Von St. Gallen nach Heiden gehts auf und ab, vorbei an Primelteppichen und Restschnee. Viele Einkehrmöglichkeiten locken mit lokalen Spezialitäten.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug bis St. Gallen.
www.sbb.ch

Route:
St. Gallen-SBB – Kloster – Drei Weieren – Notkersegg – Hueb – Schaugen – Achmühle – Robach – Gupf – Kaienspitz – Naturfreundehaus Kaien – Schwanteln – Heiden-Post (Bus nach St. Gallen).


Dauer:
5½ Stunden. 848 Meter auf-, 716 abwärts.


Wanderkarte:
227 T, Appenzell, und 217 T, Arbon, 1:50 000.


Verpflegung:
Achmühle
www.achmühle.ch
Urwaldhaus
www.urwaldhaus.ch
Gupf (gediegenes und teures Haus)
www.gupf.ch
Hotel Heiden
www.hotelheiden.ch

Mein Grüpplein und ich tun das ab und zu: aus einer Stadt hinauswandern. Diesmal ist unser Startpunkt St. Gallen und das Ziel der Ausserrhoder Kurort Heiden hoch über dem Bodensee. Dessen Glück wurzelt im Unglück: 1838 brannte das Dorf in einem Feuer nieder. Der Wiederaufbau machte es zum klassizistisch-biedermeierlichen Bijou.

Vom Bahnhof St. Gallen ziehen wir an den Rand des Klosterviertels weiter. Durch die Mühlenschlucht geht es, parallel zum Mühlegg-Bähnchen, steil aufwärts. Oben erreichen wir einen Panoramaweg. Zu seiner Rechten zieht sich das Areal Drei Weieren, eine der schönsten Badeanlagen im Land. Zur Linken liegt in ihrer Senke die Stadt. Dahinter glitzert der Bodensee in der Sonne. Bei der Notkersegg erreichen wir das Kloster Maria vom guten Rat. Wir schauen kurz in die Kirche. Dann eine stark befahrene Strasse mit angegliedertem Bahngleis, die Verbindung St. Gallen–Speicher–Trogen. Hernach wird es sehr schnell sehr ländlich. Und es geht abwärts ins Gebiet Schaugen.

Oben erreichen wir einen Panoramaweg.

Feucht ist es in dem Geländeloch und sumpfig, dafür erfreuen uns Primelteppiche. Über zwei kleinere Bäche kommen wir zur Goldach. Sollen wir in der «Achmühle» einkehren? Es ist noch etwas früh, wir verzichten schweren Herzens. Was wir an Höhe verloren haben, müssen wir uns nun wieder erkeuchen. Wir schwitzen in der Sonne, freuen uns auf das «Urwaldhaus» in der Streusiedlung Robach – dort wollen wir essen. Gemein! Es zeigt sich, dass das Lokal, das ich aus meiner Kindheit kenne, gerade zu ist.

Kuh auf grüner Wiese
Rückblick zur Hohen Buche.
Liegender Appenzeller Hund
Typischer Appenzeller.

Das «Urwaldhaus» ist ein Appenzeller Unikat. Nur schon der Name. Eigentlich heisst die Wirtschaft in dem Haus aus dem 16. Jahrhundert «Bären». Aber seit in ihm vor gut 60 Jahren die «Bären»-Frieda wirtete, die die Balken des Hauses mit Urwald-Baumstämmen verglich und das passende Fantasieschild malen liess, dominiert der exotische Name. Hier gibt es übrigens eine Zimmerschützenanlage, ein Gaudi für Gruppen. Und eine alte Tradition der Gegend, die Geselligkeit, auch im Winter ermöglichte.

Aufwärts und aufwärts und aufwärts, ein Knurren im Magen. Im Luxusrestaurant Gupf könnten wir wieder einkehren, der Blick zum Säntis und zum Bodensee ist überwältigend. Wir stellen allerdings fest, dass der hinterletzte Platz besetzt ist. Und das ganz offensichtlich von Nichtwanderern; der Parkplatz ist voll, zudem steht neben dem Restaurant ein italienischer Helikopter.

Der Blick zum Säntis und zum Bodensee ist überwältigend.

Gefasst gehen wir weiter, die Wiesen, der weite Himmel und die letzte Steigung zum Kaienspitz lenken uns ab. Dieser hübsche Hügel, Teil der allgemeinen Kupiertheit der Gegend, bildet mit 1122 m ü. M. den höchsten Punkt unserer Route. Hernach ein übrig gebliebenes Schneefeld, das wir hinabschlittern und dabei grinsen wie Kinder.

Das Naturfreundehaus Kaien ist offen. Wir kehren ein, trinken ein Bier, essen aber immer noch nichts; wir haben uns unterdessen darauf geeinigt, aus dem Hunger eine Kunst zu machen und erst am Schluss in Heiden zuzulangen. Herrlich ist der Apéro in der Frühlingssonne. Bald darauf erreichen wir Heiden und haben derart Appetit, dass wir die Biedermeierhäuser kaum anschauen. Wanderer sind durchaus interessiert an Kunst und Kultur. Aber nur, wenn die Kalorien gesichert sind. Im Hotel Heiden bekommen wir die ersehnte Bratwurst mit Rösti.

Apropos Appenzeller Hoger

Gleich noch eine Wanderung, die aus dem Sanktgallischen hinauf ins Appenzellische führt. Der anvisierte Gipfel­hoger ist diesmal der Gäbris, dazu kommt die etwas tiefere Hohe Buche. 5½ Stunden muss man für die Unterneh­mung rechnen, es geht 960 Meter aufwärts und 580 ab­wärts. Für die Strapaze wird man entschädigt, indem man in der ersten Weghälfte ein­sam in wunderbarem Gelände unterwegs ist. Und ganz oben gibt es eine Belohnung, näm­lich eine Appenzeller Sied­wurst mit Chäshörnli. Start ist in Altstätten, vom oberen Ortsrand ziehen wir in stei­lem Gelände links vom Bren­denbach hinauf zum Weiler Fidern. Wieder höher wartet die Alp Klosmeren, ein guter Rastpunkt. Es kommt der Schwäbrig, bekannt durch Kachelmanns Meteostation.

Im «Unteren Gäbris», einer schönen Bauernwirtschaft, könnten wir bereits essen, das ist durchaus zu empfeh­len. Aber irgendwie ist es halt noch schöner, erst ganz oben zuzuschlagen, im «Oberen Gäbris»; die Rundsicht von Österreich über Alpstein bis Zürcher Oberland und Boden­see ist fantastisch. In der «Ho­hen Buche» («Buche» auf der Karte) einige Zeit später kön­nen wir gleich noch einmal einkehren. Die Passage von dort hinab zum Bahnhof Büh­ler über eine lang gezogene Krete ist paradiesisch, sobald die Frühlingsflora sich zeigt.