäude mit Tischen und Stühlen vorne.
Das «Galicia», einst Treffpunkt spanischer Bahnarbeiter, ist heute Kulturlokal und im Besitz von Alex Capus.
Junge Menschen vor einem Restaurant.
Im Winter Suppenstube, im Sommer Eisdiele: Gelateria Olten an der Hauptgasse 6.
Ein Mann mit grauen Haaren und Rundglatze.
Franz Hohler wuchs in Olten auf.

Für einen ersten Augenschein sollte das dem Studenten und ­seiner Familie reichen. Zurück im Bifang-Quartier, könnte die Mutter in einem Veranstaltungskalender etwas von einem Begegnungszen­trum Cultibo lesen. Es liegt kaum 300 Meter vom Campus entfernt, aber der Student kennt es nicht. Dort wäre es möglich, dass sie ­Myriam Frey antreffen, grüne Gemeindeparlamentarierin. «Olten ist als alter Brückenort Neuzuzügern gegenüber prin­zipiell offen. Die werden sofort Oltner», meint sie. Geld, um eine grosse Show abzuziehen, habe die Stadt ohnehin keines mehr, seit vor fünf Jahren plötzlich über 30 Millionen Franken oder rund ein Drittel des jährlichen Budgets wegfielen, weil die Elektrizitätsgesellschaft Alpiq mit Sitz in Olten in die Krise fiel. Sparen, Steuern rauf, Privatinitiative heisse einstweilen die Losung. 

«Nachhaltig» ist kein leeres Wort

Das «Cultibo», von einem Verein getragen, ist Basis für verschiedene Gruppen und Projekte mit sozialer Ausrichtung, vom Repair-Café über Deutschkurse für Flüchtlinge bis zu Flohmärkten. Auch das Netzwerk «Olten im Wandel» trifft sich hier. In ihm engagieren sich schon über 100 Menschen für die nachhaltige Entwicklung der Stadt. Einer ist Tobias Vega, gelernter Kaufmann. Sein Einsatz reicht von der Hilfe für Flüchtlinge bis zur Kultivierung von Gemeinschaftsgärten im Quartier. Im Moment legen er und ein paar Mitstreiter ihr Hauptgewicht gerade auf die Organisation einer «Restessbar». Sie sammeln täglich Lebensmittel von Läden und Restaurants, die sonst im Abfall landen würden, obschon sie noch gut zum Essen wären, und machen sie kostenlos rund um die Uhr für alle zugänglich. Die «Restessbar» aus Kühlschrank und einigen Truhen befindet sich vor einem Haus in der Rosengasse. Der kurze Strassenzug ist ohnehin einen Besuch wert, bildet er doch einen Überrest der alten Bahnarbeitersiedlungen aus teils renovierten, teils ursprünglich erhaltenen Reihenhäuschen mit ihren typischen Lauben und Vor­gärten. Vega findet es schade, «dass sich von der Fachhochschule mit all ihren ­Studenten für soziale Arbeit noch nie jemand gemeldet hat. Obschon wir doch sozialen Unterricht am lebendigen Beispiel ermöglichen würden.»

Der Vater nickt jetzt vielleicht, die Mutter schaut sich das Infomaterial an, der Student aber weiss nicht einmal, dass er auf dem Weg zurück zum Bahnhof gleich an zwei Lokalen vorbeikommen würde, in denen Oltens Wandel schon eingesetzt hat: Das «Galicia» mit eigener Brauerei im Keller. Die Musikbar mit Bühne, einst ein Treffpunkt spanischer Eisenbahn-Gastarbeiter, gehört heute dem Schriftsteller Alex Capus. Und auch das «Coq d’Or» ein paar Schritte weiter neben den Gleisen hat sich der Kombination von Kultur und Bar verschrieben.

Die Eltern wollen unbedingt noch zum Sälischlössli. Die paar Kilometer Fahrt führen durch Wiesen und Felder hinauf zum Engelberg südöstlich der Stadt. Das Restaurant in der ausgebauten Burgruine aus dem 13. Jahrhundert ist zwar nur Freitag bis Sonntag und nur in den Sommermonaten täglich geöffnet, aber die Aussicht hinunter auf Olten und seine Umgebung an einem Tag wie diesem atemberaubend. «Ja, warum willst du eigentlich nicht hier wohnen?», fragt der Vater, den Blick über die Stadt bis zum Jura schweifen lassend. Und die Mutter: «Ich hätte nie gedacht, dass Olten so angenehm ist. Ich fühle mich fast schon ein wenig zu Hause hier, wo mein Kind studiert.»

Zwei Musiker auf einer Bühne.
Von Folk bis Hard Rock: Im Coq d’Or spielt die Musik.
Ein Gebäude, mit vier farbigen, runden Bildern an der Mauer.
Das Naturmuseum zeigt derzeit die Ausstellung Wunderwelt der Bienen.
Ein Mann.
Pedro Lenz lebt und arbeitet in Olten.
Menschen an Tischen mit Dingen drauf, die repariert werden müssen.
Gute Sache: Im Repair-Café können defekte Dinge gemeinsam mit ehrenamtlichen Reparaturprofis geflickt werden.
Kinder in Badehosen auf einer Brücke.
Ein Sprung vom Gäubahnsteg in die kühle Aare – im Hochsommer ein Genuss.