Die Schwägalp am Fusse des Säntis bietet Besucherinnen und Besuchern viel Sehenswürdiges: Die Schaukäserei und der Naturthemenpark sind für Gross und Klein sehenswert.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise: 
Mit dem Zug nach Urnäsch oder Nesslau, danach mit dem Postauto bis Schwägalp.
www.sbb.ch


Naturerlebnispark: 
Es gibt vier miteinander verbundene Themenwege, die zwischen 1,5 und 2,4 Kilometer lang sind. Start und Ziel sind auf der Schwägalp.


Allgemeine Auskünfte: 
Säntis-Schwebebahn 
Tel. +41 (0)71 365 65 65
www.saentisbahn.ch


Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Appenzell Tourismus entstanden.

Ein Schal aus grauen Wolken umhüllt den Gipfel, ein Donnern gemahnt an rasselnden Husten. Es scheint, als habe sich der Säntis eine Erkältung zugezogen. In der restlichen Schweiz ist es sonnig. Das ist typisch für den höchsten Berg der Appenzeller Alpen: typisch für einen typischen Wetterberg. Die Nordwand fällt steil ab, ein schützendes Vorgebirge fehlt. Darum kann das Wetter hier unerwartet wechseln und wüten.

Ich stehe am Fusse des Säntis, auf der Schwägalp, und bin froh, dass ich heute nicht hoch hinaus will. Denn wer den Zweieinhalbtausender besteigt, ist auf eine klare Sicht erpicht: Der Gipfel verspricht ein 360-Grad-Panorama auf 6 Alpenländer. Vielmehr will ich die Schwägalp erkunden, den Ausgangspunkt der Säntis-Schwebebahn. Ein Appenzeller hat mir verraten, dass es hier ein kleines Paradies für Käseliebhaber gibt. Und dass sich die Wanderwege wie ein Spinnennetz über die Hügel legen.

Der Gipfel verspricht ein 360-Grad-Panorama auf 6 Alpenländer.

Familie wandert mit der Schwebebahn im Hintergrund.
Die Schwebebahn fährt von der Schwägalp hoch auf den Säntis.
Mann hält Käselaib in den Händen.
In der Käserei bei der Talstation reifen Käselaiber.

Die Schaukäserei

Oben angekommen, bin ich im ersten Moment von Stille umgeben. Die Sonnenschirme auf der Terrasse des Berghotels Schwägalp: zugeklappt. Die kilometerlange Parkplatzschlange bei der Talstation der Schwebebahn: leer. Dafür atme ich kühle, klare Luft ein, meine Schuhe schmiegen sich in die weiche Bergmatte. Bevor ich pure Natur inhaliere, steuere ich die Schaukäserei vis-à-vis dem Berghotel an, zu der rund 60 Bauern aus der Umgebung ihre Alpmilch bringen. Im Schindelhaus umhüllt mich eine Wärmewolke. Durch eine Glasscheibe kann ich 2 Käser bei der Arbeit beobachten.

Zur Schaukäserei bringen rund 60 Bauern aus der Umgebung ihre Alpmilch.

Doch ich will näher ran und lasse mich von Betriebsleiter Othmar Manser durch die Käserei führen. Der 64-Jährige mit der weissen Gummischürze arbeitet den 10. Sommer hier. Der Käse sei ihm all die Jahre nie verleidet, sagt er. Im Gegenteil: «Daheim kommt zum Zmorge immer ein Stück auf den Tisch.» Manser führt mich zu einem der kupfernen Käsekessi, wo die mit Lab versetzte Milch am Eindicken ist. Später wird sie mit einer Harfe, einem langstieligen, mit Drähten bespannten Instrument, verschnitten. Die Masse zerfällt, sogenannter Bruch entsteht.

Ich werfe einen Blick auf die Formen nebenan. In ihnen wird der Bruch zu schallplattengrossen Käsen gepresst. Weiter gehts in den Keller, wo die 5 Kilo schweren Rundlinge nach einem 36-stündigen Salzbad gelagert werden. Dort ist es angenehm kühl, aber der Käsegeruch so stark, dass ich mich schleunigst wieder nach oben begebe. Bei der Ladentheke gibt es eine Kostprobe. Keine Frage, ich will den Schwägalp-Käse probieren. 2 Monate gereift, schmeckt er mild, weich und samtig. Manser sagt: «Halbjährig ist er noch würziger, einfach perfekt.»

Im Sirup-Himmel

Draussen wandert mein Blick wieder zum Säntis. Es scheint ihm besser zu gehen. Die Wolken haben sich verzogen, die Kellnerin des Berghotels spannt die Sonnenschirme auf, eine Motorradtruppe parkiert ihre Töffs.

Jeder Weg ist einem bestimmten Thema gewidmet.

Ich mache mich auf in den Naturthemenpark: ein Netz aus 4 Rundwegen, Start und Ziel auf der Schwägalp. Jeder Weg ist einem bestimmten Thema gewidmet. Ich entscheide mich für die «Alpwirtschaft». Tafeln führen mich einen Pfad entlang, ich erfahre unter anderem, dass die Sennen auf der Schwägalp als Genossenschaft organisiert sind und sich früher an Sennenbällen vergnügten. Weiter wandern, durch Weiden, gespickt mit Felsbrocken und Tannen, vorbei an Sennhütten, Bauern und Kühen. Überall Alpkräuter: Zitronenmelisse, Pfefferminze und Wacholder. Ich atme die Düfte ein, komme mir vor wie im Sirup-Himmel, frage mich: Wer braucht schon eine 360-Grad-Sicht, wenn es die Schwägalp gibt?