Den Vättnerberg im St. Galler Oberland kann man auf einer angenehmen Wanderung entdecken. Ausserdem gibt es schöne Wirtschaften, die nach der Wanderung warten.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Buslinie Bad Ragaz – Vättis. Seilbahn-Fahrplan auf: www.vättnerberg.ch, Tel. +41 (0)79 448 38 51
www.sbb.ch 

Route:
Vättnerberg-Berg­station – Alp Findels – unsignalisierter, aber gut sichtbarer Querpfad zum Tritt – Hütten – Bergstation.

Dauer:
Knapp 2 Stunden auf dem Berg. Dazu kommt der Weg Vättis – Talstation und retour, 70 Minuten. 

Wanderkarte:
247 T, Sardona, 1:50 000

Verpflegung:
Auf Findels, wenn die Alpleute da sind. In Vättis.


Alle paar Monate mal steht im Supermarkt eine Person. Eine Verkäuferin oder so. Sie streckt einem ein Tablett entgegen mit – zum Beispiel – Schnitzen drauf: «E neui Frucht, möchted Sie probiere?» Genau so sehe ich diese Kolumne. Der Vättnerberg hoch über dem Tal der Tamina im St. Galler Oberland war mir kein Begriff. Ich nahm die Seilbahn hinauf, wanderte, war begeistert. Und nun schreibe ich die Kolumne. Und hoffe, dass viele Leute Lust haben, den Vättnerberg auszuprobieren, der übrigens eher eine Terrasse ist als ein Berg.

Das Postauto vom Bahnhof Bad Ragaz nach Vättis – dies voraus – bedient die Seilbahn-Talstation nicht. Wir müssen von Vättis 35 Minuten auf dem Wanderweg Richtung talabwärts retour laufen. 

Einmal rot, einmal grün

Nun fahren wir entweder rot oder grün. Rot: Das ist die klassische Kleinkabine. Abwechselnd dazu verkehrt in Grün ein grösseres Vehikel, in dem man auch Tiere und Alpwaren transportieren kann. 625 Höhenmeter legt die Bahn zurück bei nur einer Stütze, wir gondeln über eine nackte Felsfluh. Oben finden wir eine weite Weidefläche vor, die sich gegen Norden zur steilen Halde krümmt. Den Gipfel dar­über, den Muntaluna, 2422 m ü. M., können wir von der Bergstation aus in gut 4½ Stunden hin und retour ersteigen.

Diese Tour ist freilich anstrengend, und wir wollen den Vättnerberg vielleicht wirklich vorerst ein wenig kennenlernen, ohne uns grad zu übertun; möglicherweise haben wir zudem Kinder dabei, die sich auf kürzerer Strecke garantiert wohler­ fühlen. Für sie ist die Variante gut, die ich hier vorschlage: Von der Bergstation steigen wir auf dem ausgeschilderten Weg sanft aufwärts zur Alp Findels. An einer Stelle zieht sich der breite Fahrweg einem Tobel entlang, aufpassen! Dann zeigt sich die Alp, von der wir weit ins Rheintal ­hinab blicken; vor Augen haben wir auch die neue Autobrücke zwischen Pfäfers und Valens über die Taminaschlucht. Über diese Brücke brausten wir einige Zeit zuvor im Postauto.

Der Rest ist leicht.

Auf Findels können wir uns draussen hinsetzen. Die Alpleute haben viel zu tun, wenn sie aber da sind, servieren sie gern zum Beispiel einen Salsiz oder eine Meringue. Weiter oben ist auch die Alp Heubödeli mit ihren Tieren ein Ziel. Nachdem 2015 Wölfe Ziegen gerissen hatten, verkleinerte der Alpmeister die Herde, sodass er sie besser überblickt. Auch hält er jetzt Yaks. Grunz! Doch zurück zu unserer gemächlichen Hauptvariante: Wir nehmen ab Findels die einigermassen horizontal verlaufende, nicht signalisierte Querverbindung zum Tritt; auf der Karte ist sie als gestrichelte Linie eingezeichnet. Beim Tritt steigen wir bis zum Kreuz und linsen direkt in den Gruselschlund des Radeinbachs. Der Rest ist leicht, via die putzige Hüttenballung namens «Hütten» steigen wir wieder ab zur Seilbahn.

Grad wie ein Bild von Hodler

Knapp 2 Stunden hat die Wanderung gedauert. Wer von Findels zum Heubödeli ging und retour, hat 2 Stunden mehr gebraucht. Erwähnt gehört zum Schluss erstens, dass der Vättnerberg Weitsicht bietet; und die Calandaflanke gegenüber wirkt so kraftvoll wie von Hodler gemalt. Und dass der Vättnerberg zweitens eine Walsersiedlung ist, die bis ins 18. Jahrhundert ganzjährig bewohnt war. Nachher nicht mehr, weswegen es keine Strasse hinauf gibt. Mit der Bahn sinken wir wieder zu Tale. Der Retourweg unten nach Vättis sollte hernach kein Problem sein: Gute Wirtschaften warten. Man probiere ihn aus, den aparten Vättnerberg!

Apropos Vättis

Manche Leute fürchten Seilbahnen – und meiden sie. Für sie eignet sich im Taminatal die Wanderroute von Valens nach Vättis, Gehzeit 2¾ Stunden, 342 Meter auf-, 306 abwärts. Start ist bei der Klinik Valens. Dort hält das Postauto, das vom Bahnhof Bad Ragaz nach Vättis fährt. Erste Etappe ab der Klinik: durch die Wiesen steil hinab zum Mülitobel und weiter unterhalb des Dörfchens Vasön zum Stausee Mapragg, der sich die wilde Energie der Tamina dienstbar macht. Am Stausee, dann an der Tamina zieht der Weg nach Süden. Bei Schüelen lohnt es sich, die nördliche Weg­variante via die Talstation der Vättnerberg-Seilbahn zu nehmen; der – gesicherte – Pfad wird im Tobel des Radeinbaches kurz aben­teuerlich. Die restliche Strecke nach Vättis ist ein ruhiges Auslaufen im Taminatal, dessen Anlage zwischen gewaltigen Bergflanken immer wieder neu begeistert. In Vättis selber kann man schön einkehren und die auf dem Weg verlorenen Kalorien zurückgewinnen.