Am Bodensee kommen grosse und kleine Autonarren in Fahrt: In der Autobau Erlebniswelt in Romanshorn kann man Raritäten auf vier Rädern bestaunen – von aussen wie auch von innen.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Vom Bahnhof ­Romanshorn 10 Minuten Fussweg, mit dem Auto vom Autobahnkreuz Winterthur auf die A 7 bis Ausfahrt 6 Kreuzlingen Süd, von dort auf der Route 13 bis Romanshorn. Kostenlose Parkplätze auf dem Gelände.
www.sbb.ch

Öffnungszeiten:
Mittwoch, 16 bis 20 Uhr, Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Private Besichtigungen können an jedem Wochentag gebucht werden. Die Gebäude sind mehrheitlich rollstuhlgeeignet. 

Angebote:
Die Räume können für Tagungen, Hochzeiten, Mitarbeiteranlässe etc. gemietet werden.

Allgemeine Auskünfte:
Autobau AG, Egnacherweg 7, 8590 Romanshorn
Tel. +41 (0)71 466 00 66 
www.autobau.ch

Weitere Museen:
Locorama, ein ­Museum für Dampf- und Elektroloks, direkt neben der Autobau Erlebniswelt www.locorama.ch 

Saurer-­Museum in Arbon
www.saurermuseum.ch 

Fliegermuseum in Altenrhein
www.fliegermuseum.ch

Wie ein Fuss in einem satt sitzenden Schuh. Genau so fühle ich mich in dem Cockpit des Indy Cars. Das Karbongehäuse des amerikanischen Rennwagens drückt an den Schultern, ich kann die Arme kaum bewegen, sitze auf einer harten Plastikschale und erahne die Pedale irgendwo weit vorne in dem schmalen Fussraum mehr, als dass ich sie spüre. 

Ein solcher Indy Car erreicht locker Spitzengeschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometer. Es ist mir unvorstellbar, in dieser verkrampften Haltung mit dem automobilen Geschoss durch enge Kurven zu jagen. Zum Glück bewegt sich mein Rennwagen nicht, sondern steht regungslos und sicher in einer Halle der Autobau Erlebniswelt in Romanshorn. Hier kann man in dem Flitzer probesitzen und sich dabei gefahrlos wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton fühlen. 

Anfassen erwünscht

Der Rennwagen ist nicht das einzige Ausstellungsstück, mit dem Besucher in den hellen Klinkerbauten in unmittelbarer Nähe zum Bodensee auf Tuchfühlung gehen können. Anfassen ist hier ausdrücklich erwünscht. «Wir wollen kein Museum sein», sagt Jessica Ursch, Eventspezialistin bei der Autobau AG, «sondern unsere Besucher sollen die Besonderheiten der Autos sinnlich wahrnehmen können.» 

Dabei lässt allein schon der Anblick der stromlinienförmigen Karosserien nicht nur die Herzen der Autoliebhaber höherschlagen. In dichten Reihen stehen in dem ehemaligen Depot der Eidgenössischen Alkoholverwaltung vom pfeilschnellen Rennwagen über elegante Old­timer bis zum modernen Elektrofahrzeug die schönsten Fahrzeuge, die je gebaut wurden. 

Ein hellblaues, altes Fahrzeug.
Juwel mit Geschichte: Eine Chevrolet Corvette C1.
Eine Halle, in der mehrere alte Fahrzeuge stehen.
Ein grosser Teil der über 120 Exponate sind Renn- und Sportwagen.
Ein Rennauto vor einem Haus.
Ein «Indy Car», der auf der US-Rundstrecke in Indianapolis fuhr.

Sie alle gehören Fredy Lienhard, dem Chef des traditionsreichen Familienunternehmens für Metallbüromöbel Lista. Mehr als 120 Autos umfasst die private Sammlung, darunter auch Sport- und Rennwagen, mit denen er selbst namhafte Autorennen gewann.

Dass die wertvollen Stücke besichtigt werden können, sei einer Gruppe Viertklässler zu verdanken, erzählt Jessica Ursch. Denn als Fredy Lienhard den Schülern 2003 seine Sammlung zeigte, brachte ihn die Begeisterung der Kinder auf die Idee zu der öffentlichen Ausstellung. 

So stehen nun seit 2009 auf mehreren Etagen Prachtexem­plare der Autogeschichte wie ein gut acht Meter langer Dragster, eine Replika des legendären Porsche 917 K, mit dem Steve McQueen in LeMans seine Runden drehte, oder James Bonds Aston Martin.

Schätze im Schnapstank

Bei den Classic Cars wetteifern die üppigen Formen eines Cadillac De Ville von 1950, bekannt aus dem Kultfilm «American Graffiti», mit der eleganten Erscheinung eines Mercedes-Benz 300 SL Cabrio um Aufmerksamkeit. Und man staunt über die ausgefallenen Ideen mancher Autobauer: etwa über den poppig minzgrünen Enzmann 506, der von einem Schweizer Landarzt 1960 kon­struiert wurde und der einem Disneyfilm entsprungen zu sein scheint. Oder über das futuristisch aussehende Konzeptfahrzeug des Autoveredlers Rinspeed, das mit Grünabfällen fährt und sich wie ein Motorrad in die Kurven legt. 

2016 wurde die Erlebniswelt um ein Ausstellungsgebäude erweitert, das allein schon eine ­Besichtigung wert ist. Neben den ehemaligen Lagerräumen der Alkoholverwaltung erhebt sich ein zwölfeckiger Backsteinturm, der einen gewaltigen Stahltank verbirgt. 22 Meter breit und 10 Meter hoch ist der Koloss, der 1902 gebaut wurde. Nach aufwendiger Renovierung bietet das schlicht schwarz lackierte Innere des denkmalgeschützten Industriebaus einen passenden Rahmen für die dort platzierten leuchtend bunten Sportwagen. 

Und irgendwie passt er auch zur Ausstellung. Denn fast drei Millionen Liter Sprit fasste der Tank in alten Tagen. Allerdings hochprozentigen, der vom Bund aus dem Verkehr gezogen und hier gebunkert wurde, als mit der Einführung des Alkohol­gesetzes 1887 der übermässige Schnapskonsum der Bevölkerung eingedämmt wurde.

Ein Mann sitzt in einem alten, weissen Fahrzeug, das in einer Halle steht.
Ein ­Mercedes 300 SL Cabriolet.