Wandern im Herzen der Schweiz: Der Waldstätterweg führt in mehreren abwechslungsreichen Tagesetappen rund um den Vierwaldstättersee.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:
Mit dem Auto: A 4 bis Ausfahrt Brunnen, Parkmöglichkeiten sind beschildert.
Mit dem Zug bis Brunnen Bahnhof. 
www.sbb.ch

Wanderroute:
Schifflände Brunnen – Waldstätterquai – Föhnhafen – Hafen Marina Fallenbach – Treppe rechts hinauf zum Wald – Metallsteg – Bergwanderweg bis Gersau.

Länge:
Rund 8 Kilometer.

Höhen­differenz:
Etwa 250 Meter.

Wanderzeit:
Rund 2,5 Stunden.

Ausrüstung:
Gute Wanderschuhe, Route ist nicht kinderwagentauglich.

Waldstätterweg:
Der Weg führt in Etappen um den Vierwaldstättersee. Er ist als Route Nummer 98 (grünes Schild) durchgehend und in beiden Richtungen signalisiert.
www.­waldstaetterweg.ch

Allgemeine Infos:
Brunnen Tourismus, Bahnhofstrasse 15, 6440 Brunnen
Tel. +41 (0)41 825 00 40
www.brunnentou­rismus.ch

«Ältester Urner» – so heisst der Föhn in der Innerschweiz. Als warmer, trockener Fallwind bläst er vom Gotthard her über den Urnersee und sorgt schon im Frühling für ange­nehme Temperaturen und eine klare Sicht. Doch so schön das Panorama auf See und Berge ist, wenn der Föhn tobt, lässt man sich in Brunnen besser nicht auf einem der Sitzbänke am Ufer nieder. Je nach Stärke peitscht der Wind die Wellen nämlich bis über die breite Seeprome­nade und auf die Anlegestelle beim Seehotel Waldstätterhof. 

Bei solchen Verhältnissen können die Schiffe nicht mehr sicher anlegen und müssen bei Sturm zur Notlandestelle, dem Föhnhafen, der geschützt einige Fussminuten vom Zentrum Brunnens entfernt liegt. Mit diesem kleinen Spaziergang beginnt die erste Etappe des sogenannten Waldstätterweges. Dieser umrundet den Vierwaldstättersee mit all seinen Armen, Becken und Buchten. Er führt über Uferwege, Bergwanderwege, städtische Promenaden und Felsenpfade. In Verbindung mit dem «Weg der Schweiz» ist die ganze Strecke um einen der grössten Seen der Schweiz in neun Tagesetappen zu schaffen.

Ein Metallsteg am Ufer eines Flusses.
Metallsteg oberhalb der Galerie Fallenbach.
Eine Fähre mit einem Auto drauf auf einem See.
Die «Tellsprung» ist die einzige Fähre auf dem Vierwaldstättersee.
Eine Schiffstation und Menschen davor.
Die malerische Schiffstation Vitznau.

Hoch hinaus

Ab Föhnhafen geht es weiter Richtung Hafen Marina Fallenbach – immer gemütlich geradeaus. Jetzt aber wirds sportlich. Auf gefühlten tausend Stufen gehts steil den Berg hinauf in den Wald. Ein schmaler Pfade führt mal den Hang hinauf, dann wieder hinunter, über einen Bach bis zum 2016 erstellten Metallsteg oberhalb der Galerie Fallenbach. Der Steg quert eine steile Gesteinsplatte, doch dank dem hohen Geländer kann nichts passieren. Trotzdem: Wer nicht völlig schwindelfrei ist, sollte sich besser auf die Panoramasicht auf den See und die Berge konzentrieren. Gersauer­becken heisst dieser Abschnitt des Sees, gegenüber liegt Seelisberg, das ab der Schiffs­anlegestelle Treib bequem mit der romantischen Standseilbahn erreicht werden kann. Auch da führt eine Etappe des Waldstätterwegs vorbei, allerdings wäre man bis dahin noch viele Stunden oder gar Tage unterwegs.

200 Meter lang ist die Stegkonstruktion, die mit dem Prix Rando ausgezeichnet ist. Dieser wird alle zwei Jahre an Projekte vergeben, die die Qualitätsziele der Schweizer Wanderwege besonders gut erfüllen. Der Wanderweg verlief zuvor auf der Kantonsstrasse. Jetzt führt er durch Trockenwiesen, Wälder und vorbei an einem Wasserfall. 

Flanieren unter Palmen

Je nach Kondition kommt man nach rund zweieinhalb Stunden ab Brunnen in Gersau an. Der perfekte Ort für eine Pause, denn hier fühlt es sich fast schon wie im Süden an. «Riviera der Zen­tralschweiz» wird Gersau wegen seines milden Klimas genannt, und tatsächlich gedeihen hier an der Uferpromenade Edelkastanien, Feigen und Palmen. Da macht man es sich gerne gemütlich, etwa im «Fähri» gleich an der Anlegestelle der einzigen Fähre des Vierwaldstättersees. Die «Tellsprung» führt in 20 Minuten ans gegenüberliegende Ufer nach Beckenried und erspart Automobilisten rund 40 Kilometer Fahrt um den See. Auch Waldstätterweg-Wanderer könnten die Fähre benutzen, um die Etappe Beckenried-Seelisberg unter die Füsse zu nehmen. Oder aber sie wandern rund zwei Stunden weiter nach Vitznau, wo die erste Etappe endet. Wem das zu anstrengend ist, der steigt einfach in den Bus und fährt zurück nach Brunnen oder bis Vitznau. Auch das lohnt sich, denn nicht umsonst gilt die «Riviera-Linie» zwischen Schwyz und Küssnacht am Rigi als schönste Buslinie der Schweiz und macht so den vielen schönen Motor- und Dampfschiffen (fast) schon ein bisschen Konkurrenz.