Geschichte sinnlich erleben – das Museum Burg Zug bietet eine ebenso unterhaltsame wie informative Zeitreise ins Mittelalter.

Das Wichtigste im Überblick

Burg Zug:
Die Erlebnisführungen werden seit Ende August mit neuem Inhalt angeboten. Mit der Bahn bis Zug, weiter mit dem Bus Nr. 5 bis Kolinplatz, dann 2 Gehminuten. Mit dem Auto: Die Parkhäuser Casino oder Frauensteinmatt liegen sehr nahe.
www.burgzug.ch 

Schloss Jegenstorf:
Vielseitige Aktivitäten für Familien. Mit dem ÖV bis Jegenstorf, danach drei Gehminuten. Mit dem Auto ab Basel/Zürich via A 1 bis Ausfahrt Kirchberg, weiter Richtung Bern bis Hindelbank, Abzweigung ­Jegenstorf. Ab Bern via A 1 bis Ausfahrt Schönbühl, weiter bis Jegenstorf. Parkplätze vorhanden. 
www.schloss-jegenstorf.ch 

Allgemeine Auskünfte:
www.dieschweizerschloesser.ch 

Kaum haben wir das Burgtor am Rande der Zuger Altstadt durchschritten, sind un­sere Kinder ausgeschwärmt: die Treppe hoch in die verwinkelten Gemächer der Burg. Die Jüngste finden wir wieder vor einem Touch-Bildschirm, auf dem sie Tapeten gestaltet. Wir stehen in einem Raum, der uns die Geschichte der Tapeten und des kunstvollen Tapetendrucks näherbringt. Der Teenager steht in einem dunklen, mystisch wirkenden Raum voller Heiligenfiguren und blättert in einem magischen Buch. Mein längst erwachsener Götti­bub rüstet sich zum Spass mit Kettenhemd und Ritterhelm – hinter ihm glänzen Harnische und Hellebarden. Heute wird hier das Ritterdasein nur gespielt, im 14. Jahrhundert aber lebten an dieser Stelle noch die echten Ritter von Hünenberg. Die Anfänge der Burg liegen im 12. Jahrhundert. Der momentane Bau ist indes aus dem 18. Jahrhundert. Während wir ächzend versuchen, die schweren Kettenhemden hochzu­heben, berichtet eine Stimme aus dem Lautsprecher, wie sich Schweizer Söldner im hohen Mittelalter in fremden Diensten ein Zubrot verdienten.

Analog trifft Digitales

Egal, wie alt die Museumsbesucher sind – im Museum Burg Zug werden auch die Grossen wieder zu Kindern. Sie spielen, lernen mit allen Sinnen und staunen: etwa über das erwähnte übergrosse Buch, dessen Seiten erst weiss daliegen und dann wie durch Zauberhand historische Bilder und Infotexte erscheinen lassen. Nein, eigentlich ist das nicht magisch, es wirkt nur so. In Wirklichkeit projiziert ein Deckenmonitor die Bilder auf die Seiten. Faszinierend!

Durch die 1982 sorgfältig renovierte Burg weht ein frischer Geist, der auch Museumsmuffel zu irgendeiner Ecke mit für sie Interessantem führt.

Diese Verbindung von historischen Objekten und digitalen, modernen Möglichkeiten zieht sich durch das ganze Museum – und enthebt es über jegliche mu­seale Verstaubtheit. Durch die 1982 sorgfältig renovierte Burg weht ein frischer Geist, der auch Museumsmuffel zu irgendeiner Ecke mit für sie Interessantem führt: Auch wenn dies «nur» ein historisches Gesellschaftsspiel ist, das meine Nichte im Burgturm erschaudernd zum Spielen anregt – es besteht aus echten Knochenstücken.

Wo steckt das Einhorn?

Allzu rasch sind wir oben im Turm angekommen, weil die Kinder einen Fragefächer mit der Comicfigur Lili erhalten ­haben. Das hat ihren Entdeckertrieb geweckt – so sehr, dass sie eifrig die gesuchte Lili gefunden und somit ihr Ziel erreicht haben. Uns Eltern ging das zu schnell. Wir überlassen die Kinder dem Turm, wo man spielen, malen oder sich mit historischen Kostümen verkleiden kann – mit prächtiger Aussicht auf Altstadt und Zugersee. 

Eine Art Altar in einem Raum mit violetten Wänden.
Barocke Pracht.
Verkleidete Kinder spielen mit einer Burg.
Mit viel Spass und in historischen Gewändern ins Gestern: Das Museum Burg Zug begeistert Kinder ebenso wie Erwachsene.
Eine ausgestellte Ritterrüstung.
Mittelalter-Waffenkammer: ­Ritterrüstung und Hellebarden.

In aller Ruhe kehren wir in die unteren Stockwerke zurück. In jedem Raum wird ein anderes Thema aufgegriffen, das jeweils einen Aspekt der Zuger (aber auch der Schweizer) Geschichte präsentiert. So studieren wir etwa ein interaktives Modell der Stadt Zug. Es zeigt, wie sich die Stadt vom Hochmittelalter bis zur Gegenwart entwickelt hat. Ebenso könnte man sich in Glasmalereien vertiefen – das Museum Burg Zug hat davon eine grosse Sammlung. Wo in den farbigen Bildern steckt zum Beispiel das Einhorn? Eine Museumsmitarbeiterin lud uns ein, es in den Gemälden zu suchen.

Es ist auffällig, wie aufmerksam die Angestellten hier walten. Man spürt ihren Stolz auf «ihre» Burg. Sie empfehlen uns, auch mal an einer Erlebnisführung teilzunehmen, welche das Museum mit einer professionellen Schauspielerin regelmässig anbietet. Man kann sich gut vorstellen, wie dabei insbesondere Kinder noch sinnlicher an die Geschichten der Burg und Objekte herangeführt werden.

Darum soll uns bei nächster Gelegenheit eine weitere Mittelalterreise zum Schloss Jegenstorf führen: Denn dieses bietet geführte Erlebnis- und Märchenrundgänge an. 

Dieser barocke Berner Patrizierlandsitz in der Nähe von Bern wird dank seiner prächtigen Parkanlage auch «Petit Versailles» genannt. Ich sehe es schon vor mir, wie unsere Familie dort umgeben von Lüstern und Stuckaturen, Brokat und Intarsien traumwandlerisch ausschwärmen wird.