Einst betete man in Rigi Kaltbad im eiskalten Quellwasser um die Gesundheit, heute geniesst man in der von Mario Botta entworfenen Badeanlage in wohltemperiertem Wasser den Blick auf die Alpen.

Rigi Kaltbad LU

Anreise:
Rigi Kalt­bad ist zu Fuss oder mit der Luftseilbahn von Weggis, der Zahnradbahn von Vitznau oder von Arth-Goldau mit Umsteigen in Rigi Staffel zu erreichen.
www.sbb.ch


Mineralbad und Spa:
Eingang direkt beim Dorfplatz
Tel. +41 (0)41 397 04 06
www.mineralbad-rigikaltbad.ch


Unterkunft:
Hotel Rigi Kaltbad, drei Sterne
Hotelgäste haben täglich kostenlosen Zugang zum Mine­ralbad.
Tel. +41 (0)41 399 81 81
www.hotelrigikaltbad.ch


Hotel Alpina, zwei Sterne
Tel. +41 (0)41 397 11 52 
www.alpina-rigi.ch


Allgemeine Auskünfte:
Dienstleistungszen­trum Rigi Kaltbad
6356 Rigi Kaltbad
Tel. +41 (0)41 399 87 87
www.rigi.com

Der Name klingt nicht gerade einladend. Schon gar nicht an einem diesigen Winter­tag, an dem man keinen Hund vor die Tür, geschweige denn ins Wasser jagen würde. Aber das Mineralbad und Spa Rigi Kalt­bad wird glücklicherweise sei­nem Namen nicht gerecht. Wunderbar geborgen fühle ich mich im warmen Thermalwasser, während draussen vor den grossen Panoramafenstern der eisige Winterwind die Schneeflocken vorbeibläst. Genüsslich lasse ich mich an den Massagedüsen durchwalken, spüre, wie sich die Verspannungen lösen, und mit der zunehmenden Trägheit stellt sich eine Gelassenheit ein, die Handy, Terminkalender und Verpflichtungen des Alltags ver­gessen lässt.

Ruhe und Leichtigkeit 

Schnörkellos ist die Badeanla­ge, die der Tessiner Stararchi­tekt Mario Botta in den Hang hineingesetzt hat. Und man versteht, warum die imposante Schwimmhalle mit der hohen Decke und der grossen Fens­terfront als «Badetempel» be­zeichnet wird. Heller Granit strahlt Ruhe und Leichtigkeit aus, und auf Hottubs, Whirl­pool und andere Wellnessakti­vitäten wurde verzichtet. Statt­dessen zieht man sich in eine der Felsnischen zurück und macht es sich auf den Sprudelliegen bequem.

Mehrere Lichtschächte aus leicht grünem Glas im Schnee
Lichtschächte: Die Verglasungen wirken wie Diamanten im Schnee.
Der Ruheraum des Bades mit einem Innenbecken
Gediegener Ruheraum: Entspannen mit Panoramablick.
Aussenbad bei Nacht, beleuchtet von Laternen
So kann Glück sein: Auf Sprudelliegen in Felsnischen.

1450 Meter hoch liegt das Mineralbad, und schon die Anreise mit der gemütlichen Zahnradbahn hinauf auf das Plateau von Rigi Kaltbad gibt einem das Gefühl, dem Alltag zu entfliehen. Ich steige an der Bahnstation aus, betrete den Dorfplatz mit dem Hotel Rigi Kaltbad und einigen Geschäften und stehe, ohne es zunächst zu ahnen, auf dem Dach des Ther­malbads.

Erst als ich in einen der Lichtschächte blicke, deren Verglasungen wie Diamanten aus dem Schnee ragen, entde­cke ich die Badewelt unter mir.

2012 wurde das Mineral­bad und Spa eröffnet. Doch gebadet wurde hier oben auf der Rigi bereits vor 600 Jahren. Allerdings in eiskaltem Quell­wasser. Damals half der Glau­be beim Abtauchen, denn die Quelle galt als wundertätig. Sie sollte gegen allerlei Gebrechen helfen, nachdem sich hier drei fromme Schwestern vor den Nachstellungen übler Land­vögte zwischen den Felsen ver­steckt hatten. Dreimal musste man in der Heilquelle ein kal­tes Bad nehmen und anschlies­send betend um die zu Ehren der drei Schwestern erbauten Felsenkapelle laufen, um ge­heilt zu werden.

Ab Mitte des 19. Jahrhun­derts konnte in Rigi Kaltbad nach dem Bau eines Grandhotels warm gebadet werden, weniger aus religiösen, aber wegen des mineralienreichen Wassers immer noch aus ge­sundheitlichen Gründen.

Schwerelos im Kristallbad

Heute kann ich mich im dampfenden Aussenbecken so­gar hinaus in die winterliche Eiseskälte wagen. Das Wasser der Drei-Schwestern-Quelle wird auf angenehme 35 Grad erhitzt, klimaneutral mit Stückholz vom nahen Rigi­wald und modernster Technik zur Wärmerückgewinnung. So kann ich mit ruhigem Gewis­sen den Ausblick vom Becken­rand geniessen. Bei schönem Wetter muss die Sicht über den Vierwaldstättersee auf die Zentralschweizer Alpen gran­dios sein. Zurzeit liegt aller­dings dichter Nebel über der Rigi. Aber selbst das kann das Badevergnügen nicht trüben.

Im Gegenteil. Eingepackt wie in dicke Watte, kann ich mich ganz auf mein Wohlergehen konzentrieren.

So schlicht wie der Bade­tempel ist auch der Spa-Be­reich eine Etage tiefer. Nicht nur, weil auch hier die gradlinige Architektur und die freundlichen Farben von Gra­nit und Holz dem Auge Erho­lung bieten. Sondern weil hier ebenfalls auf ein Überangebot an Wellnessstationen verzich­tet wurde. Wo ich sonst in Hektik gerate, weil ich mich zwischen einem Dutzend Sau­navarianten entscheiden muss, gibt es hier nur ein Kräuter­dampfbad, eine geräumige Sauna und zwei Ruheräume. Ein besonderes Erlebnis ist das Kristallbad, ein dezent be­leuchteter Raum mit bläulich schimmerndem Becken.  Ich schwebe schwerelos im warmen Wasser, während man durch einen der Lichtkristalle in der Decke zum Himmel hinaufschaut.