Unser Wanderer nimmt aufs Rellerli die Bahn, deren Existenz bald enden wird. Ein grossartiger Höhenweg zwischen Saanenländer Dolomiten und Berner Alpen führt ihn zu einer sehr heissen Käseschnitte.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise: 
Mit dem Zug nach Spiez. Weiter mit dem Bus nach Zweisimmen. Von dort mit dem Zug Richtung Montreux bis Schönried. Wenige Schritte bis zur Gondelstation.
www.sbb.ch
www.postauto.ch

Route:
Rellerligrat, Bergstation–Vorderi Schneit–Bire– Luegle–Schiltenegg– Hüsliberg-Beizli–Sparenmoos.

Dauer:
3 Stunden, 261 Meter auf-, 455 Meter abwärts. Eine halbe Stunde mehr mit dem Umweg via Hundsrügg.

Wanderkarte:
263 T, Wildstrubel, 1:50 000.

Einkehr:
Rellerli und Sparenmoos (Beizli, Fr/Sa/So).
Neuenberg (Nüjeberg): bis Anfang Sept. täglich.
Hüsliberg-Beizli: bis 2. Sept. Fr/Sa/So.

Weitere Informationen:
www.gstaad.ch
Bestellung Flyer per Telefon: +41 (0)33 748 81 81.

Die Sonne scheint, eine tolle Route steht an. Trotzdem schmerzt meine Seele, als wir von Schönried nahe Gstaad per Gondelbahn hinauf zum Rellerli fahren. Denn das ist nur noch bis Mitte Oktober möglich. Die Konzession der Bahn läuft aus. Danach wird sie abgebaut, ein Neubau würde zu viel kosten.
Und dann – was wird dann aus dem Berg? In der stillgelegten Rellerli-Bergstation will der Milliardär Ernesto Bertarelli, der viel Geld in die Sanierung der regionalen Bahnen eingeschossen hat, eine private Lodge einrichten. Mit einem öffent­lichen Kiosk, immerhin. 

Ein Verein hat sich auch eingeschaltet und will eine neue Bahn. Aber ob das zu etwas führt? Geniessen wir das Rellerli, solange es sicher noch bequem erreichbar ist! Also in den nächsten Monaten.  
Oben ziehen wir gleich los. Weil unser Grüppli in Wanderfreund Edwin einen Kenner der Gegend dabei hat, erfahren wir schon auf dem ersten Kilometer das Wesentliche zur regionalen Geografie: Auf dem Höhenweg zum Sparenmoos werden wir zwei unterschiedliche Bergformationen erleben: Linker Hand, so erklärt es uns Edwin mit einiger Begeisterung, haben wir die Saanenländer Dolomiten mit der Gastlosen-Kette. Und rechter Hand haben wir in gestaffelter Formation die Berner Alpen.

Auf Du und Du mit einer Kuh

Dies ist eine Genusswanderung. Sanft geht es auf und ab. An einer Krete vor unserem Zwischenziel Bire hockt eine deutsche Familie. Die Kinder erkunden gerade das fremde Wesen Kuh, gleich mehrere Tiere, jung und alt, stellen sich dafür gutmütig zur Verfügung und lassen sich kraulen. Die eine Kuh will freilich eine abgestreifte Windjacke mampfen; rechtzeitig wird ihr das schwer verdau­liche Ding entwunden.

Dies ist eine Genusswanderung. 

Nach dem Alpgebäude der Bire kommt der Wanderverzweiger Luegle. Das Grüpp­li teilt sich mal kurz. Die Hochleistungsfraktion steigt auf den Hundsrügg, die andere zieht parallel zum Gratweg ­einigermassen auf der Höhenlinie weiter. Bei der Schiltenegg ist Wiedervereinigung, die Hundsrügg-Eroberer strahlen vor Sportlichkeit. Und die Gemütlichen versuchen, beeindruckt zu wirken. Gemeinsam ziehen alle weiter, ignorieren den Abzweiger zum Restaurant Neuenberg. Edwin hat im Hüsliberg-Beizli reserviert.

Wunderbar finden wir dort die Holzplanke am Haus, auf der Essklassiker notiert sind wie «Alpöhis Cheesbrätt» und «Öskus Sennekaffi»; doch, hier kann man es sich sehr gut gehen lassen. Die deftige Käseschnitte mit Speckstreifen und Spiegelei macht Eindruck, als sie serviert wird. Riesig ist sie und kommt derart heiss aus dem Ofen, dass der Käse wild brutzelt und das Dekorationsgürkli zum Tanzen bringt. Toll, ich filme das mit dem Handy. Die kurze Passage nach der Einkehr zum Sparenmoos allerdings: Ojemine, mein Bauch ist mehr als voll.

Zu Fuss, mit Taxi oder Trottinett

Vom Sparenmoos gibt es vier Möglichkeiten, ins 700 Höhenmeter tiefer gelegene Zweisimmen zu gelangen. Erstens, man geht zu Fuss, Gehzeit 100 Minuten. Zweitens: An vielen Wochenenden fährt der Sparenmoos-Bus. Drittens: Man kann das Taxi der Firma Schnidrig bestellen oder besser vorbestellen. Und viertens gibt es die Variante Trottinett.

Wir haben reserviert, ein netter Typ überreicht uns die Helme und erklärt uns die Bremsen. Dann sausen wir los. Und es ist wie immer: Im Voraus finde ich Trottis extrem doof. ­Kindisch. Und sobald ich auf einem stehe, johle und grinse ich und finde es das Grösste. Sogar die Agonie der Rellerlibahn verblasst dagegen.