Durchs historische Städtchen schlendern, die süssen «Steckborer Pfööl» geniessen, am Seequai flanieren und die Vögel beobachten: Eine Reise nach Steckborn ist Balsam für die Seele.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Zug bis Kreuzlingen oder Schaffhau­sen, dann mit dem «Thurbo» bis Steckborn, www.sbb.ch.
Mit dem Auto auf der A1/A3 bis Ausfahrt Frauenfeld.


Rundgang:
Die markanten historischen Gebäude sind jeweils mit einer Infotafel bestückt. Eine Karte für einen Stadtrundgang findet man auf: www.alt-steckborn.ch


Kulinarisches:
Das Ange­bot reicht von der gemütlichen Stadtbeiz bis zum Restaurant mit Seesicht, wo man auch fangfrischen Bodenseefisch erhält. Spezialität ist der Felchen.


Umgebung:
Rund um Steck­born gibt es einige Wander­wege mit schönster Panoramasicht.


Fabelweg:
Der Thurgauer Fabelweg mit 18 Stationen ist 11 km lang und führt von Steckborn nach Ermatingen in die Welt der Fabeln.
www.thurgauer-wanderwege.ch


Allgemeine Auskünfte:
Steckborn Tourismus
See­strasse 123
8266 Steckborn
Tel. +41 (0)52 761 10 55
www.steckborntourismus.ch

Aus der Ferne sind es un­zählige schwarze Punkte. Sie steigen auf in den winterlichen Himmel, bilden da eine dunkle Wolke und setzen sich schliesslich wieder auf dem Untersee ab. Ein eindrückliches Naturschauspiel, das ein paar wenige Spaziergänger am brei­ten Seequai von Steckborn verfolgen. Ein älterer Herr mit Hund reicht mir seinen Feldstecher, und aus den Punkten werden Wasservögel. Zehntau­sende von ihnen würden im Herbst an den Bodensee kom­men, um hier zu überwintern, erklärt der Mann, darunter auch solche, die man sonst nur selten sieht. Die Ringschnabelente bei­spielsweise oder die Steppenmöwe. Für viele Arten ist die Unterseeregion dank dem mil­den Klima ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet.

Ein eindrückliches Naturschauspiel, das ein paar wenige Spaziergänger am brei­ten Seequai von Steckborn verfolgen.

Weniger Freude an der Vogelvielfalt hätten die Fischer, weiss der Birdwatcher. Vor al­lem die Kormorane seien ihnen ein Dorn im Auge. Bis zu einem halben Kilo Fisch verspeist der grosse Vogel mit den schwarz glänzenden Flügeln täglich. Und dafür zerreisst er auch mal die Netze, die die Fischer aus­gelegt haben. Begehrt sind fang­frische Bodenseefelchen, aber auch Karpfen, Barsche und Hechte zudem bei den Fisch­liebhabern, die es sich in den umliegenden Seerestaurants schmecken lassen.

Bauernhaus im Fachwerkstil
Gut erhalten: Fachwerkkunst im Herzen des Städtchens.
Wandmalerei an einem Haus in der Altstadt
Malerisch: Fresko auf einer Hausfassade in der Altstadt.
Ein schwarzer Kormoran sitzt auf einem Ast.
Mildes Klima: Kormorane und andere Vögel überwintern am Untersee.

Auf Findlingen erbaut

Das historische Städtchen Steckborn liegt am Südufer des Untersees, zwischen Stein am Rhein und Kreuzlingen. Rund 3800 Einwohner leben in «Stäckbore», wie man hier sagt, dazu kommen viele Tagestouristen, um die malerische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern zu besichtigen. Zu den ältesten Gebäuden zählen der Wacht- und Pulverturm, der erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt wurde. Er steht am Seequai und ist auf Findlingen erbaut wor­den. Wenige Schritte entfernt trifft man auf das fast gleich alte Schulhaus, daneben die refor­mierte Kirche mit ihrem schie­fen Turm – was allerdings von Auge (noch) nicht erkennbar ist. Oder vielleicht doch ein ganz klein wenig?

Unterhalb des Friedhofs führt die Kirchgasse, einst Hauptgasse Steckborns, direkt zum Kehlhofplatz, der von einer mächtigen Linde dominiert wird. Und ringsum zeigen die Häuser prächtige Fachwerk­kunst. Der alten Stadtmauer entlang geht es dann zurück an den See und zu Steckborns Wahrzeichen, dem Turmhof mit seiner unverwechselbaren Sil­houette. Hier lebte vor rund 700 Jahren Diethelm von Cas­tell, Abt der Reichenau. Ihm ge­lang es, von Kaiser Heinrich VII. die Stadtrechte zu erwirken.

Spuren des Grossbrands

Die Seestrasse mitten durch das historische Zentrum führt wieder zurück zur Schifflände – vorbei an der Brandlücke, die 2015 ein Gross­brand zurückliess. In der Nacht brach in einem der alten Häuser ein Feuer aus, das schnell auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Trotz Einsatz von 160 Feuerwehrmännern wurden denn auch zwei Häuser total zerstört und drei stark beschädigt. Inzwischen läuft ein Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau. Gesucht werden Projekte, die sich in die be­stehende historische Häuserzeile einfügen. Man darf ge­spannt sein.

Bald schon bevölkern sich die Schifflände und die Quai-Anlage.

Es ist Nachmittag, und in­zwischen hat es die Sonne ge­schafft, ab und zu zwischen den Winterwolken hindurchzublinzeln. Bald schon bevölkern sich die Schifflände und die Quai-Anlage, die seit 4 Jahren zu Ehren des 1912 verstorbenen Thurgauer FDP-Bundesrats Adolf-Deucher-Quai heisst. Schnell sind die Bänke unter den Trauerweiden besetzt, man­che Flaneure machen es sich auf der Ufermauer gemütlich, die den einstigen Holzdamm er­setzt. Die Überreste der Pfosten stecken aber auch heute noch gut sichtbar im Seegrund. Sie waren es wohl, die die Bäckerei Meier gleich um die Ecke zu einer süssen Spezialität inspi­riert haben: die «Steckborer Pfööl» aus Schokolade, gefüllt mit Mascarpone-Creme und Hüppenkrokant, überpudert mit einem Hauch Bronze. Eine Versuchung, die sich lohnt.