St. Gallen hat ein Museum, wie es keine andere Stadt in der Schweiz kennt: Das Bierflaschenmuseum der Brauerei Schützengarten. Über 2000 Bierflaschen gibt es hier zu bestaunen. Der Besuch im Museum lässt sich perfekt mit einem Bummel durch die schöne St. Galler Altstadt verbinden.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise: 
Mit dem Zug zum Bahnhof St. Gallen, von da ein kurzer Spaziergang durch die Altstadt zur Brauerei Schützengarten. 
www.sbb.ch


Bierflaschenmuseum:
Kontakt über Brauerei Schützengarten AG
Tel. +41 (0)71 243 43 43
www.schuetzengarten.ch


Verpflegung:
Restaurant National zum Goldenen Leuen
Tel. +41 (0)71 222 02 62, keine Website

Eine Flasche mit Bügelverschluss ist eine praktische Sache: Man kann darin Öl, Fleckenwasser, selbst gebrannten Schnaps oder Spiritus dicht verschlossen aufbewahren. Deshalb erstaunt es kaum, dass um 1900 nur wenige Bügel-Bierflaschen den Weg zurück in die Brauereien gefunden haben. Da half auch der Hinweis «Unverkäufliches Eigentum der Brauerei» auf der Flasche wenig. Also wurde 1907 ein Flaschenpfand von 10 Rappen eingeführt. Vergebens. Erst die Erhöhung auf 30 Rappen brachte den gewünschten Erfolg.

Dabei wurde der Bügel- oder Patentverschluss ursprünglich zum Verschliessen von Flaschen entwickelt, in denen die Flüssigkeit etwa durch Kohlensäure unter Druck steht. Eine bahnbrechende Erfindung für den Biertransport also, denn im Gegensatz zu den bis dahin gebräuchlichen Korken oder Hartgummizapfen konnte die herausdrängende Kohlensäure dank diesem neuartigen Verschluss sicher und effektiv in der Flasche behalten werden.

Mann steht neben Glasvitrine und hält eine Bierflasche in der Hand.
Herr über 2000 Flaschen: Christian Bischof präsentiert seine schön gestaltete Bierflaschensammlung.
Bier und Käseküchlein.
Im Restaurant National: Zum guten, lokalen Bier gehört auch ein leckeres Chäschüechli.
Abendstimmung in der Altstadt.
Einkaufsstrasse mit Jugendstil-Charme: Die Multergasse in der St. Galler Altstadt.

Die Flasche vom Sittertobel

Wer sich für Fakten, Zahlen und Geschichten rund um die Bierflasche interessiert, ist im kleinen, aber feinen Bierflaschenmuseum der Brauerei Schützengarten in St. Gallen genau richtig. In der schweizweit einzigen Ausstellung dieser Art stehen rund 2000 Bierflaschen dicht an dicht, alle fein säuberlich nach Ortschaften sortiert und effektvoll beleuchtet. Zu verdanken ist dieses Stück Schweizer Brauereigeschichte dem leidenschaftlichen Sammler Christian Bischof aus Wittenbach. «Als Bub habe ich im Sittertobel eine alte Bierflasche gefunden – und damit hat alles begonnen», erzählt er. Es war eine Flasche der ehemaligen St. Galler Brauerei Hock. Sie trägt die Jahreszahl 1913 und ist für Christian Bischof, der auch noch andere Bierartikel wie Schilder, Bierdeckel oder Krüge sammelt, nach wie vor das wertvollste Stück seiner Sammlung. Woher aber kommen all die vielen anderen Exponate? Die Tonflasche aus dem Jahr 1860 der Brauerei Schönenwegen, die mundgeblasenen Glasflaschen mit eingeätzten Schriftzügen, die mächtigen 2-Liter-Bierkrüge aus Hausbrauereien? «Als Kind hatte ich natürlich kein Geld, um Flaschen zu kaufen, da wurde ich vor allem im Altglas fündig, das man früher zur Entsorgung einfach an die Strasse gestellt hat», sagt der gebürtige St. Galler. Später fuhr er dann mit dem Töffli auf Flohmärkte, und natürlich kennt man sich mit der Zeit unter Sammlern und pflegt Kontakt und Austausch. 

Brauereien boomen

Rund 260 Brauereien sind im St. Galler Bierflaschenmuseum vertreten, die es inzwischen grösstenteils gar nicht mehr gibt. Seit einiger Zeit geht es aber vor allem mit lokalen und regionalen Bieren wieder aufwärts. «Und die sollte man unbedingt probieren», sagt Bierliebhaber Christian Bischof. «Gerade Kleinbrauereien machen ganz hervorragende Biere.» Ein solches bekommt man beispielsweise im Restaurant National zum Goldenen Leuen – im «Naz», wie man hier sagt – an der Schmiedgasse mitten in der hübschen, grösstenteils autofreien Altstadt. Grund genug für einen kleinen Bummel durchs historische St. Gallen. Wenige Schritte vom Museum entfernt führt die schmale Goliathgasse Richtung Marktplatz, wo Wochen-, Frühlings-, Herbst- und Bauernmärkte stattfinden – und natürlich der Weihnachtsmarkt. Von der Marktgasse zweigt rechts die Multergasse ab. Sie gilt als wichtigste Einkaufsstrasse mit einigen sehr eindrucksvollen Jugendstilbauten. Parallel dazu verläuft die Schmiedgasse. Hier steht das wohl schönste Altstadthaus, das «Haus zum Pelikan» mit seinem prachtvollen Erker. Bald schon erreicht man das «Naz», das traditionsreichste der St. Galler Bierlokale. In der gemütlichen Gaststube wird die Bierkultur, die seit dem 9. Jahrhundert in St. Gallen heimisch ist, gepflegt – und die Chäschüechli, die dazu serviert werden, sollen weitherum die besten sein, wie es heisst.